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Flieger der Woche

Oberleutnant Georg Altadonna

von Thomas Albrich.

Feldpilot Oberleutnant Georg (Giorgio Dario Maria) Altadonna, Sohn des Augusto Altadonna, später Oberlandesgerichtsrat in Innsbruck, und der Fosca Altadonna, geborene Taiti, wurde am 2. Februar 1891 in Rovereto im heutigen Trentino geboren und war nach Trient zuständig.[1] Er sprach Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch. Die Familie wohnte in der Glasmalereistraße 1 in Innsbruck. Altadonna war als Jus-Student im Wintersemester 1913/14 und im Sommersemester 1914 in Wien inskribiert.[2] Da er in Wien angab, im 7. bzw. 8. Semester zu sein, ist zu vermuten, dass er die ersten Semester in Innsbruck absolviert hatte. Altadonna, gemustert 1911, wurde am 1. Jänner 1913 zum Kadetten in der Reserve beim Feldjägerbataillon 28 ernannt,[3] ließ sich während des Krieges aktivieren und war ab 1. März 1915 Leutnant in der Reserve beim Feldjägerbataillon 28.[4] Am 20. Mai 1915 wurde er verwundet, und am 15. August wurde ihm für tapferes Verhalten vor dem Feind die „Allerhöchste belobende Anerkennung“ ausgesprochen.[5]

Am 20. September 1915 kam er als Beobachteroffizier zur Flik 1 an die russische Front. Doch schon zwei Monate später schien seine Fliegerkarriere beendet zu sein. Am 20. November schrieb sein Kommandant Hauptmann Otto Jindra, ein Fliegerass, einen vernichtenden Bericht über den neuen Beobachteroffizier. Georg Altadonna sei zu

„gleichgültig, um je ein guter Beobachter zu werden. Er übersieht sehr viel, zeichnet sich während des Fluges nicht Alles ein, Vieles falsch und vergisst bei der Meldung oft sehr Wesentliches. Auch er bedarf außerdienstlich steter Aufsicht und es waren […] wiederholt Anstände. Ich bitte um die Enthebung von Lt. i. d. Res. Altadonna von seiner Kommandierung zu den Luftfahrtruppen“.[6]

Am 29. November 1915 sollte er daher strafweise zurück zum Feldjägerbataillon 28, seinem Stammtruppenteil.[7] Hauptmann Jindra revidierte jedoch bis zum 12. Dezember 1915 seine Meinung grundlegend: Seit dem ersten Bericht habe sich Leutnant in der Reserve Altadonna „wesentlich zu seinem Vorteil geändert. Seine wiederholt und mit Nachdruck gerügte Gleichgültigkeit hat endlich der nötigen Ambition und pflichtgemässen (sic) Genauigkeit Platz gemacht.“ Hauptmann Jindra bat um die Erlaubnis, Altadonna noch vier Wochen erproben zu dürfen. „In dieser Zeit wird es sich verlässlich erkennen lassen, ob es sich um eine gründliche und bleibende Besserung handelt, oder ob die Besserung nur aus Furcht vor der Enthebung eingetreten ist.“[8] Am 15. Jänner 1916 schrieb Jindra einen weiteren Brief ans Kommando der Luftfahrtruppen, in dem er betonte, Leutnant Altadonna sei

„durch seine Abkommandierung von den LFT [Luftfahrtruppen] besonders hart getroffen, weil er seit seiner erfolgreichen Verwendung ein ambitionierter Flieger mit Leib und Seele ist, er ist von unserer Waffe jetzt so begeistert, dass er sich auf 3 Jahre aktivieren lassen will, trotzdem er als vorzüglich absolvierter Jurist im Zivil sehr gute Aussichten hat. Es ist in einem ganzen Jahr das erstemal, dass sich das Kompagniekommando in der Beurteilung eines Offiziers geirrt hat, Lt. Altadonna ist ein sehr guter Beobachter geworden […]“

Jindra bat, seinen Fehler den Leutnant Altadonna nicht „in so empfindlicher Weise büssen zu lassen und denselben bei den Luftfahrtruppen zu belassen“[9] und hatte Erfolg damit.

Altadonna durfte bei den Luftfahrtruppen bleiben und wurde Anfang Februar 1916 als Beobachteroffizier zur Flik 4 an die Isonzofront versetzt. Im Juni 1916 kam er für die Piloten-Ausbildung zur Luftfahrersatztruppe[10], und schon am 24. August wurde Leutnant Altadonna in „Anerkennung tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet.[11] Seinen Pilotenschein Nr. 476 erhielt er am 16. Oktober 1916,[12] im November wurde er zum Oberleutnant befördert.[13]

Sein Piloteneinsatz begann im Jänner 1917, als er Feldpilot wurde und im Februar das Feldpilotenabzeichen erhielt.[14] Vom 27. Jänner bis zum 12. September 1917 war Altadonna als Feldpilot in der Flik 40D an der russischen Front bei der k.u.k. 7. Armee in der Bukowina eingesetzt.[15] Am 30. August 1917 berichteten zwei russische Piloten, dass sie über Islovaz einen k.u.k. Aufklärer vom Typ Hansa Brandenburg sahen. Nach einem gemeinsamen Angriff zog die Hansa Brandenburg eine Rauchschwade hinter sich her und konnte auf österreichischer Seite der Front landen. Reservepilot Oberleutnant Georg Altadonna und sein Beobachteroffizier Oberleutnant Adalbert (Béla) Kuncze überlebten die Aktion unverletzt.[16]

Am 12. September 1917 erzielte Altadonna, erneut mit dem Beobachter Kuncze, mit dem Hansa-Brandenburg C.I (169) seinen zweiten Luftsieg. Beim Rückflug von der Nahaufklärung über Scherbautz in der südlichen Bukowina wurden sie etwa 10 km hinter der Front von drei russischen Nieuport angegriffen. Ein Angreifer wurde mit gezielten Schüssen aus dem MG bei Keschwana zum Absturz gebracht. Unmittelbar danach schoss ein SPAD-Jäger von vorne auf Altadonna, verletzte ihn mit einem Streifschuss am Hals und traf den Motor. Trotzdem konnte er bei Radautz notlanden.[17] Bei Victor Kulikov wird Altadonna ebenfalls im Zusammenhang mit diesem Angriff russischer Flieger im Jahre 1917 erwähnt.[18] Beim Belohnungsantrag hieß es: Oberleutnant Altadonna „ist ein äußerst pflichtbewußter schneidiger Pilot und hat 78 erfolgreiche Feindesflüge und 2 Luftsiege (nördlicher Kriegsschauplatz).“[19] Noch im Jänner 1918 wurde er „in Anerkennung hervorragend tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse für Offiziere ausgezeichnet.[20]

Im Dezember 1917 wurde Altadonna vorübergehend als Kommandant der Flik 49D, die in Navole stationiert war, der k.u.k. Isonzoarmee zugeteilt,[21] als Kommandant Rittmeister Andreas Kammerer beurlaubt war.[22] Am 16. Jänner 1918 kam Altadonna zurück zur Flik 40, ab 12. April war er beim Kommandanten der Luftfahrtruppen beim Kommando der Isonzoarmee (Koluft KISA) zugeteilt. Im Mai war er wieder bei der Flik 49, wie aus einem Unfallbericht hervorgeht: Das Flugzeug 26949 mit Oberleutnant Altadonna und Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Johann Prezeler [Pressler] von der Flik 49 musste im Mai 1918 wegen Bruch sämtlicher drei Propellerbefestigungsschrauben auf dem eigenen Flugfeld notlanden.[23] Altadonna blieb bis Kriegsende bei den Luftfahrtruppen.[24]

Nach dem Krieg beendete Altadonna sein Studium in Innsbruck. Er blieb bis zu seinem Lebensende in Innsbruck und verstarb 1971.


[1] Datenbank Nati in Trentino 1815–1823. Provincia Autonoma di Trento.

[2] Nationale der Juridischen Fakultät, WS 1913/14 und SS 1914. Archiv der Universität Wien.

[3] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.1.1913, S. 34.

[4] Ranglisten des Kaiserlich und Königlichen Heere 1916, Wien 1916, S. 185 und 514.

[5] Neue Freie Presse, 3.8.1915, S. 18.

[6] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 20.11.1915. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[7] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 19.

[8] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 11.12.1915. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[9] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 15.1.1916. Ebd.

[10] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 32.

[11] Wiener Zeitung, 1.9.1916, S. 2.

[12] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 22.

[13] Neue Freie Presse, 13.11.1916, S. 6.

[14] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 161.

[15] ÖStA, KA, Luftfahrtruppen, Altadonna, Georg, Offizierskartothek, Karton 1, A-F, Akt Nr. 26, S. 2.

[16] Victor Kulikov, Russian Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 111), Oxford 2013, o.S.

[17] Karl Meindl, Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppen. Russische Front 1917-1918 (öfh nachrichten, Sonderheft 29), Wien 2002, S. 98; Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 256.

[18] Victor Kulikov, Russian Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 111), Oxford 2013, o.S.

[19] Hauptmann Viktor Seebauer, Kommandant der Flik 40, Belohnungsantrag für Georg Altadonna, 11.11.1917. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[20] Wiener Zeitung, 13.1.1918, S. 2; Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 161.

[21] Paolo Variale, Austro-Hungarian Albatros Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 110), Oxford 2012, S. 20.

[22] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 256.

[23] Luftstreitkräfte, Telegramm 24.5.1918. ÖStA, KA, Luftstreitkräfte, Frontlage Meldungen 1917/18, Karton 180, Front-Tagesmeldungen Gen. Inspektor, Mai 1918.

[24] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 188.

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