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Flieger der Woche

Toni (Anton) Überbacher

von Thomas Albrich.

Stabsfeldwebel Toni (Anton) Überbacher, 1. Tiroler Kaiserjäger-Regiment, geboren 1898 in Wien, zuständig nach Bozen, wurde am 10. Juni 1916 in Brixen gemustert und ist freiwillig eingerückt. Er war ledig, römisch-katholisch, hatte fünf Klassen Realschule absolviert und war Student im zweiten Semester. Er sprach deutsch und italienisch und war 1.70 Meter groß. Am 8. Juli 1916 wurde er zur Fliegerersatztruppe transferiert. Nach seiner Ausbildung zum Piloten, er hatte sein Pilotendiplom Nr. 601 am 6. Februar 1917 erhalten, kam er im März 1917 von der Fliegerersatztruppe zur Flik 28 und wurde im Mai 1917 Feldpilot. Am 26. Mai 1917 war gemeinsam mit Artillerie-Beobachter Leutnant Julius Schlegel unterwegs und wurde im Luftkampf leicht verwundet. Im Juni 1917 erhielt er das Feldpilotenabzeichen, wurde im Juli Zugsführer und im März 1918 Feldwebel.

Im Mai 1918 erschien dann eine sensationelle Meldung in den Innsbrucker Nachrichten und im Tiroler: Laut diesen Meldungen wurde Feldpilot Stabsfeldwebel Anton Überbacher aus Bozen, Träger der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse und 2. Klasse, der Bronzenen Tapferkeitsmedaille und des Karl-Truppenkreuzes, „für hervorragend schneidiges Verhalten vor dem Feinde in mörderischem Luftkampfe mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.“ Im Tiroler hieß es abschließend: „In den ersten Tagen des Mai errang er seinen 7. und 8. Luftsieg und ist somit in die Reihe unserer erfolgreichsten Feldflieger eingetreten.“ Damit wäre er tatsächlich zu einem Fliegerass geworden. Überbacher scheint aber unter keinem weiteren Datum in der Presse auf, weder vor noch nach dieser angeblichen Auszeichnung! Bei Jörg C. Steiner („Heldenwerk“) scheint er nicht als Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille auf. Zudem registriert Robert Veinfurter („Das Fliegende Personal der k.u.k. Fliegerkompanien im Ersten Weltkrieg“) keinen einzigen Luftsieg von Überbacher! War er also einer jener, die sich ihren Heldenstatus schon während des Krieges selbst gebastelt haben?

Überbacher erhielt im Juni 1918 das Feldpilotenabzeichen für das zweite Jahr. Schließlich wurde er im August 1918 Stabsfeldwebel. Sein weiteres Leben liegt für uns im Dunkeln: Aus der Zeit nach Kriegsende ist nur bekannt, dass er angeblich im Jahre 1923 als Verkehrsflieger in Deutschland arbeitete und in Beziehung zu Ing. Hummel in Innsbruck und dessen Projekt der Gründung eines Tiroler Luftverkehrsunternehmens stand.

Was hat Überbacher nach 1923 beruflich gemacht? Wo hat er gelebt? Wann ist er gestorben?