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Flieger der Woche

Hauptmann Hermann Schwaighofer

von Thomas Albrich.

Der Tiroler Luftschiffer Hermann Schwaighofer, geboren am 11.8.1883 in Innsbruck als Sohn einer alten Innsbrucker Bürgersfamilie, gelangte schon vor seinen Kriegseinsätzen als ein Pionier der Freiballonfahrt zu regionaler Berühmtheit.[1] Am 19.7.1902 wurde Schwaighofer gemustert und als Einjährig-Freiwilliger zum 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger eingeteilt. Der 19-jährige Schwaighofer war 1.72 m groß, hatte blonde Haare, blaugrüne Auge und als besonderes Merkmal eine ausgeheilte Verwundung am rechten Handgelenk.[2] Seinen ersten „inoffiziellen“ Offiziersrang erreichte Schwaighofer mit seiner Ernennung zum Reserve Kadetten und Einreihung zum 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger am 1.1.1904. Am 1.1.1909 wurde er schließlich zum Reserve Leutnant befördert und endgültig zum k.u.k. Infanterie-Regiment 88 versetzt.[3] Seine Ausbildung zum Ballonbeobachter machte er 1913. Sein Ballonführer-Diplom erhielt er am 21.6.1913. Im „Schematismus 1914“ scheint Hermann Schwaighofer als Leutnant in der Reserve beim Infanterie-Regiment 88 auf.[4] Als mittlerweile Oberleutnant der Reserve bekam er für seinen Kampfeinsatz mit einer Einheit der Kaiserjäger in der zweiten Schlacht von Krasnik am 28.7.1915 eine Allerhöchste belobende Anerkennung für „tapferes Verhalten vor dem Feinde“.[5]

Aufgrund seiner Erfahrungen als Ballonfahrer vor dem Weltkrieg wurde Oberleutnant Schwaighofer im Frühjahr 1916 zu den Fliegertruppen beordert und zum Kommandanten der Fesselballonabteilung der k.u.k. Luftfahrtruppen ernannt[6] und in die Luftschifferabteilung Fischamend eingegliedert.[7]

Gondel eines Fesselballons der k.u.k. Armee im September 1917 (ÖNB, Bildarchiv Austria, 223184 B)

Vom 26.4.1916 bis zum 2.7.1916 war er als Beobachter bei der Ballon-Abteilung 10, danach wurde er zur Ballon-Abteilung 1 versetzt und dort zuerst als Beobachter, danach als Kommandant eingesetzt.[8] Für seine militärische Tätigkeit bei den Luftfahrtruppen wurde Schwaighofer am 21.2.1917 erneut für das „abermalige tapfere Verhalten vor dem Feinde“ eine zweite „Allerhöchste belobende Anerkennung“ zuteil. Am 24.6.1917 wurde ihm das Luftfahrerabzeichen auf ein Jahr zugesprochen.[9] Mit dem 9.8.1917 wurde er von der Front zur Luftschiffer Ersatzkompagnie 1 transferiert.[10] Am 2.12.1917 erhielt er den Militär-Jubiläumskranz.[11] Zu Kriegsende wurde er zu seiner Infanterie-Stammtruppe zurück versetzt und als Hauptmann der Reserve aus dem Verband der Tiroler Kaiserjäger ausgemustert.[12]

Nach Kriegsende wurde Hermann Schwaighofer Mitglied der Alpenvereinssektion Innsbruck, war Bergsteiger und schriftstellerisch tätig.[13] Er verfasste alpinistische und touristische Alpen-Beschreibungen. Schwaighofer verfasste 26 Wanderführer über den Großraum Tirol[14], bevor er 1929 durch einen Schlaganfall seine publizistische Tätigkeit einstellen musste. Er starb nach einer Verschlechterung seines Zustandes am 4.7.1933 in Innsbruck.[15]

Offene Fragen: Wo waren die 1. und 10. Ballonkompagnie (Ballon-Abteilung?) 1916/1917 stationiert?


Interessensgemeinschaft Luftfahrt Fischamend

Grundlegende Informationen zu den k.u.k. Luftschiffern enthält der Band: Rudolf Ster/Reinhard Ringl, Die k.u.k. Militär-Aëronautische Anstalt Fischamend. Band 1 – Die große Zeit der k.u.k. Luftschiffe 1908–1914, Hetzendorf 2017.


[1] Neueste Zeitung, 1933/Nr. 151, S. 3.

[2] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[3] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[4] Auskunft Kustan.

[5] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[6] Ebd.

[7] Tiroler Tageszeitung, 1978/Nr. 273, S. 9.

[8] Kommando der Luftfahrtruppen, Offizierskartei, Schwaighofer Hermann. ÖStA, KA.

[9] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[10] Kommando der Luftfahrtruppen, Offizierskartei, Schwaighofer Hermann. ÖStA, KA.

[11] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[12] Tiroler Tageszeitung, 1978/Nr.273, S. 9.

[13] Neueste Zeitung, 1933/Nr. 151, S. 3.

[14] Tiroler Tageszeitung, 1978/Nr. 273, S. 9.

[15] Neueste Zeitung, 1933/Nr. 151, S. 3.

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