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Flieger der Woche

Stabsfeldwebel Eugen Bösch

von Stefan Stachniß.

Einer der erfolgreichsten Vorarlberger Piloten war Eugen Bösch aus Lustenau.[1] Bösch wurde am 19. Juli 1894 als ältestes Kind von Josef August Bösch und Elisabetha Rümmele in Dornbirn geboren.[2] Am 21. September 1914 meldete er sich freiwillig für drei Jahre Aktivdienst und sieben Jahre in der Reserve. Zu Beginn seiner militärischen Laufbahn wurde der gelernte Mechaniker einem Telegraphenregiment zugeteilt. Die Angaben im Haupt-Grundbuchsblatt beschreiben den Lustenauer folgendermaßen: Bösch hatte braune Haare, graue Augen, braune Augenbrauen, eine gewöhnliche Nase, einen proportionierten Mund, ein rundes Kinn und ein längliches Gesicht. Außerdem war er gänzlich gesund sowie geimpft, 1,78 Meter groß, konnte keine Fremdsprache, war römisch-katholisch und zum Zeitpunkt der Musterung ledig. Zunächst wurde Eugen Bösch als Pionier nach St. Pölten beordert, ehe er im November 1914 seinen Dienst als Luftschiffersoldat aufnahm.[3]

Für das erste Dienstjahr sind keine Veränderungen in seiner militärischen Laufbahn verzeichnet. Im September 1915 kam er nach Fischamend zu den Fliegerersatztruppen und begann dort die Pilotenausbildung,[4] die er im Laufe des Jahres 1916 abschloss, worauf er bei der Fliegerkompanie (Flik) 12 an der Italienfront eingesetzt wurde. Im Jahr 1916 erhielt der Lustenauer zwei Beförderungen, zuerst zum Gefreiten und etwas später zum Korporal. Anfang 1917 wurde ihm die Kleine Silberne Tapferkeitsmedaille verliehen und er selber zum Feldpiloten ernannt. Im selben Monat bekam er das Feldpilotenabzeichen, das jedoch auf die Dauer eines Jahres beschränkt war. Am 20. März 1917 wurde er zum Zugsführer befördert und am 1. April wurde er mit der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.[5]

Noch im selben Monat errang Eugen Bösch gemeinsam mit dem Offiziersbeobachter Alfons Janous, einem Leutnant der Reserve, während eines Aufklärungsfluges einen Luftsieg. Der Flugapparat der Flik 12 wurde am 13. April 1917 von zwei Nieuport-Einsitzern und einem Farman-Doppelsitzer über dem Stol, einem Berg im heutigen Slowenien, angegriffen. Bösch, der einen Hansa-Brandenburg C.I (129.04) steuerte, schoss mit seinem nach vorne gerichteten Maschinengewehr auf den gegnerischen Farman, sodass dieser brennend zwischen Ranziano und Dornberg abstürzte. Laut Heeresbericht vom 14. April überlebten die Insassen des italienischen Flugzeugs, Pilot Davide de Luca und Beobachter Giuseppe Balestrini, den Absturz nicht.[6] Die beiden italienischen Militärs der 36. Squadriglia Ricognizione erhielten von den österreichischen Truppen ein Begräbnis mit allen Ehren. Das Armeeoberkommando lobte die Leistungen des Vorarlberger Piloten im Telegramm vom 14. April 1917:

„Ich spreche dem Zugsführer Eugen Bösch der Flik 12 der gestern einen feindlichen Farmanapparat im Luftkampf abschoss, die belobende Anerkennung des Armeeoberkommandos aus. Boroević, General-Oberst.“[7]

Für sein tapferes Verhalten vor dem Feind erhielt er zunächst im Juni 1917 die Bronzene und später am 26. März 1918 die Goldene Tapferkeitsmedaille.[8]

Anfang 1918 wurde Bösch zum Feldwebel befördert und erhielt das Feldpilotenabzeichen dauerhaft. Bis Ende April verblieb er wohl noch bei der Flik 12, danach wurde er als Fluglehrer in die Feldfliegerschule Abschnitt Udine versetzt und am 26. Oktober 1918 zum Stabsfeldwebel befördert. Anfang November versetzte man ihn zur Fliegerersatztruppe nach Wiener Neustadt, wo er über das Kriegsende hinaus bis zum Ende des Jahres 1919 diente.[9] Das Fliegerdiplom des Österreichischen Aero-Clubs mit Nummer 2679 erhielt der Lustenauer erstaunlicherweise erst nach Ende des Krieges am 12. Februar 1919. Er zählt somit zu den letzten Fliegern, die diesen Abschluss erlangen konnten.[10]


[1] Thomas Albrich, Neue Helden? Vorarlberger Offiziere und Unteroffiziere der k. u. k. Luftfahrtruppen 1914-1918, in: Museums Verein Jahrbuch (2019), S. 12-30, hier S. 26-28.

[2] Dornbirn-Haselstauden Taufbuch mit Index 1812-1897, [http://www.vla.findbuch.net], eingesehen 28.01.2020, vgl. dazu: Josef August Bösch, bo666, 8.4.2020. Franz Stetter, Lustenauer Familienbuch, [http://www.lustenauer-familienbuch.at/], eingesehen 10.4.2020.

[3] Die Bezeichnung Pionier wie auch Luftschiffersoldat entspricht der eines einfachen Soldaten im niedrigsten Rang. Die unterschiedliche Betitelung hängt von Funktion und Truppenzuteilung ab. Haupt-Grundbuchblatt, 15.6.1920. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen, vgl. dazu: Militärblatt, o. D. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen.

[4] Eugen Bösch. ÖStA, KA, LFT, Karton o. Z, Kartothek über Offiziere, Beamte und Mannschaften der k. u. k. Luftfahrtruppen 1916.

[5] Haupt-Grundbuchblatt, 15.6.1920. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen, vgl. dazu: Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 67.

[6] Karl Meindl, Luftsiege der k. u. k. Luftfahrtruppen. Italienische Front – 1. Teil 1917, Band 5, o. O. 2004, S. 38.

[7] Meindl, Italienische Front – 1. Teil 1917, S. 38.

[8] Militärblatt, o. D. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen, siehe auch: Jörg C. Steiner, Heldenwerk 1914-1918. Die Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille und der Goldenen Tapferkeitsmedaille für Offiziere im Ersten Weltkrieg, Wien 2010, S. 233.

[9] Haupt-Grundbuchblatt, 15.6.1920. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen.

[10] Keimel, Österreichs Luftfahrzeuge, S. 398.

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