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Flieger der Woche

Leutnant in der Reserve Richard Meller

von Thomas Albrich.

Leutnant in der Reserve Richard Meller, geboren am 26. Februar 1893 in Frankenmarkt, Oberösterreich, zuständig in Perchtoldsdorf, Student der Technischen Hochschule in Wien (Maschinen- und Schiffsbau). Er war der Sohn des Ing. Alfred Meller, Staatsbahnrat in Ruhe, und der Melanie, geborene Philipp. Meller war noch ledig und lebte in Innsbruck.[1]

Als Einjährig-Freiwilliger diente er ab 31. Juli 1914 zur Ausbildung bei der Landwehr-Feldhaubitzen-Division 46 in Olmütz und verließ die Artillerie-Einjährigen-Schule als Kadett im Jahre 1915 und kam zum Feldkanonen-Regiment 46 an die Front nach Wolhynien. Am 1. Februar 1916 wurde er zum Leutnant befördert und seit Mai 1916 als vorzüglicher Reiter als Adjutant im Felde verwendet. Im Zuge des Rückzugs bei der Brussilow-Offensive im Juni 1916 bekam er die Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen. Anfang Juli 1916 wurde er vom Armeeoberkommando zwecks Ausbildung zum Beobachteroffizier an die Fliegeroffiziersschule in Wiener Neustadt beordert. Nach sehr gut abgelegter Prüfung wurde er im Oktober 1916 zur Flik 5 kommandiert, die in Nordostgalizien unter deutschem Kommando stand. In einem Einsatz am 3. März 1917 wurde er durch eine Infanteriekugel am Oberarm leicht verwundet. Meller leistete ausgezeichnete Aufklärungsdienste und erhielt am 11. März 1917 vom General der Kavallerie von Falkenhayn das Eiserne Kreuz II. Klasse und „wegen unerschrockener, trefflicher Geschützfeuer-Leitung trotz fortwährender Verfolgung durch feindliche Flieger“ das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und Schwertern, ferner das später eingeführte Kaiser-Karl-Truppenkreuz und ein Belobungsschreiben der Heeresgruppe Linsinger##? vom 23. Juni 1917, worauf er seinen ersten und einzigen Urlaub erhielt. Nachdem er um die Ausbildung zum Jagdflieger angesucht hatte, wurde er zur Flik 28 in der Nähe von Triest an die Isonzo-Front verlegt. Dort flog er öfters aushilfsweise als Beobachter und Bombenwerfer bei Seeflugzeugen und „machte den großen Bombenüberfall auf Venedig mit“. Am 3. September 1917 wurde Leutnant Meller zur Pilotenausbildung ins Wippachtal zur Flik 34 kommandiert und nach abgelegter Pilotenprüfung am 28. Oktober 1917 zur Flik 46 eingeteilt und rückte nach der 12. Isonzoschlacht mit dieser in Venezien ein.[2] Er diente als Feldpilot bei der Flik 5, 28, 34 und 46.[3]

Im Oktober 1916 kam Meller vom Lehrbataillon als Beobachteroffizier zur Flik 5. Im November 1916 Flugbericht, im März 1917 Flugzeugbeobachteroffizier, im Juni 1917 Belobung. Am 17. Juli 1917 kam er als Beobachteroffizier von der Flik 5 zur Flik 28[4]; im August 1917 erhielt er eine Belobung. Er ging am 24. September 1917 von der Flik 28 zur Flik 34, wurde im Oktober 1917 Feldpilot und ging als Feldpilot am 4. November 1917 zur Flik 46.[5] Am 23. Februar 1918 stürzte er beim Rückflug von einem Einsatz wegen Tragflügelbruchs am Flugfeld in Motta di Livenza tödlich ab.[6]

In den Innsbrucker Nachrichten hieß es u.a.: „Fliegertod eines Innsbruckers.“ Fliegerleutnant Richard Meller, Sohn des Staatsbahnrates d. R. Ing. Alfred Meller in Innsbruck, starb „im Welschland zwei Tage vor seinem 25. Lebensjahre“ den Heldentod.“[7] In der Todesanzeige für Richard Meller ließ seine Familie schreiben, dass er „Die höchste Ehre, den Heldentod für Germanen-Art“ gefunden habe. Seine aufgelisteten Auszeichnungen umfassten das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern, die Silberne Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes mit den Schwertern, die Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes mit den Schwertern und das Karl Truppenkreuz.[8]

Im Nachruf des k.u.k. Kommandos der Isonzoarmee wurde u.a. geschrieben:

„Am 23. Februar früh starteten Oblt. Strohschneider, Lt. Moerath, Lt. Meller, Lt. Gräser, Lt. Schrimpl zum Angriffsflug auf feindliche Infanterie. Die fünf Flieger gingen im Raume vor 2 eigenen Infanteriedivisionen auf Höhen von unter 20 m herab, beschossen mit MG alle besetzten Kampfgräben, die Reservestellungen, die Anmarschwege und führten hiedurch beim Feinde panikartige Wirkung und hohe Verluste herbei. […] Lt. Meller vollführte beim Rückflug eine scharfe Wendung, bei welcher – offenbar durch eine, dem Piloten nicht bekannte – im Kampfe zugezogenen Beschädigung das Flugzeug auseinanderbrach. Lt. Meller stürzte ab und erlitt den Heldentod.“[9]

Der Kommandant der Flik 46, Hauptmann Karl Banfield, schickte im Kondolenzschreiben eine Bilanz des Wirkens des toten Leutnants:

„Die Kompagnie und die Flieger der Isonzo-Armee verlieren im Leutnant Meller einen ihrer besten Kameraden und Piloten. Seine schneidigen Leistungen stehen einzig da, speziell hat er sich durch besondere Tollkühnheit und Schneid bei seinem letzten Flug ausgezeichnet. An die 100 schneidigen Aufklärungsflüge hat er durchgeführt und niemals konnte ihm weder Feind noch Wetter etwas anhaben. Durch einen unglücklichen Zufall musste er sein junges Leben lassen. Er stürzte beim Nehmen einer scharfen Kurve, bei welcher er den Apparat nicht mehr aufrichten konnte, ab. Er war sofort tot. Er wurde am 25. Februar unter den größten militärischen Ehren, wobei ihm der (sic) Jagdstaffel, mit dem er den letzten Feindesflug unternahm, fliegend das Ehrengeleite gab, in Cinto Caomaggiore Meller wurde am 25. Februar 1918 in Cinto Caomaggiore [östlich von Motta di Livenza] begraben.“[10]

Nachträglich wurde ihm „in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde taxfrei“ am 19. Juni 1918 der Orden der Eisernen Krone dritter Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern verliehen.[11]


[1] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[2] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 304.

[4] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 37.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 144.

[6] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 304.

[7] Innsbrucker Nachrichten, 28.2.1918, S. 3.

[8] Innsbrucker Nachrichten, 28.2.1918, S. 6.

[9] Richard Meller, in: Tiroler Ehrenbuch.

[10] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[11] Innsbrucker Nachrichten, 17.7.1918, S. 4; Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

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