Categories
Flieger der Woche

Bootsmannsmaat Siegfried Schnetzer

von Stefan Stachniß.

Unter den bislang hier vorgestellten Fliegern nimmt Siegfried Schnetzer eine Sonderstellung ein. Wie die Bezeichnung seines Dienstgrades deutlich macht, war er Angehöriger der k.u.k. Kriegsmarine und der einzige Vorarlberger, der seinen Dienst als Pilot bei den k.u.k. Seefliegern absolvierte.

Siegfried Schnetzer wurde am 31. Dezember 1893 als Sohn des Stickers Gottfried Schnetzer und dessen Frau Katharina Keßler in Schlins geboren.[1] Er kam als Schiffsjunge nach Šibenik und besuchte dort die Matrosenschule. Während seiner Zeit bei der Marine erreichte er den Rang eines Bootsmannsmaats. Es darf angenommen werden, dass er bis zum Oberstabsbootsmann, dem höchsten Unteroffiziersrang, aufsteigen konnte.[2] Schnetzer diente auf dem Zerstörer SMS Lika bis zu dessen Untergang. Für seinen Dienst erhielt er Anfang des Jahres 1916 aufgrund tapferen Verhaltens während der Seeschlacht bei Durrës die kleine Silberne Tapferkeitsmedaille.[3] Dort versank die Lika durch die Detonationen zweier Seeminen, Schnetzer gelang es, sich mit einem Sprung ins Wasser zu retten. Nachdem „er sich mehrere Stunden schwimmend im offenen Meer über Wasser gehalten hatte“[4], wurde er gemeinsam mit weiteren Offizieren und Teilen der Mannschaft von der SMS Tátra aufgenommen.[5] Anschließend diente der Schlinser bis Kriegsende bei den k. u. k. Seefliegern. Ob er als Flieger im Fronteinsatz stand, konnte nicht geklärt werden, die Einteilung in der Flugstation Pola erscheint naheliegend.[6] Als gesichert gilt, dass Schnetzer bei den k. u. k. Seefliegern die Pilotenausbildung absolvierte und nach seiner Flugprüfung am 21. Juli 1918 das Diplom als Wasserflugzeugführer des Österreichischen Aero-Club mit der Nummer 127 erhielt.[7]

Nach dem Krieg war Schnetzer als Kinderbetreuer in der Entourage der ehemals kaiserlichen Familie tätig und begleitete für kurze Zeit Karl Habsburg und dessen Frau Zita nach Madeira ins Exil. Noch vor Karls Tod 1922 gelangte Schnetzer jedoch zurück nach Vorarlberg, wo er zunächst als Finanzwachaspirant im Grenzschutzdienst bei der Bodenseeflotte tätig war. Während eines Dienstes konnte er gemeinsam mit seinem Kollegen Franz Wallach am 30. Mai 1921 zwei Männer retten, die mit ihrem Segelboot aufgrund stürmischer Wetterbedingungen gekentert waren.[8] Danach führte er kurzzeitig mit seinem Bruder ein Unternehmen im Bereich Elektrotechnik ehe er Ende 1922 in die USA auswanderte.[9]

Am 8. Dezember 1922 hieß es unter Schlins und „Auswanderer“ im Vorarlberger Tagblatt:

„Gestern hat ein Sohn unserer Gemeinde, Herr Siegfried Schnetzer, Finanzwachbeamter in Bregenz, die Reise nach Newyork angetreten, um sich jenseits des großen Wassers ein Fortkommen zu suchen. In jungen Jahren ging Schnetzer zur Marine, besuchte in Sebenico die Matrosenschule und erreichte durch seine Tüchtigkeit die höchste Charge, die ein Schiffsjunge ohne nautische Schule erreichen kann. Während des Krieges befand sich Schnetzer auf dem Torpedobootzerstörer ‚Lika‘. Als dieses Schiff dann im Hafen von Antivari auf eine Mine stieß und unterging, rettete Schnetzer sein Leben durch einen kühnen Sprung ins Meer. Später ging Schnetzer zur Marine-Luftschiffabteilung und wurde Aviatiker. Nun will er im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten eine bessere Zukunft finden. Möge ihm das Schicksal im Lande des Dollar gnädig sein!“[10]

Nach zehn Monaten Aufenthalt in Hasbrouck Heights/New Jersey, kehrte er nach Schlins zurück, wo er bis zum 3. Juni 1924 verblieb, ehe er abermals in die USA reiste.[11] In seiner neuen Heimat New Jersey gründete er ein Unternehmen zur Herstellung von Flugzeugteilen. Außerdem war er maßgebliches Mitglied im Vorarlberger Klub von New Jersey. In Hasbrouck Heights heiratete er eine Amerikanerin, ihre Ehe blieb kinderlos. Nach einem Heimatbesuch im Jahr 1956 erkrankte Schnetzer schwer und verstarb unmittelbar nach der Rückkehr in die USA.[12]


[1] Tauf-, Trauungs- und Sterbebuch Schlins 1848-1900, [https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/vorarlberg/], eingesehen am 20.04.2020.

[2] Mitteilung von Martha Sutter-Ammann, Hinwil (Schweiz), o. D. GA Schlins.

[3] Grazer Tagblatt, 28.1.1916, S. 22.

[4] Vorarlberger Landes-Zeitung, 17.1.1924, S. 3.

[5] Mitteilung von Martha Sutter-Ammann, Hinwil (Schweiz), o. D., GA Schlins; vgl. dazu: Ryan K. Noppen, Austro-Hungarian Cruisers and Destroyers 1914-18, Oxford 2016, S. 26.

[6] Verzeichnis über die Kriegsteilnehmer von Schlins, 1921. VLA, ED 1, Verzeichnisse von Gemeinden über Kriegsteilnehmer 1914 bis 1918, Stand 1921.

[7] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs. Inhaber, Prüfer und Bedingungen (1910-1918), Wien 2019, S. 45.

[8] Vorarlberger Tagblatt, 1.6.1921, S. 2.

[9] Vorarlberger Tagblatt, 12.12.1922, S. 3.

[10] Vorarlberger Tagblatt, 12.12.1922, S. 3.

[11] Vorarlberger Tagblatt, 3.11.1923, S. 4; Vorarlberger Tagblatt, 21.6.1924, S. 4.

[12] Mitteilung von Martha Sutter-Ammann, Hinwil (Schweiz), o. D. GA Schlins.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Benno von Grabmayr

von Nikolaus Hagen.

Benno von Grabmayr zu Angerheim kam am 25. März 1885 in Meran zur Welt. Sein Vater war der aus Bozen stammende Rechtsanwalt Karl von Grabmayr, der 1892 als Vertreter des liberalen Großgrundbesitzes in den Tiroler Landtag gewählt wurde, später im Reichsrat und im Herrenhaus saß und schließlich 1913 zum Präsidenten des Reichsgerichts ernannt wurde. In seiner Geburtsstadt besuchte Benno Grabmayr das Obergymnasium und maturierte im Juni 1906.[1]

Benno von Grabmayr

Nachdem der Vater nach Wien übersiedelt war, folgte auch Benno von Grabmayr in die Reichshauptstadt und trat in den Staatsdienst ein. Im 1951 erschienenen Roman „Die Strudlhofstiege“ von Heimito von Doderer kommt Benno von Grabmayr als junger Beamter in Wien vor:

„… Später kam für einige Augenblicke Herr Benno von Grabmayr in Eile (der Sohn ‚Karls des Großen‘ – so wurde sein Vater genannt, der Herrenhausmitglied war); dieser Benno war kein Freund des Sitzens im Caféhaus: jetzt, kurz nach Büroschluß schon für’s Golf umgezogen, befand er sich auf dem Weg in die ‚Krieau‘, wo die Plätze lagen; und hier im Pucher wünschte er nur zu erfahren, wer morgen, Samstags, zu Stangeleres auf die Villa hinausfahren würde? […] ‚Der Grauermann wird sich mit der Etelka Stangeler verloben‘, sagte Grabmayr. Seine Sprache fiel aus dem Wienerischen dieser Gesellschaft etwas heraus. Den Konsonanten k in dem Eigennamen ‚Etelka‘ hatte er ganz tirolerisch hart gesprochen…“[2]

Zu Beginn des Weltkriegs diente Grabmayr als Leutnant der Reserve im Feldkanonenregiment 6. Kurz nach Kriegsbeginn wurde er zum Oberleutnant in der Reserve ernannt und erhielt Oktober 1915 die Allerhöchste belobende Anerkennung für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde.[3] Anfang 1917 wurde er zur Beobachterausbildung zur Flosch beordert. Mit 28. Februar 1917 wurde Grabmayr der Flik 24 als Beobachteroffizier dienstzugeteilt. Kurz darauf wurde er, während einer kurzzeitigen Rückkehr in den Ministeriumsdienst, vom Hof- und Ministerialkonzipisten zum Hof- und Ministerialvizesekretär befördert.[4] Nur drei Monate später, am 25. Juni 1917 fiel Benno von Grabmayr im Luftkampf über Bassano durch einen Kopfschuss. Posthum erhielt er im September 1917 den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse verliehen.[5]


[1] Der Burggräfler, 24.6.1903, S. 6.

[2] Heimito von Doderer, Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, München 1995, S. 70.

[3] Wiener Zeitung, 12.10.1915, S. 4.

[4] Meraner Zeitung, 7.3.1917, S. 4.

[5] Veinfurter, Das fliegende Personal, S. 109 und 275; Ehrenbücher des Landes Tirol, 1. Weltkrieg, Grabmayr, Dr. Benno zu Angerheim

Categories
Flieger gesucht

Flieger gesucht! 11

Folge 11 der Serie Flieger gesucht! Wir stellen Ihnen heute wieder zehn Flieger vor – diesmal ausschließlich Nord- und Südtiroler. Unter Ihnen befindet sich auch der erfolgreichste Tiroler Flieger Raoul Stojsavljevic, dessen ausführliche Biografie Sie in unserem Band über Österreich-Ungarns Fliegerasse im Ersten Weltkrieg finden.

  • Schossleitner, Max, geboren 25.11.1895 in Innsbruck
  • Schraffl, Johann, Pilot, wann und wo geboren und wohnhaft?
  • Schröder, Josef, geboren 3.3.1896 in Imst
  • Schwaighofer, Hermann, geboren 11.8.1883 in Innsbruck, Ballonkommandant, gestorben 4.7.1933 Innsbruck
  • Schweigl, Hermann, geboren 18.8.1891 in Rietz
  • Scrinzi, Hans, geboren 24.6.1891 in Bozen
  • Somvi, Lukas, Südtiroler (wann und wo geboren?), Feldpilot
  • Stojsavljevic, Raoul, geboren 29.7.1887 in Innsbruck
  • Stowasser, Jakob, geboren 6.1.1891 in Kufstein
  • Stowasser, Josef, geboren 25.7.1894 in Kufstein

Haben Sie Informationen oder Dokumente zu diesen Personen? Dann kontaktieren Sie uns bitte.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Josef Stowasser

von Thomas Albrich.

Leutnant in der Reserve Josef Stowasser vom 2. Landesschützen- (später Kaiserschützen-) Regiment Bozen, geboren am 25. Juli 1894 in Kufstein als Sohn des Wenzel und der Lotte Stowasser, erhielt als Infanterist am 7. Juni 1916 „für tapferes Verhalten vor dem Feinde“ eine „Allerhöchste belobenden Anerkennung“.[1]

Im Juni 1917 meldete er sich bei den Fliegern und mit der Hilfe seines Bruders Jakob, der schon Flieger war, kam er ohne medizinische Untersuchung in der Fliegerschule Wiener Neustadt unter. Angeblich nach nur der halben Ausbildung meldete er sich bei den Kampfpiloten und wurde in Pergine an der Tiroler Front stationiert.[2] Tatsächlich kam Josef Stowasser am 31. August 1917 als Pilotenschüler von der Flet zur Flik 24 und war im Oktober 1917 noch immer Pilotenschüler. In dieser Zeit erlebte er eine Reihe von Abstürzen. Sein erster Absturz wurde durch einen Defekt ausgelöst. Er krachte in einen Baum und wurde aus dem Flugzeug geschleudert, ohne sich gröber zu verletzen. Im November 1917 wurde er dann zum Oberleutnant ernannt. Einen Monat später erfolgte bei einer Nachtlandung sein zweiter Absturz, wobei er wieder nur leichte Verletzungen erlitt.[3] Dramatisch die Darstellung im Tiroler Heldenbuch, die ziemlich unwahrscheinlich klingt: Er sei in einen Wirbelsturm gekommen, woraufhin er abstürzte und drei Tage bewusstlos liegen blieb. Wo das passierte, ist nicht bekannt. Ob er hinter den feindlichen oder hinter den eigenen Linien abstürzte: es bleibt fraglich, warum er drei Tage unentdeckt blieb.[4]

Er kam Anfang Februar 1918 von der Flik 24 zur Flik 21 und war dann auf Urlaub.[5] Stowasser besaß übrigens noch immer keinen Pilotenschein.[6] Nach Darstellung im Tiroler Heldenbuch wurde er im Jänner 1918 für dienstuntauglich erklärt. Darauf legte er Protest ein und kam am 16. März 1918 wieder für einen Aufklärungsflug zum Einsatz.[7] Am 18. März folgte sein letzter Flug, denn er wurde im Luftkampf bei Asiago von italienischen Fliegern tödlich getroffen. Er schaffte es noch, das Flugzeug hinter die eigenen Linien zu bringen und zu landen. Ein Satz des 23-jährigen Josef Stowasser kurz vor seinem Tod war bezeichnend für seine Einstellung:

„Meine lieben Eltern, ich in jung und ledig. Wir Deutsche müssen alles daran setzten, um zu siegen. Man darf nicht empfindlich sein, die Zeit ist zu kritisch.“[8]

Die erste Meldung des Abschusses erfolgte in einem Telegramm am 19. März 1918: Das Flugzeug 69.20 mit Pilot Oberleutnant Josef Stowasser, Flik 21, Beobachter Leutnant Karl Schäfer, wurde in einem Luftkampf über dem Monte Sisemol mit Sopwith abgeschossen. Stowasser wurde durch Schüsse in Hals und Brust verwundet. Schäfer übernahm nach dreimaligem Überschlagen des Flugzeugs die Führung desselben und landete im Walde südlich Monte Dorolo hinter den eigenen Linien. Der Pilot erlag seinen Verletzungen, der Beobachter blieb unverletzt.[9]

Sterbebildchen Josef Stowasser aus dem Tiroler Heldenbuch

Die Innsbrucker Nachrichten meldeten den Tod von Josef Stowasser am 23. März 1918:

„Heldentod eines Fliegers. Der Sohn der Privaten Wenzel und Lotte Stowasser in Natters Feldpilot Oberleutnant Josef Stowasser von einer Fliegerkomp. hat [am 16.3.1918] in Südtirol im Kampfe mit weit überlegenem Gegner den Tod gefunden. Sterbend brachte er sein Flugzeug hinter die eigenen Linien und verschied gleich nach der Landung auf einem Gletscher. Seine Leiche wurde zu Tal gebracht und bis zur Ueberführung nach Innsbruck provisorisch bestattet. Der Kaiser zeichnete den braven Flieger persönlich durch eine hohe Auszeichnung aus, die er aber nicht mehr lebend empfangen konnte.“[10]

Am 2. April 1918 erschien ein etwas ausführlicherer Bericht in den Innsbrucker Nachrichten:

„Zum Heldentod des Fliegeroberleutnants Josef Stowasser berichtet man uns noch: Die Leiche des Herrn Fliegeroberleutnants Josef Stowasser kann aus Gründen militärischer Natur dermalen nicht nach Innsbruck überführt werden. So ruhen seine Gebeine auf dem Militärfriedhofe Persen (Pergine), von wo aus er seinen letzten Flug über den Feind begonnen hatte. Er fiel als tapferer Held im Kampfe gegen eine fünffache feindliche Ueberlegenheit in der Nähe von Asiago, von mehreren Schüssen durchbohrt, am 18. März, vormittags 8 Uhr. Er lenkte das Flugzeug selbst, seine Ernennung zu [Feld]Piloten stand unmittelbar bevor. Der Tod muß unmittelbar eingetreten sein, gleich darauf überschlug sich das führerlose Flugzeug in der Luft. Sein Begleiter, der als Beobachter seinen Sitz hinter ihm hatte, brachte in Folge seiner bewunderungswürdigen Geistesgegenwart das Flugzeug trotz Verfolgung in einem Walde zum Landen und rettete so sich und die Leiche seines Führers vor der Gefangennahme und sicherem Verderben. Beide wurden mit dem Orden der Eisernen Krone [3. Klasse mit Kriegsdekoration und den] Schwertern ausgezeichnet, welche Belohnung Oberleutnant Stowasser leider nicht mehr als ein Lebender tragen konnte, so wurde sie ihm nebst den beiden Signum laudis und dem Karl-Truppen-Kreuz auf seinem letzten Gange vorangetragen. Oberleutnant Stowasser war nicht nur als Offizier, sondern auch als Mensch bei seinen Kameraden und Freunden beliebt, und wird ihnen in steter Erinnerung bleiben.“[11]

Zum Abschluss der Eintrag zu seinem Tod im Tiroler Heldenbuch:

„Am Vorabend seines Namenstages, 18. März 1918, erhielt er den Auftrag, die feindlichen Linien aufzuklären. Um 8 Uhr morgens stieg er mit 2 Begleitflugzeugen auf. Als er über die italienischen Stellungen kam, griff ihn eine große Anzahl feindlicher Flieger an, er erhielt gleich beim ersten Angriff 5 tödliche Schüsse: einen durch die Wirbelsäule, 2 in die Brust und 2 in den Unterleib. Unter Aufgebot aller Kräfte gelang es, mit Hilfe seines Beobachters Leutnant Schäfer, das Flugzeug noch hinter die eigenen Linien zu lenken, es landete auf einem Berge bei Asiago, wo Stowasser in den Armen seines Freundes und Begleiters verschied Die Leiche wurde nach Pergine überführt und dort auf dem Militär-Friedhof mit allen militärischen Ehren bestattet. Kaiser Karl selbst besuchte das Grab des toten Helden und legte persönlich den Orden der eisernen Krone III. Klasse darauf.“[12]

Erst posthum wurde er im April 1918 mit Wirkung vom 10. März 1918 zum Feldpiloten ernannt.[13]


[1] Fremden-Blatt, 7.6.1916, S. 3.

[2] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 109.

[4] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 109, 99.

[6] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 37.

[7] Veinfurter, Das fliegende Personal, S. 99.

[8] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[9] Luftstreitkräfte, Telegramm 19.3.1918. KA, Luftstreitkräfte, Frontlage Meldungen 1917/18, Karton 180, Front-Tagesmeldungen Gen. Inspektor, März 1918.

[10] Innsbrucker Nachrichten, 23.3.1918, S. 5.

[11] Innsbrucker Nachrichten, 2.4.1918, S. 3; ebd., 1.5.1918, S. 3.

[12] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[13] Veinfurter, Das fliegende Personal, S. 99.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Georg Altadonna

von Thomas Albrich.

Feldpilot Oberleutnant Georg (Giorgio Dario Maria) Altadonna, Sohn des Augusto Altadonna, später Oberlandesgerichtsrat in Innsbruck, und der Fosca Altadonna, geborene Taiti, wurde am 2. Februar 1891 in Rovereto im heutigen Trentino geboren und war nach Trient zuständig.[1] Er sprach Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch. Die Familie wohnte in der Glasmalereistraße 1 in Innsbruck. Altadonna war als Jus-Student im Wintersemester 1913/14 und im Sommersemester 1914 in Wien inskribiert.[2] Da er in Wien angab, im 7. bzw. 8. Semester zu sein, ist zu vermuten, dass er die ersten Semester in Innsbruck absolviert hatte. Altadonna, gemustert 1911, wurde am 1. Jänner 1913 zum Kadetten in der Reserve beim Feldjägerbataillon 28 ernannt,[3] ließ sich während des Krieges aktivieren und war ab 1. März 1915 Leutnant in der Reserve beim Feldjägerbataillon 28.[4] Am 20. Mai 1915 wurde er verwundet, und am 15. August wurde ihm für tapferes Verhalten vor dem Feind die „Allerhöchste belobende Anerkennung“ ausgesprochen.[5]

Am 20. September 1915 kam er als Beobachteroffizier zur Flik 1 an die russische Front. Doch schon zwei Monate später schien seine Fliegerkarriere beendet zu sein. Am 20. November schrieb sein Kommandant Hauptmann Otto Jindra, ein Fliegerass, einen vernichtenden Bericht über den neuen Beobachteroffizier. Georg Altadonna sei zu

„gleichgültig, um je ein guter Beobachter zu werden. Er übersieht sehr viel, zeichnet sich während des Fluges nicht Alles ein, Vieles falsch und vergisst bei der Meldung oft sehr Wesentliches. Auch er bedarf außerdienstlich steter Aufsicht und es waren […] wiederholt Anstände. Ich bitte um die Enthebung von Lt. i. d. Res. Altadonna von seiner Kommandierung zu den Luftfahrtruppen“.[6]

Am 29. November 1915 sollte er daher strafweise zurück zum Feldjägerbataillon 28, seinem Stammtruppenteil.[7] Hauptmann Jindra revidierte jedoch bis zum 12. Dezember 1915 seine Meinung grundlegend: Seit dem ersten Bericht habe sich Leutnant in der Reserve Altadonna „wesentlich zu seinem Vorteil geändert. Seine wiederholt und mit Nachdruck gerügte Gleichgültigkeit hat endlich der nötigen Ambition und pflichtgemässen (sic) Genauigkeit Platz gemacht.“ Hauptmann Jindra bat um die Erlaubnis, Altadonna noch vier Wochen erproben zu dürfen. „In dieser Zeit wird es sich verlässlich erkennen lassen, ob es sich um eine gründliche und bleibende Besserung handelt, oder ob die Besserung nur aus Furcht vor der Enthebung eingetreten ist.“[8] Am 15. Jänner 1916 schrieb Jindra einen weiteren Brief ans Kommando der Luftfahrtruppen, in dem er betonte, Leutnant Altadonna sei

„durch seine Abkommandierung von den LFT [Luftfahrtruppen] besonders hart getroffen, weil er seit seiner erfolgreichen Verwendung ein ambitionierter Flieger mit Leib und Seele ist, er ist von unserer Waffe jetzt so begeistert, dass er sich auf 3 Jahre aktivieren lassen will, trotzdem er als vorzüglich absolvierter Jurist im Zivil sehr gute Aussichten hat. Es ist in einem ganzen Jahr das erstemal, dass sich das Kompagniekommando in der Beurteilung eines Offiziers geirrt hat, Lt. Altadonna ist ein sehr guter Beobachter geworden […]“

Jindra bat, seinen Fehler den Leutnant Altadonna nicht „in so empfindlicher Weise büssen zu lassen und denselben bei den Luftfahrtruppen zu belassen“[9] und hatte Erfolg damit.

Altadonna durfte bei den Luftfahrtruppen bleiben und wurde Anfang Februar 1916 als Beobachteroffizier zur Flik 4 an die Isonzofront versetzt. Im Juni 1916 kam er für die Piloten-Ausbildung zur Luftfahrersatztruppe[10], und schon am 24. August wurde Leutnant Altadonna in „Anerkennung tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet.[11] Seinen Pilotenschein Nr. 476 erhielt er am 16. Oktober 1916,[12] im November wurde er zum Oberleutnant befördert.[13]

Sein Piloteneinsatz begann im Jänner 1917, als er Feldpilot wurde und im Februar das Feldpilotenabzeichen erhielt.[14] Vom 27. Jänner bis zum 12. September 1917 war Altadonna als Feldpilot in der Flik 40D an der russischen Front bei der k.u.k. 7. Armee in der Bukowina eingesetzt.[15] Am 30. August 1917 berichteten zwei russische Piloten, dass sie über Islovaz einen k.u.k. Aufklärer vom Typ Hansa Brandenburg sahen. Nach einem gemeinsamen Angriff zog die Hansa Brandenburg eine Rauchschwade hinter sich her und konnte auf österreichischer Seite der Front landen. Reservepilot Oberleutnant Georg Altadonna und sein Beobachteroffizier Oberleutnant Adalbert (Béla) Kuncze überlebten die Aktion unverletzt.[16]

Am 12. September 1917 erzielte Altadonna, erneut mit dem Beobachter Kuncze, mit dem Hansa-Brandenburg C.I (169) seinen zweiten Luftsieg. Beim Rückflug von der Nahaufklärung über Scherbautz in der südlichen Bukowina wurden sie etwa 10 km hinter der Front von drei russischen Nieuport angegriffen. Ein Angreifer wurde mit gezielten Schüssen aus dem MG bei Keschwana zum Absturz gebracht. Unmittelbar danach schoss ein SPAD-Jäger von vorne auf Altadonna, verletzte ihn mit einem Streifschuss am Hals und traf den Motor. Trotzdem konnte er bei Radautz notlanden.[17] Bei Victor Kulikov wird Altadonna ebenfalls im Zusammenhang mit diesem Angriff russischer Flieger im Jahre 1917 erwähnt.[18] Beim Belohnungsantrag hieß es: Oberleutnant Altadonna „ist ein äußerst pflichtbewußter schneidiger Pilot und hat 78 erfolgreiche Feindesflüge und 2 Luftsiege (nördlicher Kriegsschauplatz).“[19] Noch im Jänner 1918 wurde er „in Anerkennung hervorragend tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse für Offiziere ausgezeichnet.[20]

Im Dezember 1917 wurde Altadonna vorübergehend als Kommandant der Flik 49D, die in Navole stationiert war, der k.u.k. Isonzoarmee zugeteilt,[21] als Kommandant Rittmeister Andreas Kammerer beurlaubt war.[22] Am 16. Jänner 1918 kam Altadonna zurück zur Flik 40, ab 12. April war er beim Kommandanten der Luftfahrtruppen beim Kommando der Isonzoarmee (Koluft KISA) zugeteilt. Im Mai war er wieder bei der Flik 49, wie aus einem Unfallbericht hervorgeht: Das Flugzeug 26949 mit Oberleutnant Altadonna und Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Johann Prezeler [Pressler] von der Flik 49 musste im Mai 1918 wegen Bruch sämtlicher drei Propellerbefestigungsschrauben auf dem eigenen Flugfeld notlanden.[23] Altadonna blieb bis Kriegsende bei den Luftfahrtruppen.[24]

Nach dem Krieg beendete Altadonna sein Studium in Innsbruck. Er blieb bis zu seinem Lebensende in Innsbruck und verstarb 1971.


[1] Datenbank Nati in Trentino 1815–1823. Provincia Autonoma di Trento.

[2] Nationale der Juridischen Fakultät, WS 1913/14 und SS 1914. Archiv der Universität Wien.

[3] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.1.1913, S. 34.

[4] Ranglisten des Kaiserlich und Königlichen Heere 1916, Wien 1916, S. 185 und 514.

[5] Neue Freie Presse, 3.8.1915, S. 18.

[6] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 20.11.1915. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[7] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 19.

[8] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 11.12.1915. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[9] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 15.1.1916. Ebd.

[10] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 32.

[11] Wiener Zeitung, 1.9.1916, S. 2.

[12] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 22.

[13] Neue Freie Presse, 13.11.1916, S. 6.

[14] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 161.

[15] ÖStA, KA, Luftfahrtruppen, Altadonna, Georg, Offizierskartothek, Karton 1, A-F, Akt Nr. 26, S. 2.

[16] Victor Kulikov, Russian Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 111), Oxford 2013, o.S.

[17] Karl Meindl, Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppen. Russische Front 1917-1918 (öfh nachrichten, Sonderheft 29), Wien 2002, S. 98; Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 256.

[18] Victor Kulikov, Russian Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 111), Oxford 2013, o.S.

[19] Hauptmann Viktor Seebauer, Kommandant der Flik 40, Belohnungsantrag für Georg Altadonna, 11.11.1917. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[20] Wiener Zeitung, 13.1.1918, S. 2; Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 161.

[21] Paolo Variale, Austro-Hungarian Albatros Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 110), Oxford 2012, S. 20.

[22] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 256.

[23] Luftstreitkräfte, Telegramm 24.5.1918. ÖStA, KA, Luftstreitkräfte, Frontlage Meldungen 1917/18, Karton 180, Front-Tagesmeldungen Gen. Inspektor, Mai 1918.

[24] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 188.

Categories
Flieger gesucht

Flieger gesucht! 10

In Folge 10 unserer Serie Flieger gesucht! stellen wir Ihnen wieder zehn Flieger aus Tirol, Südtirol, dem Trentino und Vorarlberg vor. Zwei davon, nämlich Josef Schmid und Karl Schoßleitner, haben wir bereits als Flieger der Woche porträtiert.

  • Rinagel, Franz, geboren 28.9.1888 in Mitteldorf, Gemeinde Virgen/Osttirol
  • Röggla, Ludwig, geboren 24.12.1893 in Kaltern in Tirol
  • Rohregger, Max, geboren 6.3.1898 in Bozen
  • Schatz, Alfred, geboren 17.9.1895 wo (Ulm?) Ab Juli 1918 befand er sich bei der Fliegerausbildung in Wiener Neustadt. Zum Einsatz als Flieger kam er aber nicht mehr.
  • Schedler Dr., Anton, geboren 22.6.1891 in Innsbruck, Meteorologe
  • Schifferer, Johann, geboren 4.6.1892 in Reutte in Tirol
  • Schmid, Josef, geboren 5.10.1894 in Lauterach, Feldpilot, gestorben 21.11.1947 in Bregenz
  • Schneeberger, Hans, geboren 7.6.1895 in Brandberg/Zillertal
  • Schnetzer, Siegfried, geboren 31.12.1893 in Schlins, Seeflieger, gestorben 1956 in den USA
  • Schoßleitner, Karl, geboren 18.7.1888 in Cavalese

Sollten Sie Hinweise zu diesen Personen besitzen, dann kontaktieren Sie uns bitte über das Kontaktformular, per E-Mail oder über die Kommentarfunktion.

Categories
Flieger der Woche

Zugsführer Rudolf Tandler

von Stefan Stachniß.

Rudolf Tandler wurde im Jahr 1888 geboren. Seit 1911 war er als Chefmonteur im Dornbirner Elektrizitätswerk tätig und wohnte an der Adresse Grabenweg 3. Während des Ersten Weltkriegs war Tandler dem Festungsartilleriebataillon 5 zugeteilt. Er meldete sich dann zu den Luftfahrtruppen und kam vermutlich 1917 zur Ausbildung zu den Fliegerersatztruppen.[1] 1917 absolvierte er die Ausbildung zum Feldpiloten und am 5. Jänner 1918 erlangte er das österreichische Fliegerdiplom Nummer 937.[2] Noch im selben Monat kam Tandler zur Fliegerkompanie 21D.

Die Divisions-Kompanie war für die Artillerieaufklärung, Infanterieunterstützung und Frontbeobachtung im näheren Bereich zuständig. Sie war an der Tiroler Front als Teil der 11. Armee in Gardolo bei Trient und anschließend in Pergine in der Valsugana stationiert.[3] Bei der Fliegerkompagnie 21D verdiente sich Tandler aufgrund seiner Leistungen die große und kleine Silberne und die Bronzene Tapferkeitsmedaille sowie das Karl-Truppenkreuz. Der Feldpilot fand einen Monat vor Kriegsende ein tragisches Ende, als er am 3. Oktober 1918, gemeinsam mit seinem Begleiter, dem Beobachteroffizier Oberleutnant Franz Hötzeneder, im Luftkampf bei Asiago von einem feindlichen Flieger abgeschossen wurde. Die beiden Soldaten des österreichisch-ungarischen Aufklärungsflugzeugs überlebten den Absturz nicht.[4] Rudolf Tandler wurde auf dem Heldenfriedhof in Pergine beerdigt.

Vorarlberger Volksfreund, 22. Oktober 1918. [Bericht enthält Druckfehler und ist fälschlicherweise auf den 27. Oktober vordatiert.]

Tandler ist im Dornbirner Familienbuch nicht verzeichnet, wohl aber im Verzeichnis der Dornbirner Kriegsteilnehmer. Bislang ist unbekannt, wo Rudolf Tandler geboren und aufgewachsen ist, und welche Ausbildung er absolvierte. Auch über mögliche Verwandte und Angehörige wissen wir nichts. Sollten Sie Hinweise zu Tandler haben, bitten wir Sie darum, uns zu kontaktieren.


[1] Verzeichnis über die Kriegsteilnehmer Dornbirns, 1921. VLA, ED 1, Verzeichnisse von Gemeinden über Kriegsteilnehmer 1914 bis 1918, Stand 1921, siehe auch: Vorarlberger Volksfreund, 22.10.1918, S. 4; vgl. dazu: Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 101, 334.

[2] Keimel, Österreichs Luftfahrzeuge, S. 391.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 101, 334; vgl. dazu: Hauke/Schroeder/Tötschinger, Flugzeuge, S. 136, 139.

[4] Innsbrucker Nachrichten, 25.10.1918, S. 3, siehe auch: Innsbrucker Nachrichten, 28.10.1918, S. 3; vgl. dazu: Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 101.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Jakob Stowasser

von Thomas Albrich.

Kommandant Feldpilot Oberleutnant Jakob Stowasser, geboren 6. Jänner 1891 in Kufstein als Sohn von Wenzel und Lotte Stowasser, war zuständig nach Kufstein. Seine Eltern wohnten während des Ersten Weltkrieges zuerst in der Reichenauerstraße 36 in Innsbruck, danach in der Karmelitergasse 10/II. Er war der ältere Bruder von Josef Stowasser, ebenfalls ein Flieger. Beide Brüder sind laut den Quellen in Kufstein geboren, obwohl das aus den Kufsteiner Taufbüchern nicht hervorgeht. Bei der Musterung 1912 wurde Jakob Stowasser tauglich geschrieben und dem Infanterie-Regiment 73 zugeteilt. Im Laufe des Kriegs diente er bei der Flik 9, 64, 13, 64 und 6 (zugeteilt).[1]

Jakob Stowasser war von der Mobilisierung 1914 bis April 1916 mit dem Infanterie-Regiment 73 im Felde. Am 4. März 1916 wurde er zum Leutnant befördert.[2] Aus dem Meldegrundbuch Innsbruck ist zu entnehmen, dass er am 21. März 1916 von Prag zu seinem Vater Wenzel in die Innsbrucker Reichenau gezogen ist. Am 8. April 1916 wird die Einberufung von Leutnant Jakob Stowasser in die Luftfahrschule bekanntgegeben.[3] Am 8. Mai 1916 wurde seine Ernennung zum Oberleutnant bekannt gegeben.[4] Er kam im Juni 1916 als Beobachteroffizier vom Lehrbataillon zur Flik 9.[5]

Am 5. Oktober 1916 erzielte Oberleutnant Jakob Stowasser seinen ersten Luftsieg als Beobachter bei der Flik 9, die der Deutschen Südarmee in Ostgalizien unterstellt war. Sein Pilot war Zugsführer Franz Németh im Hansa-Brandenburg C.I (64.30). Beim Rückflug von einem Fernaufklärungsflug wurde die Maschine über Litiatyn von einem russischen Voisin-Aufklärer angegriffen. Der Angreifer musste nach Treffern hinter den feindlichen Linien notlanden.[6]

Am 27. November 1916 wurde Oberleutnant Jakob Stowasser für die Pilotenausbildung von der Flik 9 zur Luftfahrersatztruppe versetzt.[7] Am 23. Dezember 1916 erhielt er „für tapferes Verhalten als Flieger vor dem Feinde“ eine „Allerhöchste belobende Anerkennung“.[8] Im Februar 1917 wurde „neuerlich die Allerhöchste belobende Anerkennung für tapferes Verhalten als Flieger vor dem Feinde dem Oberleutnant Jakob Stowasser des Infanterieregiments Nr. 73“ ausgesprochen.[9] Am 12. März 1917 wurde er zum Flugschüler ernannt, am 15. Juni 1917 zwecks Ausbildung auf Kampfdoppeldecker (KD) zur Fliegerersatzkompagnie 8 transferiert. Am 12. Juli 1917 kam er als Offizier-Pilot zur Flik 64 an die albanische Front.[10] Er hatte aber keinen Pilotenschein bekommen![11] Am 30. März 1918 wurde er zum Kommandanten der Flik 64F ernannt. Im Juli 1918 wurde er aus unbekannten Gründen auf drei Wochen zu den Flieger-Ersatztruppen kommandiert. Ab dem 19. August 1918 bis Oktober war er Interimskommandant der Flik 13J. Ab dem 19. August 1918 war bis Oktober als Interimskommandant bei der Flik 13J, absolvierte auch einen Flug bei der Flik 6. Im Oktober 1918 kam er als Kommandant zurück zur Flik 64 und blieb bis Kriegsende.

Von November 1918 bis September 1919 im Flieger Arsenal bei der Elektro Abteilung.[12] Bis 1. Jänner 1919 hatte er eine Gesamtdienstzeit 7 Jahren, war kriegsdiensttauglich und heimatzuständig in Innsbruck.[13]

Sein weiteres Leben nach 1919 ist bislang unerforscht. Sollten Sie Informationen und Hinweise dazu besitzen, dann kontaktieren Sie uns bitte.


[1] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 332.

[2] Fremden-Blatt, 4.3.1916, S. 13.

[3] Fremden-Blatt, 8.4.1916, S. 3.

[4] Pester Lloyd, 8.5.1916, S. 4.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 53.

[6] Meindl, Russische Front 1914-1916, S. 84.

[7] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 53.

[8] Fremden-Blatt, 23.12.1916, S. 14.

[9] Wiener Zeitung, 9.2.1917, S. 4.

[10] Kommando der k.u.k. Luftfahrtruppen, Karte Stowasser, Jakob. ÖStA, KA, Luftfahrtruppen.

[11] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 37.

[12] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 226 und 332.

[13] Personaldaten 1916, Stowasser, Jakob. ÖStA, KA, Luftfahrtruppen, Personalakt Stowasser, Jakob.

Categories
Flieger gesucht

Flieger gesucht! 9

Folge 9 unserer Serie Flieger gesucht! Die zehn Flieger dieser Folge stammen überwiegend aus Südtirol und dem Trentino sowie aus Innsbruck. Einen von ihnen, Hauptmann Camillo Perini, haben wir bereits als Flieger der Woche näher vorgestellt.

  • Papsch, Karl, geboren 4.2.1891 in Innsbruck, Ballonbeobachter, gestorben Oktober 1981 Innsbruck
  • Pattay Freiherr von Kljuc, Paul, geboren 29.12.1896 in Trient
  • Perini, Richard, geboren 1887 in Mattarello/Pola
  • Perini, Camillo, geboren 8.10.1885 in Mattarello/Pola
  • Perini, Maximilian, geboren 29.9.1888 in Mattarello/Pola
  • Plenk, Hermann, geboren 31.8.1886 in Innsbruck
  • Pontalti, Ernst, geboren 27.1.1896 in Meran, lebte in Innsbruck, gefallen im Luftkampf am 22.5.1918.
  • Prey, Dr. Albert, geboren 16.10.1873 in Innsbruck, Meteorologe
  • Reinstaller, Johann, geboren 9.2.1895 in Bozen
  • Reiter, Heribert, geboren 25.1.1893 in Innsbruck

Wir freuen uns über weitere Hinweise zu diesen Personen! Besonders suchen wir Fotografien, Dokumente, Lebensläufe sowie Hinweise auf Familienmitglieder, Wohnorte und Berufe.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Emil Kieser

von Nikolaus Hagen.

Emil Johann Kieser kam am 24. Juni 1888 in Meran als Sohn des Ingenieurs Johann (Hans) Kieser und der Hedwig Jud zur Welt. Einige Tage darauf, am 29. Juni, wurde er in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Nikolaus getauft. Die Familie lebte damals in der Meraner Laubengasse im Haus Berglauben Nr. 40.[1]

In seiner Geburtsstadt besuchte Kieser die Knabenvolksschule. Einer seiner damaligen Mitschüler war der spätere Prähistoriker und zeitweilige NS-Unterrichtsminister Oswald Menghin.[2] Im Juni 1907 legte er am Meraner k.k. Obergymnasium die Matura ab.[3] Anschließend leistete Kieser den Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei den Tiroler Kaiserjägern. Anfang 1909 avancierte er zum Reserve-Fähnrich des 3. Tiroler Kaiserjägerregiments.[4] Mit 1. Jänner 1913 wurde er zum Leutnant in der Reserve ernannt.[5] Nach dem Militärdienst studierte er in Innsbruck Rechtswissenschaften und promovierte Ende Februar 1913 zum Doktor der Rechte.[6] Anschließend begann er die Ausbildung zum Rechtsanwaltsanwärter in seiner Heimatstadt Meran.

Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs rückte Kieser zu seiner Stammtruppe, dem 3. Tiroler Kaiserjägerregiment ein. Im September 1914 wurde er das erste Mal verwundert und kam zuerst nach Wien[7] und dann zum Erholungsurlaub zurück nach Tirol:

„Aus Meran wird uns geschrieben: In Meran sind in den letzten Tagen verwundet oder krank eingetroffen. […] KJ.-Reserveleutnant Emil Kieser, Schußverletzung (Meran)“[8]

Im Juli 1915 wurde er erneut verwundet.[9] Mit 1. September 1915 avancierte Kieser zum Oberleutnant in der Reserve.

Ende Mai 1916 wurde Kieser zur Ausbildung als Beobachteroffizier zu den Luftfahrtruppen kommandiert. Im Juli 1916 absolvierte er die Ausbildung bei der Flosch. Am 11. Oktober erfolgte die Einteilung als Beobachter bei der Flik 36.[10] Diese Flik war Ende 1916 der (deutschen) Heeresgruppe Generalfeldmarschall von Mackensen unterstellt und an der Rumänischen Front eingesetzt. 1917 wurde sie Teil der (deutschen) 9. Armee an derselben Front.[11]

Kieser wurde wiederholt sehr positiv beurteilt; er sei „zum Feldpiloten sehr geeignet“ hieß es in den Monatsberichten der Flik 36 regelmäßig.[12] Im Novemberbericht 1917 wurde er sogar als „zum Jagdflieger besonders geeignet“ bezeichnet. Nachdem Kieser bis dahin stets „Doppelaufstiege“ absolviert hatte, das heißt als Beobachter mit einem anderen Piloten geflogen war, begann er Anfang 1918 allein zu fliegen. Im Februar 1918 verzeichnete er bereits 15 Soloaufstiege. Ab diesem Zeitpunkt wurde er als Pilotenführer und Beobachter geführt. Die Ausbildung zum Piloten hatte er offenbar im Felde absolviert. Im Mai/Juni 1918 wurde Kieser als Lehrer zur Flosch transferiert, wo er bis Kriegsende verblieb.[13] Zuvor war er im September noch zum Feldpiloten ernannt worden.

Im Laufe des Krieges erhielt Emil Kieser zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Karl Truppenkreuz, das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und Schwertern, zweimal die Militärverdienstmedaille in Silber (Signum Laudis), einmal in Bronze mit Schwertern sowie das Eiserne Kreuz 2. Klasse.[14]

Nach dem Krieg heiratete Kieser. Vermutlich lebte er in Wien und verstarb 1946.


[1] Taufbuch 1798–1898, Katholische Kirche St. Nikolaus, Meran, fol. 49, Nr. 105.

[2] Meraner Zeitung, 29.6.1898, S. 3.

[3] Meraner Zeitung, 26.6.1907, S. 8.

[4] Meraner Zeitung, 6.1.1909, S. 2.

[5] OeStA, KA, LFT Offizierskartothek, Kieser Emil.

[6] Meraner Zeitung, 23.2.1913, S. 24.

[7] Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 17.9.1914, S. 6.

[8] Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 28.10.1914, S. 9.

[9] Innsbrucker Nachrichten, 2.7.1915, S. 6.

[10] OeStA, KA, LFT Offizierskartothek, Kieser Emil. Siehe auch Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 151.

[11] Karl Meindl, Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppe, Rumänische Front 1916 – 1917 (öfh nachrichten Sonderheft 27), Wien 2001, S. 7–9.

[12] OeStA, KA, LFT, Kt. 185, Monatsberichte der Flik 36.

[13] OeStA, KA, LFT Offizierskartothek, Kieser Emil.

[14] OeStA, KA, LFT, Personalakt Emil Kieser.