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Flieger der Woche

Leutnant Alfred Weissensteiner

von Stefan Stachniß

Alfred Weissensteiner wurde am 16. Juni 1893 in Bludenz geboren. Seine Eltern waren Karl Weissensteiner, ein Maschinenführer aus Hieflau in der Steiermark, und Anna Kößler. Die Familie übersiedelte nach Geburt und Taufe des Sohnes wieder nach Hieflau. Zum Zeitpunkt seiner Musterung beim österreichisch-ungarischen Heer im Jahr 1914 war Alfred Weissensteiner in Salzburg wohnhaft, katholisch, ledig und beherrschte neben der deutschen Sprache auch Französisch und Englisch. Weissensteiner wurde dem Infanterieregiment 59 zugeteilt und war zunächst als Offizier bei seinem Stammtruppenkörper tätig.

Im April 1916 wechselte er zu den Luftfahrtruppen und absolvierte in einem Lehrbataillon die Ausbildung zum Beobachteroffizier. Drei Monate später wurde er bei der Fliegerkompagnie 30 bei der k. u. k. 7. Armee an der Ostfront in Dienst gestellt. Kurz nach seiner Versetzung erfolgte die Beförderung zum Leutnant in der Reserve. Bei der Flik 30 erzielte er am 8. September 1916 gemeinsam mit dem Flugzeugführer Korporal Karl Semmelrock einen Luftsieg. Bei einem Fernaufklärungsflug gelang es den beiden Fliegern, einen russischen Flugapparat nach kurzen Kampfhandlungen bei Nadworna zur Notlandung zu zwingen. Dabei wurde der Beobachter des russischen Aufklärers tödlich und der Pilot schwer verletzt.

Weissensteiner blieb bis zum März 1917 bei dieser Einheit, bei der er als Beobachteroffizier weitere erfolgreiche Feindflüge verzeichnen konnte. Danach kam er für kurze Zeit zur Flik 29, ehe er am 20. Juli 1917 zur Flik 31 wechselte. Nach mehrmaligem Hin-und-Her zwischen den Fliegerkompagnien 29, 30 und 31, blieb er ab Februar 1918 nochmals für einen Monat bei der Flik 29. Als Beobachter war Leutnant in der Reserve Weissensteiner zunächst der erste Mann im Flugzeug und in seiner primären Funktion als Reihenbildner eingesetzt. Bei Aufklärungsflügen fotografierte er dabei wichtige Teile des Feindgebiets. Diese Fotos wurden zur weiteren taktischen Planung für die Infanterie und Artillerie verwendet.

Nachdem er ab März 1918 bei den Fliegerersatztruppen die Pilotenausbildung absolviert hatte, wurde er mit 23. Mai 1918 bei der Feldfliegerschule des Heeresgruppenkommandos von Boroevic zum Feldpiloten ausgebildet und kam im Juni 1918 als Feldpilot zur Fliegerkompagnie 61J, einer Jägerstaffel der Isonzoarmee. Über seinen Flugapparat, den er bei der Flik 61J flog, berichtet der Flugzeughistoriker Karl Meindl: „Am Rumpf seiner Albatros D.III hatte er das bayrische Wappen aufgemalt.“ Dies sei ein Hinweis darauf, dass er vorhatte, sich nach Kriegsende im benachbarten Bayern niederzulassen. Ob er das getan hat, wissen wir nicht. Sein weiteres Leben ist derzeit unbekannt.