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Flieger der Woche

Oberleutnant Karl Schoßleitner

von Nikolaus Hagen.

Der Name Karl Schoßleitner wird heute meist im Zusammenhang mit der Salzburger Literatenszene der Zwischenkriegszeit sowie als Pionier der Höhlenforschung genannt.[1] Vor allem in den 1910er bis 1930er Jahren veröffentlichte Schoßleitner, ein gebürtiger Tiroler, der in Salzburg lebte und wirkte, zahlreiche Reiseführer, Novellen, Gedichte und Lyrikbände. Insbesondere in seinen Gedichten, aber auch in öffentlichen Vorträgen und Berichten, verarbeitete Schoßleitner seine Kriegserfahrungen als Offizier bei den Tiroler Kaiserjägern und als Beobachter bei den k.u.k. Luftfahrttruppen.

Medaille “Karl Schossleitner”, R. Ruepp 1919.

Karl Schoßleitner kam am 18. Juni 1888 in Cavalese im heutigen Trentino zur Welt. In den zeitgenössischen Akten der k.u.k. Armee wird der Ort zumeist „Gablenz i. Tirol“, manchmal auch „Gabless“ genannt. Sein gleichnamiger Vater Karl Schoßleitner senior (1859–1907), ein gebürtiger Wiener, war zu diesem Zeitpunkt k.k. Bezirkstierarzt in Cavalese bzw. Trient. 1892 wurde der Vater nach Innsbruck versetzt und zum provisorischen Veterinärinspektor bei der k.k. Statthalterei befördert.[2] Vier Jahre später erfolgte der nächste wichtige Karriereschritt: Schoßleitner sen. wurde im Frühjahr 1896 zum k.k. Landestierarzt bzw. Veterinärreferent bei der Landesregierung in Salzburg ernannt.[3] Damit war ein neuerlicher Umzug der Familie verbunden. Karl Schoßleitner junior kam so als Achtjähriger nach Salzburg, wo er das Gymnasium absolvierte und – abgesehen von seinem Studium und dem Militärdienst – sein gesamtes weiteres Leben verbrachte.

Bereits als Zwanzigjähriger veröffentlichte Schoßleitner erste literarische Texte. Im Salzburger Volksblatt hieß es im September 1909: „Wenn nicht alle Zeichen trügen, ist ein neues bedeutsames Talent erstanden.“[4] Zu diesem Zeitpunkt dürfte er bereits Germanistik an der Universität Wien studiert haben. In den folgenden Jahren erschienen literarische Beiträge Schoßleitners, unter anderem auch im in Innsbruck erschienenen Brenner, die ein erstaunliches Presseecho auch außerhalb Salzburgs nach sich zogen. Noch vor oder zu Beginn seines Studiums dürfte er sich als Einjährig-Freiwilliger gemeldet haben und avancierte Ende 1910 zum Kadetten der Reserve im 4. Tiroler Jägerregiment.[5] Anfang 1913 wurde er zum Fähnrich in der Reserve befördert,[6] am 31. Dezember 1913 schließlich zum Leutnant in der Reserve.[7] Im selben Jahr war er literarisch sehr aktiv und schrieb Kritiken für Salzburger Tageszeitungen.

Vermutlich unterbrach der Beginn des Ersten Weltkriegs sein Studium in Wien, das er wohl nie mehr abschloss. Schoßleitner kam mit seinem Regiment nach Galizien, wo die Tiroler Kaiserjäger schwerste Verluste erlitten. Auch er wurde schwer verwundet und erhielt im Herbst 1914 einen Monat Genesungsurlaub. Im März 1915 erlitt er einen Knöchelbruch und fiel erneut für drei Monate aus.[8] Im Sommer 1915 wurde das 4. Tiroler Jägerregiment an die Südfront gegen Italien verlegt und Schoßleitner als M.G.-Zugskommandant, später auch als M.G.-Kompagniekommandant eingesetzt. Im November 1915 erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant in der Reserve.[9] Nach einer erneuten schweren Erkrankung im Herbst 1916 war Schoßleitner für den Gebirgskrieg an der Südfront kaum mehr einsatzfähig. Zwischen August 1916 und Jahresbeginn 1917 fiel er krankheitsbedingt gänzlich aus. Anfang 1917 meldete er sich freiwillig zu den Luftfahrtruppen, wo sein jüngerer Bruder Max Schoßleitner (geb. 1895) schon seit Juli 1916 als Beobachter eingesetzt war. Am 15. Mai 1917 wurde Karl Schoßleitner zur Ausbildung als Beobachtungsoffizier nach Wiener Neustadt kommandiert. Leicht abweichenden anderen Angaben zufolge war er von 17. April 1917 bis Ende Juni 1917 in Ausbildung.

Nach erfolgreicher Absolvierung der Schulung drohte ihm, so Schoßleitner Jahre später, wegen seiner Verletzungen und einer geringen Fehlsichtigkeit die Untauglichkeit für den Fliegerdienst. Nachdem er auf eine Nachmusterung insistiert habe, sei er schließlich doch noch als tauglich befunden worden. Laut seiner Offizierskarte wurde er am 10. Juli 1917 als Beobachter zur Fliegerkompagnie 7 an die Ostfront beordert. Die Flik 7 war damals am Flugfeld Dolina westlich der galizischen Bezirkshauptstadt Kalusch stationiert und der 3. Armee unmittelbar zugeteilt.[10] Der damalige Kommandant der Flik 7, Feldpilot Oberleutnant Alexander Schön, beurteilte Schoßleitner im Oktober 1917 als „sehr schneidig bei großer Ruhe und Kaltblütigkeit“. Schoßleitner sei ein „beliebter Kamerad mit guten Umgangsformen“ und habe zudem „gute technische Kenntnisse“. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon elf Feindflüge absolviert.[11] Im Monat darauf wurde sein Bruder Max Schoßleitner als Feldpilot ebenfalls zur Flik 7 transferiert.[12]

Am 19. Februar 1918 wurde Karl Schoßleitner zum Kommando der Luftfahrtruppen kommandiert, wo er bis 2. August 1918 verblieb. Im Oktober 1918 wurde er zu den Fliegerersatztruppen versetzt. Nach eigenen Angaben tat er noch bis August 1919 freiwillig Dienst bei den dann schon deutsch-österreichischen Luftfahrtruppen. Nach dem Krieg begann Schoßleitner eine Beamtenlaufbahn in Salzburg. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Offizier der deutschen Luftwaffe reaktiviert.


[1] Eintrag Karl Schoßleitner, in: Salzburg Wiki, https://www.sn.at/wiki/Karl_Scho%C3%9Fleitner_(Schriftsteller),

[2] Innsbrucker Nachrichten, 22.8.1892, S. 2.

[3] Die Presse, 18.3.1896, S. 14.

[4] Salzburger Volksblatt, 15.9.1909, S. 9.

[5] Neues Wiener Abendblatt, 31.12.1910, S. 50.

[6] Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 3.1.1913, S. 6.

[7] ÖStA, KA, LFT Offizierskartei, Karl Schossleitner.

[8] ÖStA, KA, LFT, Kt. 44, Personalakt Karl Schossleitner, Zusammenstellung nach den vorliegenden Quallisten, 11.9.1917.

[9] ÖStA, KA, LFT Offizierskartei, Karl Schossleitner.

[10] Karl Meindl, Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppen. Russische Front 1917–1918 (öfh nachrichten Sonderheft 29), Wien 2002, S. 25.

[11] ÖStA, KA, LFT, Kt. 44, Personalakt Karl Schossleitner, Beschreibung, 9.10.1917.

[12] ÖStA, KA, LFT Offizierskartei, Max Schossleitner.