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Flieger der Woche

Oberleutnant Johann Martin Luger

von Stefan Stachniß.

Johann Martin Luger wurde am 20. September 1889 als Sohn des Steinmetzes Franz Josef Luger aus Dornbirn und der Magdalena Kaufmann geboren. Luger besuchte sechs Klassen der Volksschule und sieben Klassen an der Realschule in Dornbirn. Er absolvierte die Matura mit Auszeichnung und begann ein Ingenieursstudium an der technischen Hochschule in Wien, wo er die 1. Staatsprüfung erfolgreich ablegte.

Im Jahr 1910 wurde Luger gemustert. Zu diesem Zeitpunkt hatte er braunes Haar, grüne Augen, ein rundes Gesicht und war 1,64 Meter groß. Anlässlich seiner Musterung meldete er sich zum einjährig-freiwilligen Dienst und wurde der 9. Feldkompanie des 4. Tiroler Kaiserjägerregiments zugewiesen. Am 11. Juni 1912 wurde er im Einvernehmen mit dem 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger und der 9. Feldkompanie zum Festungsartillerieregiment Nr. 5 transferiert. Vermutlich wegen des Studiums ließ er sich zunächst beurlauben und begann seinen Dienst als Kanonier erst am 7. Oktober 1912. Am 30. September 1913 wurde er zum Feuerwerker befördert und am 1. Januar 1914 zum Kadett in der Reserve.

Kurz nach Kriegsbeginn, am 2. August 1914, wurde Johann Luger zur aktiven Dienstleistung eingezogen, am 20. Dezember 1914 zum Fähnrich in der Reserve und am 1. Mai 1915 zum Leutnant in der Reserve befördert. Sein tapferes Verhalten im Frontdienst wurde im Juni 1916 mit der allerhöchsten belobenden Anerkennung gewürdigt.

Am 27. November 1916 erhielt Luger den Befehl, sich bei den Luftfahrtruppen zur Ausbildung zum Beobachter in der Fliegeroffiziersschule zu melden. Luger absolvierte diese erfolgreich und kam am 28. Februar 1917 zur Fliegerkompanie 29. Zugleich erhielt er die Berechtigung, die bronzene Militärverdienstmedaille mit Schwertern am Bande zu tragen. Am 1. Mai 1917 wurde er zum Oberleutnant befördert und kurz darauf zur Fliegerkompagnie 1 bei der k.u.k. 7. Armee an die Karpatenfront versetzt. Bei einem Aufklärungsflug am Vormittag des 30. Juni 1917 erzielte der Dornbirner mit seinem Feldpiloten Zugsführer Johann Leitner seinen einzigen Luftsieg. Die beiden gerieten während eines Artillerieaufklärungsfluges mit ihrer Hansa-Brandenburg C.I (69.71) in eine Kampfhandlung mit drei feindlichen Flugzeugen. Ein russischer Nieuport zog nach kurzem Schusswechsel ab. Ein weiterer Nieuportapparat und ein Rumpfdoppeldecker verblieben im Luftkampf mit dem österreichisch-ungarischen Flugzeug. Obwohl die russischen Flugzeuge keineswegs unkoordiniert agierten, gelang es Luger und seinem Feldpiloten immer wieder gezielte Schüsse auf die Feinde abzugeben. Eines der russischen Flugzeuge, ein SPAD A-2, musste unweit der Kirche von Valeputna in der südlichen Bukowina kampfunfähig notlanden. Der feindliche Pilot blieb unverletzt, während der Beobachter leichte Verletzungen davontrug. Das bereits beschädigte russische Flugzeug wurde von österreichisch-ungarischen Fronttruppen zerstört und der Luftsieg durch Meldungen der Artillerie und Infanterie sowie der k. u. k. 7. Armee bestätigt. Luger wurde dafür im August 1917 das Luftfahrerabzeichen für die Dauer eines Jahres und im September das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern verliehen. Am 19. Dezember 1917 wurde er von der Flik 1 als technischer Offizier zum 7. Armeekorps kommandiert. Dort verlieh man ihm weitere Auszeichnungen, unter anderem den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern sowie das Karl-Truppenkreuz. Letzteres erhielt er aufgrund von 33 erfolgreichen Feindflügen bei der Fliegerkompagnie 1. Der entsprechende Antrag wurde bereits im September 1917 eingereicht. Es kann angenommen werden, dass er weitere Feindflüge absolvierte, die Versetzung als Beobachter zur Bomberkompanie 103G erfolgte aber offenbar pro forma bzw. nur kurzzeitig, da er den Dienst gar nicht erst antrat. Luger wurde dann dem 6. Armeekorps in Vittorio zugewiesen, wo er ab dem 21. Juli 1918 bis Kriegsende als technischer Referent abseits der Front verblieb.

Nach dem Krieg war Luger als Ingenieur tätig und in Dornbirn ansässig. Am 28. Jänner 1931 heiratete er Augusta Pecksieder, mit der er 1938 eine Tochter bekam. Bereits vor dem „Anschluss“ im März 1938 war Luger in der illegalen NSDAP aktiv. Als Leiter des Volkspolitischen Referats in der Vaterländischen Front fungierte er als Verbindungsmann zwischen dem austrofaschistischen Regime und den Nationalsozialisten. Bis 1940 war er anschließend nationalsozialistischer Landesrat für Bauwesen in Vorarlberg. Bei Kriegsende übergab er gemeinsam mit Eduard Ulmer die Stadt Dornbirn an die einmarschierenden französischen Besatzungstruppen. Johann Martin Luger starb am 16. Juli 1953 in Bregenz.