Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Hans Folk

von Nikolaus Hagen.

In unserer Serie „Flieger gesucht“ haben wir in Folge 4, die im November letzten Jahres erschien, den Feldpiloten und Beobachteroffizier Hans Folk vorgestellt. Zum damaligen Zeitpunkt wussten wir nicht, wo Folk seinen Lebensmittelpunkt hatte. Er war einer jener Fälle, bei denen unklar war, ob es sich um einen jener Flieger handelte, denen wir uns in diesem Projekt besonders widmen: den Tirolern und Vorarlbergern. Inzwischen wissen wir dank Marco Toffol, der im Primör lebt und ein kleines Buch über Hans Folk verfasst hat, mehr über seine Person.


Hans Folk kam 1891 im südmährischen Millowitz (Milovice), nahe der Grenze zu Niederösterreich, zur Welt. In Brünn studierte an der dortigen Technischen Hochschule Architektur und war Mitglied einer Burschenschaft. Nach Tirol, genauer gesagt nach Hall, brachte ihn, noch vor Kriegsbeginn, der Dienst als Einjährig-Freiwilliger beim 4. Tiroler Kaiserjägerregiment. Ende 1915 meldete er sich freiwillig zu den Luftfahrtruppen und wurde an der Flosch in Wiener Neustadt zum Beobachteroffizier ausgebildet.

Oberleutnant Hans Folk (Bildquelle: Marco Toffol)

Im Jänner 1916 wurde Folk von der Flosch zur Flik 15 überstellt. Die Flik 15 war zuerst an der Ostfront eingesetzt und wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1916 an die Südtirolerfront zum Flugfeld Pergine überstellt. Am 24. September 1916 gelang ihm, gemeinsam mit Feldpilot Zugsführer Richard Müller, sein erster Luftsieg im Kampf gegen einen Voisin-Aufklärer über Feltre. Größere Bekanntheit erlangte Folk durch die Bombardierung eines italienischen Munitionslagers im Mai 1917. Das Bombardement, das eine gewaltige Explosion nach sich zog, zerstörte nicht nur große Mengen an Munition und Material sondern kostete nach unterschiedlichen Angaben zwischen 40 und 60 italienischen Militärangehörigen und zivilen Arbeitern das Leben:

„Leutnant in der Reserve Hans Folk mit Feldpilot Korporal Anderle brachte das große italienische Munitionsdepot Mga. Fratazza durch Bombentreffer zur Explosion, was dort Brände hervorrief und dem Feinde einen Millionenschaden zufügte.“

Innsbrucker Abendblatt, 19. Juni 1917.

Im Belohnungsantrag hieß es

„Ganz hervorragend hat er sich am 23./V. ausgezeichnet indem er trotz heftigsten Art. Feuer über Mga. Fratazza 5 Bomben abgeworfen und das feindliche Munitionsdepot samt dem dort befindlichen Brigadekommando durch Explosion vernichtet hat. Dem Feind entstand dadurch ein Millionen-Schaden ca. 50 Tote und Verwundete Militärpersonen.“

Im Juni 1917 wechselte Folk als Ausbildner an die Flosch. Anfang 1918 machte er die Ausbildung zum Jagdpiloten und wurde der Flik 51J, einer Jagdstaffel zugeteilt. Kurz darauf wechselte er zur Flik 14J, einer anderen Jagdstaffel, die am Flugfeld Feltre stationiert war.

Am 15. Juni stieg Folk in der Früh mit dem Phönix D.I 228.05 gemeinsam mit anderen Jagdfliegern der Flik 60J und 14J zu einem Sperrflug auf, um eigene Aufklärer und Artillerieflieger zu schützen. Über feindlichem Gebiet griff Folk zwei gegnerische Jagdflugzeuge an und brachte eines davon zum Absturz. Dieser zweite Luftsieg war zugleich Folks letzter Flug. Während des Luftkampf mit den englischen Gegnern erlitt Folk mehrere Lungenschüsse. Beeinträchtigt durch diese Verletzung wurde er am Rückflug Richtung Feltre ein leichtes Ziel für einen britischen Sopwith-Jagdflieger. Eine feindliche MG-Salve brachte den Phönix D.I über dem eigenen Flugfeld zum tödlichen Absturz.

Posthum wurde Folk der Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern zuerkannt.


Für unser Projekt haben wir uns darauf verständigt, dass jeder der sein Erwachsenenleben in Tirol und Vorarlberg verbrachte, als Tiroler und Vorarlberger Flieger gilt. Wahrscheinlich ist Folk in diesem Sinne ein absoluter Grenzfall. Nach Tirol kam er unmittelbar nach dem Studium aufgrund des Wehrdienstes. Vermutlich wäre er nach dem Einjährig-Freiwilligen-Dienst wieder nach Mähren zurückgekehrt. Durch den Krieg und die Meldung zu den Luftfahrtruppen kam es anders. In seiner Zeit als aktiver Flieger war Folk nur an der Südtiroler und der Grappa Front eingesetzt, wo er letztlich auch starb.

Weitere Informationen zu Folk finden Sie im Buch von Marco Toffol:


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.