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Flieger der Woche

Toni (Anton) Überbacher

von Thomas Albrich.

Stabsfeldwebel Toni (Anton) Überbacher, 1. Tiroler Kaiserjäger-Regiment, geboren 1898 in Wien, zuständig nach Bozen, wurde am 10. Juni 1916 in Brixen gemustert und ist freiwillig eingerückt. Er war ledig, römisch-katholisch, hatte fünf Klassen Realschule absolviert und war Student im zweiten Semester. Er sprach deutsch und italienisch und war 1.70 Meter groß. Am 8. Juli 1916 wurde er zur Fliegerersatztruppe transferiert. Nach seiner Ausbildung zum Piloten, er hatte sein Pilotendiplom Nr. 601 am 6. Februar 1917 erhalten, kam er im März 1917 von der Fliegerersatztruppe zur Flik 28 und wurde im Mai 1917 Feldpilot. Am 26. Mai 1917 war gemeinsam mit Artillerie-Beobachter Leutnant Julius Schlegel unterwegs und wurde im Luftkampf leicht verwundet. Im Juni 1917 erhielt er das Feldpilotenabzeichen, wurde im Juli Zugsführer und im März 1918 Feldwebel.

Im Mai 1918 erschien dann eine sensationelle Meldung in den Innsbrucker Nachrichten und im Tiroler: Laut diesen Meldungen wurde Feldpilot Stabsfeldwebel Anton Überbacher aus Bozen, Träger der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse und 2. Klasse, der Bronzenen Tapferkeitsmedaille und des Karl-Truppenkreuzes, „für hervorragend schneidiges Verhalten vor dem Feinde in mörderischem Luftkampfe mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.“ Im Tiroler hieß es abschließend: „In den ersten Tagen des Mai errang er seinen 7. und 8. Luftsieg und ist somit in die Reihe unserer erfolgreichsten Feldflieger eingetreten.“ Damit wäre er tatsächlich zu einem Fliegerass geworden. Überbacher scheint aber unter keinem weiteren Datum in der Presse auf, weder vor noch nach dieser angeblichen Auszeichnung! Bei Jörg C. Steiner („Heldenwerk“) scheint er nicht als Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille auf. Zudem registriert Robert Veinfurter („Das Fliegende Personal der k.u.k. Fliegerkompanien im Ersten Weltkrieg“) keinen einzigen Luftsieg von Überbacher! War er also einer jener, die sich ihren Heldenstatus schon während des Krieges selbst gebastelt haben?

Überbacher erhielt im Juni 1918 das Feldpilotenabzeichen für das zweite Jahr. Schließlich wurde er im August 1918 Stabsfeldwebel. Sein weiteres Leben liegt für uns im Dunkeln: Aus der Zeit nach Kriegsende ist nur bekannt, dass er angeblich im Jahre 1923 als Verkehrsflieger in Deutschland arbeitete und in Beziehung zu Ing. Hummel in Innsbruck und dessen Projekt der Gründung eines Tiroler Luftverkehrsunternehmens stand.

Was hat Überbacher nach 1923 beruflich gemacht? Wo hat er gelebt? Wann ist er gestorben?

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Flieger gesucht

Flieger gesucht! 26

Die heutige Folge 26 dieser Serie ist zugleich die letzte des Jahres 2021. Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns herzlich bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, insbesondere bei jenen, die uns immer wieder mit wertvollen Hinweisen und Ergänzungen versorgen. Auch im kommenden Jahr werden wir regelmäßig weitere Beiträge auf unserer Webseite veröffentlichen. Schauen Sie wieder vorbei und starten Sie gut in das neue Jahr 2022!

Auch diesmal haben wir wieder einige Fragen zu unseren gesuchten Fliegern, bei denen wir um Ihre Mithilfe bitten:

  • Alfred Groß, geboren 1874, fuhr 1908 mit einem Luxusschiff nach Spitzbergen, flog 1912 mit Oberleutnant Karl Stohanzl als erster Tiroler als Passagier in einem Motorflugzeug mit, war seit Oktober 1913 der fünfte geprüfte Tiroler Ballonführer, aktiver Funktionär beim Innsbrucker Turnverein (Ehrenmitglied), lebte als „Privatier“ in Innsbruck und starb 1920 im Alter von 46 Jahren. Wo ist er geboren? Welchen Beruf übte er aus? Woher hatte er das Geld für seine teuren Hobbies? Stammte seine Familie aus Steyr in Oberösterreich?
  • Feldpilot Feldwebel Wilhelm Pfeiffer, Pilotenschein im Dezember 1916, Feldpilot bei Flik 14 ab Mai 1917. Wo ist er geboren, wo begraben? Was hat er vor dem Krieg gemacht? Warum ist er nicht im Tiroler Ehrenbuch verzeichnet?
  • Beobachteroffizier Ricco (Heinrich) Pizzini, in Wien geboren, lebte in der Zwischenkriegszeit in Wien. Welche Bezüge hatte er zum Trentino. War sein Vater ein Trentiner? Welche Karriere machte er? Wann und wo ist er gestorben)
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Flieger gesucht! 25

Wir suchen weitere Informationen zu den folgenden Fliegern:

  • Feldpilot Leutnant in der Reserve Fritz Schusterschitz (Innsbruck). Wann schloss er sein Studium ab? Was machte er beruflich in der Zwischenkriegszeit? Züchtete er nach 1945 tatsächlich Hühner? Wer weiß noch mehr über ihn?
  • Feldpilot Zugsführer Robert Streli (Innsbruck/Hötting). Wer weiß etwas über seine Militärkarriere nach seiner Flucht aus rumänischer Internierung? Warum lebte er nach 1918 in Oberösterreich?
  • Feldpilot Zugsführer Paul Unterweger (Innsbruck). Ist Paul Unterweger, geboren 1890 in Schlaiten, Bezirk Lienz, ein Bauer, gemustert am 31. Mai 1911 in Brixen, 1.63 groß und zugeteilt dem 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger, identisch mit Zugsführer Paul Unterweger vom Infanterie-Regiment 7, der als Feldpilot bei der Flik 44D und 49 diente? Dieser hatte sein Pilotendiplom Nr. 1004 am 5. Februar 1918 erhalten, wurde am 15. Juni 1918 durch Boden-MG verwundet, mit an Bord Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Georg Holländer. Am 11. September 1918 wurde er bei einer Nachtlandung mit Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Alfons Benyovszky verletzt. Am 30. September 1918 wurde er zu den Fliegerersatztruppen transferiert. Bei der Gründungsversammlung des Tiroler Fliegerverbandes im Jänner 1920 wurde Flugzeugführer Paul Unterweger, Innsbruck, als 1. Schriftführer des Hauptausschusses und Protokollführer des Technischen Ausschusses eingesetzt. Er wanderte später in die USA aus und starb am 7. Juli 1926 in Detroit an den Folgen eines Flugunfalls.
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Flieger der Woche

Pilot Karl Miller

von Thomas Albrich.

Karl Miller war der 1897 geborene jüngste Sohn von Friedrich Miller sen., dem Begründer der Firma F. Miller Optik in Innsbruck, die gerade ihr 150jähriges Gründungsjubiläum feiert. Seine älteren Brüder waren der Optiker Fritz Miller jun., einer der aktivsten Tiroler Ballonfahrer vor 1914, Dr. Wilhelm Miller und Max Miller. Wir haben von der Familie tolle Bilder bekommen, darunter eine Reihe von Bildern aus der Luft über dem Außerfern mit Reutte und der Zugspitze, dem Plansee und Füssen. Die Bilder sind meist undatiert (die wenigen Datierungen sind vom Juli 1918) und stammen aus dem Familien-Fotoalbum. Es gibt leider weder eine schriftliche noch eine mündliche Überlieferung dazu. Wahrscheinlich als bayerischer Staatsbürger wurde er zu den bayerischen/deutschen Fliegertruppen eingezogen und dort 1918 ausgebildet und eingesetzt, wie aus den Bildern zu ersehen ist. Vermutlich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs optierte die damals in Innsbruck schon längst fest verwurzelte Familie Miller für die österreichische Staatsbürgerschaft.

Unbekanntes Flugfeld – möglicherweise in Bayern? Fotografie von Karl Miller (Privatbesitz)

Karl Miller wohnte Ende 1922 in der Kochstraße im Innsbrucker Saggen und war ein begeisterter Sportler. Er war im Vorstand des alpinen Klubs „Karwendler“ und nahm 1922 und 1923 an Schießwettbewerben und Skirennen der Tiroler Heimatwehr teil. Auch als Skiläufer und Ski-Staffelläufer in der Mannschaft der „Karwendler“ war Miller 1923 und 1924 erfolgreich. Am 7. November 1932 starb sein Vater Friedrich Miller sen. im 84. Lebensjahr. Danach taucht Karl Miller nur noch selten in der Tagespresse auf. So meldeten die Dolomiten im Dezember 1958, dass der damals 61jährige Fabrikant mit seinem VW in Bozen einen Verkehrsunfall hatte, bei dem aber nichts passierte. Karl Miller starb 1966 in Innsbruck.

Fokker D.VII auf unbekanntem Flugfeld. Fotografie von Karl Miller (Privatbesitz)

Es stellen sich eine Reihe von Fragen: ab wann war er beim bayerischen/deutschen Militär? Welchen militärischen Rang erreichte er? Wo machte er seine Fliegerausbildung? Hat er einen aktiven Dienst bei der Fliegertruppe ausgeübt und wenn, in welcher deutschen Fliegereinheit hat Karl Miller gedient? Wurde er als Flieger ausgezeichnet? Was hat er nach 1918 als Fabrikant bis zu seinem Tod beruflich und privat gemacht? Warum scheint er seit 1924 nicht mehr in der Tagespresse auf?

Zu den Bildern: 1. Wurde dieses Bild auf dem Flugplatz in Schleißheim aufgenommen? 2. Identischer Platz aus der Luft?

Update 7.12.21:

Von Reinhard Kastner erhielten wir die Information, dass Miller in den Kriegsstammrollen der bayerischen Armee nicht aufscheint.

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Ein Jahr Luftfahrtruppen.at

Vor einem Jahr, im Oktober 2020, ging unsere Webseite online. Anlass für eine Zwischenbilanz.

Als wir 2018 mit Studierenden im Kriegsarchiv in Wien für unser Buch zu den österreichisch-ungarischen „Fliegerassen“ recherchiert haben, fielen uns eine größere Anzahl an Personenunterlagen zu Offizieren aus Alt-Tirol und Vorarlberg in der Fliegertruppe auf. Diese Akten waren allerdings rein alphabetisch abgelegt und eine gezielte Recherche nach Herkunfts- oder Wohnregion war nicht möglich. Für die Unteroffiziere und Mannschaften existiert überhaupt kein vergleichbarer Bestand zur Offizierskartei bzw. den Personalakten der Offiziere – ein Umstand, der uns damals als auch heute die Arbeit sehr erschwert. Nichtsdestotrotz motivierten uns diese ersten eher zufälligen Aktenfunde dazu, den Tirolern und Vorarlbergern in den Luftfahrtruppen ein eigenes Forschungsprojekt zu widmen und damit ein bislang unbekanntes Kapitel der regionalen Sozial- und Militärgeschichte aufzuarbeiten. Angesichts der Aktenlage im Kriegsarchiv war rasch klar, dass wir bei unserer Forschung stark auf lokale und regionale Archive im ganzen Untersuchungsgebiet (Tirol, Südtirol, Trentino, Vorarlberg) angewiesen sein würden, noch viel mehr aber auf die Hinweise von Forscherinnen und Forschern, Chronistinnen und anderweitig Interessierten. Auch auf Hinweise und Unterlagen im Familienbesitz haben wir gehofft. Um den direkten Kontakt mit diesem Personenkreis und der interessierten Öffentlichkeit zu ermöglichen, entstand diese Webseite, die sowohl erste Einblicke in unsere Forschungsarbeit bieten soll, als auch als Einladung zur Mitarbeit dient.

Seit Beginn haben wir 38 gekürzte Biografien als Anreiz veröffentlicht – zuerst im Wochenrhythmus, mittlerweile einmal pro Monat. Dazu kamen 24 Folgen der Serie „Flieger gesucht!“, in der wir schon beinahe 200 Flieger namentlich und mit biografischen Kurzdaten veröffentlicht haben. Besonders bei diesen Personen waren und sind wir stark auf die Mithilfe der Community angewiesen. Dank der Zuschriften und Kommentare unserer Leserinnen und Leser konnten wir wertvolle Hinweise über einige der gesuchten Personen gewinnen.

Das Echo auf unser Projekt war viel größer als erwartet. Im vergangenen Jahr erhielten wir immer wieder Zuschriften aus Tirol, aus Südtirol, dem Trentino und Vorarlberg, oft mit bislang unbekanntem Bildmaterial. Darüber hinaus gab es auch Rückmeldungen aus Tschechien, Polen, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Auch unsere Kollegen der Interessengemeinschaft Luftfahrt Fischamend haben uns mehrmals mit wertvollen Hinweisen versorgt. Vielen Dank an alle, die uns kontaktiert haben!

Das Interesse an unserem Projekt ist international, obwohl der Großteil unserer Inhalte nur in deutscher Sprache verfügbar ist. In der Besucherstatistik folgen auf Benutzer aus Österreich jene aus Italien, den Vereinigten Staaten, Tschechien, Deutschland, Argentinien (!), Belgien, Ungarn und Polen. Es handelt sich jeweils mindestens um eine zweistellige Anzahl „einzigartiger“ Besucher und Besucherinnen. Wir freuen uns auch über das positive Echo in den Medien. Berichte erschienen unter anderem in der Tiroler Tageszeitung und in einigen Regionalmedien.

Alle relevanten Hinweise, die wir über unsere Webseite erhalten, finden Eingang in unser Forschungsprojekt. Im Frühjahr 2022 werden wir den ersten Band der Forschungsergebnisse – die Biografien der Zeit bis Ende 1916 – veröffentlichen.

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Flieger gesucht

Flieger gesucht! 24

Wer kennt Feldwebel Azore (Adolf) Padien?

Zugsführer Azore Padien, ab 1. Oktober 1917 Feldwebel, Stammtruppe Infanterieregiment 21, ein Austro-Italiener, der wegen seiner Abstammung meist an der russischen Front eingesetzt wurde. Er kam am 11. August 1916 von der Ausbildung beim Fliegerersatzbataillon zur Fliegerkompagnie 25, wurde im Oktober 1916 Feldpilot, erhielt das Feldpilotenabzeichen im November 1916. Im April 1917 wurde er Zugsführer, im Oktober 1917 Feldwebel. Padien flog bis Dezember 1917 als Feldpilot der Flik 25 bei der k.u.k. 2. Armee in Ostgalizien. Er erreichte am 15. Mai 1917 einen Luftsieg mit seinem Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Eugen Gefing gegen einen Sopwith bei Jezierna.

Am 21. Jänner 1918 kam er zur Fliegerersatztruppe und war dort wahrscheinlich als Fluglehrer eingesetzt. Am 20. Mai 1918 kam er von der Feldfliegerschule zur Flik 70, wo er offenbar bis Kriegsende diente.

Woher stammt Azore (Adolf) Padien? War er ein Trentiner? Wann wurde er geboren, wann ist er gestorben? Wo hat er nach 1918 gelebt und was hat er beruflich gemacht? Kontaktieren Sie uns per E-Mail oder über das Kontaktformular.

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Flieger der Woche

Franz Ziehaus

von Thomas Albrich

Der Bregenzer Franz Ziehaus entzieht sich bisher unserer historischen Forschung. Er scheint in keiner Pressemeldung während des Ersten Weltkriegs auf und auch in einschlägigen Aktenbeständen hat er scheinbar keine Spuren hinterlassen. Es ist bislang nur bekannt, dass er sein Pilotendiplom Nr. 920 am 13. Dezember 1917 erhielt und anschließend angeblich Militärfluglehrer war. Sein militärischer Rang ist uns derzeit noch nicht bekannt.

Ziehaus taucht erstmals 1927 in der Vorarlberger Presse als Testpilot für den Lustenauer Willi Scheffknecht auf. Der junge Lustenauer Schlosser hatte schon 1922 ein Einsitzer-Motorflugzeig gebaut, das jedoch bei zwei Probeflügen beschädigt wurde. 1925 hatte er mehr Erfolg: das von ihm gebaute zweisitzige Motorflugzeug mit zehn Meter Spannweite verkaufte er noch im selben Jahr an einen Schweizer Geschäftsmann. Im Winter 1926/27 baute Willi Scheffknecht einen Doppeldecker mit sieben Meter Spannweite und fünf Meter Länge, der bei der Gewerbeausstellung 1927 in Feldkirch ausgestellt wurde. Nach der Ausstellung absolvierte Franz Ziehhaus im Rheinvorland einige Probeflüge, die zunächst sehr zufriedenstellend ausfielen. Bei einem dieser Flüge fabrizierte Ziehaus allerdings eine Bruchlandung, als er in der Nähe des Rheindammes bei Lustenau, angeblich infolge Benzinmangels, notlanden musste und sich mehrmals überschlug. Der Zeitungsbericht dazu lautete etwas harmloser:

„Lustenau, 2. Dez[ember 1927] (Der erste Probeflug mit dem Flugzeug Scheffknecht’s verfilmt.) Wie bereits vor mehreren Wochen berichtet, hat sich Herr Willi Scheffknecht aus Lustenau ohne jede fremde Hilfe ein Flugzeug selbst konstruiert und gebaut. Es handelt sich um einen Einsitz-Doppeldecker mit luftgekühltem Zweizylinder-Motor (1100 ccm Inhalt). Am vergangenen Sonntag hat nun der ehemalige Militärfluglehrer Herr Franz Ziehaus aus Bregenz mit dem Apparat den ersten Probeflug gemacht, um dem Flugzeug eventuell noch anhaftende Konstruktionsfehler feststellen zu können. In aller Heimlichkeit wurde am Vorabend der Apparat unter die Rheinbrücke bei Fußach gebracht und am Sonntag früh dort aufmontiert. Gegen 10 Uhr vormittags erfolgte dann bei ziemlich nebeligem Wetter der Start und ein kurzer Flug dem Rhein entlang mit einer Kehre über dem Wasser zurück zum Startplatz. Start und Flug ging glatt vonstatten. Bei der Landung hatte sich das Flugzeug infolge nicht genauer Einstellung der Tragflächen sowie ungünstiger Beschaffenheit des Landungsplatzes überschlagen. Der Flieger blieb unverletzt, der Apparat selbst ward nur leicht beschädigt. Sowohl Herr Scheffknecht als auch Herr Ziehaus sind der festen Ueberzeugung, daß sich die kleinen Mängel leicht beheben lassen, so daß bald vor der Oeffentlichkeit weitere und größere Probeflüge werden stattfinden können. Dieser Probeflug sowie die Vorbereitungen hiezu wurden durch den Geschäftsführer des Invaliden-Kinos Bregenz verfilmt und bietet sich dadurch Gelegenheit, dieses interessante Ereignis im Kino zu sehen. Laut Ankündigung gelangt der Film am 3. und 4. Dezember in Bregenz, am 7. und 8. Dezember im Rheinkino in Lustenau und am 10. und 11. Dez[ember] im Invalidenkino in Dornbirn zur Vorführung.“

Am 16. März 1928 hatte Franz Ziehaus bei Hörbranz einen schweren Motorradunfall. Durch diesen Unfall war Ziehaus verhindert, im Sommer 1928 einen neuerlichen Flug mit Scheffknechts verbesserten Modell durchzuführen. Wer die erwähnten beiden Probeflüge an seiner Stelle durchgeführt hat, ist unbekannt. Am 4. August 1928 erschien nämlich im Vorarlberger Tagblatt unter dem Titel „Flugzeugbesichtigung in Lustenau“ folgende Ankündigung:

„Seit dem letzten Sonntag hat unser junger Konstrukteur Willy Scheffknecht sein nun umgeändertes Flugzeug in der Schule Kirchdorf ausgestellt. Der Apparat hat bereits zwei Probeflüge hinter sich. Durch den Umbau, den Herr Scheffknecht ebenfalls selbst vorgenommen hat, ist das Flugzeug in seiner Konstruktion einwandfrei.“

Bei einem Kameradschaftsabend der Motorradsektion Bregenz des Vorarlberger Automobilklubs im April 1935 hielt Franz Ziehaus einen Vortrag über seine Erlebnisse als Kriegsflieger, der reichlichen Beifall erntete.

Zum Bregenzer Franz Ziehaus, dem angeblichen ehemaligen Militärfluglehrer, gibt es in den Vorarlberger Zeitungen der 1920er und 1930er Jahre außer dem Bericht über den Probeflug von 1927 zahlreiche Werbeeinschaltungen zu seiner Motoradwerkstatt in Bregenz und nach dem „Anschluss“ 1938 ein Bericht über ihn als Funktionär des nationalsozialistischen Fliegerkorps. Auch nach 1945 schaltete Ziehaus immer wieder Annoncen für seinen Motorradhandel in Vorarlberger Zeitungen.

Wer weiß mehr über Franz Ziehaus? Wann wurde er geboren? Wann ist er verstorben? Wo war er Fluglehrer im Jahre 1918?

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Flieger gesucht

Flieger gesucht! 23

Zu den folgenden drei Fliegern in Folge 23 unserer Serie suchen wir weitere Informationen, Dokumente oder Bilder. Vielleicht können Sie uns dabei helfen, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Feldpilot-Fluglehrer Franz Chizzali (Innsbruck); bei welcher Ersatzkompagnie war er als Fluglehrer eingesetzt? Warum nannte er sich nach 1918 Inngauer?
  • Feldpilot Zugsführer Andreas Kreidl, geboren 1897 in Innsbruck, war heimatzuständig nach Weer. Im Luftkampf gefallen am 29. September 1917. Wer waren seine Eltern? Hat er in Niederösterreich (St. Pölten) gelebt?
  • Feldpilot Oberleutnant Gustav Rubritius (geboren in Prag/lebte in Wien). Er war 1930 das erste Todesopfer der zivilen Luftfahrt in Österreich nach 1918. Gibt es Verbindungen zu Vorarlberg (seine Witwe hat zu Kriegsende 1945 im Montafon gelebt).
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Flieger gesucht

Flieger gesucht! 22

Wir suchen für einen Besucher unserer Homepage Informationen zu

Emmerich Goth (Góth).

Oberleutnant in der Reserve Emmerich Goth, geboren 1893, diente zuerst beim Infanterie-Regiment 46 und machte dann seine Ausbildung zum Beobachteroffizier bei den Luftfahrtruppen. Er kam am 27. November 1916 als Beobachteroffizier von der Fliegerersatztruppe zur Flik 2. Wurde im Mai 1917 Flugzeugbeobachteroffizier, bekam im August 1917 das Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

Am 5. September 1917 flog er angeblich als Beobachter mit dem österreichischen Fliegerass Oberleutnant Rudolf Weber einen Einsatz, wobei Goth einen feindlichen Flieger abschoss. In anderen Quellen sind für den 7. bzw. 14. September 1914 gar zwei Liftsiege verzeichnet.[1] Zum angeblichen Luftsieg am 5. September 1917 stellte Karl Meindl fest, dass Weber allein geflogen ist![2] Auch bei Veinfurter ist kein Luftsieg von Goth verzeichnet![3] Ebenso erwähnt auch Stefan Stachniß, der eine Kurzbiografie über Weber geschrieben hat, keinen Beobachter bei diesem Luftsieg Webers! Von einem Luftsieg am 7. oder 14. September 1917 ist dort ebenfalls keine Rede.[4]

Emmerich Goth war dann seit 18. November 1917 krank und wurde am 20. Februar 1918 zur Fliegerersatztruppe transferiert. Was er in den folgenden mehr als drei Monaten machte, ist praktisch unbekannt. Am 1. Mai 1918 wurde er zum Oberleutnant in der Reserve ernannt. Am 6. Juni 1918 kam er als Offizierspilotenschüler zur Fliegerersatzkompagnie 15 (Flek 15)[5] in Arad im heutigen Rumänien.[6] Rund drei Monate später, am 9. September 1918, erhielt er das Pilotendiplom Nr. 2449.[7] Ob er vor Kriegsende noch Kampfeinsätze als Pilot flog, ist derzeit unbekannt!

Zu Emmerich Goth gibt es eine Reihe von Fragen: Wo wurde er geboren? Gibt es weitere Informationen zu seiner Kriegskarriere? Hat er einen Luftsieg erreicht oder nicht? Was hat er nach Kriegsende 1918 gemacht? Wann und wo ist er gestorben? Wer hat Bilder (ein Portraitfoto?) von Emmerich Goth bzw. von der Flik 15 oder aus der Nachkriegszeit?


[1] League of WWI Aviation Historians (U. S.), Over the Front, Bd. 1, Seite 131

[2] Karl Meindl, Die Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppen. Italienische Front – 2. Teil 1917/Band 6, Selbstverlag Meindl 2005, S. 62.

[3] Robert Veinfurter, Das Fliegende Personal der k.u.k. Fliegerkompagnien im Ersten Weltkrieg (öfh Sonderband 34), Wien 2017, S. 23 und 275.

[4] Vgl. Stefan Stachniß, Oberleutnant Stefan Weber, in: Thomas Albrich/Nikolaus Hagen (Hg.), Österreich-Ungarns Fliegerasse im Ersten Weltkrieg 1914-1918, Innsbruck 2019, S. 365-367, hier S. 367.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 23.

[6] Hauke/Schroeder/Tötschinger, Die Flugzeuge der k.u.k. Luftfahrtruppe und Seeflieger 1914-1918, Graz 1988, S. 139.

[7] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 26.

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Leutnant Josef Schröder

von Thomas Albrich.

Leutnant Josef Schröder wurde am 3. März 1896 als Sohn des damaligen Oberst Josef Schröder in Imst geboren und war nach Innsbruck zuständig. Er meldete sich nach Abschluss des Oberrealgymnasiums als 19-Jähriger zu den Tiroler Kaiserjägern. Bei seiner Musterung am 13. März 1915 war Schröder Student, ledig, römisch-katholisch, 1.78 groß und sprach nur deutsch. Er wurde dem 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger zugeteilt und bald zum 4. Regiment transferiert. Sein Vater war mittlerweile Oberstleutnant beim Militärkommando Innsbruck. Am 1. April 1915 wurde Schröder jun. zum 4. Tiroler Kaiserjäger-Regiment transferiert und an die Ostfront versetzt, wo er an der Sommeroffensive gegen Russland teilnahm. Später diente er an der Italienfront und kämpfte am Monte Piano, am Isonzo und Pordoi. Während seines Kriegseinsatzes bekam Schröder im Schnitt alle drei bis vier Monate den nächsthöheren Dienstgrad. Am 1. August 1916 wurde er zum Leutnant in der Reserve ernannt.

Als frisch ernannter Offizier meldete sich Schröder zu den Luftfahrtruppen und wurde vom 14. Dezember 1916 bis zum 2. Jänner 1917 zum Luftfahrt-Kurs eingeteilt, danach kam er vom 13. Jänner bis 26. Februar 1917 zur Ausbildung in die Fliegeroffiziersschule (Flosch) nach Wiener Neustadt. Nach Abschluss seines Kurses diente er vom 10. März 1917 bis zum 2. Oktober 1917 als Beobachteroffizier bei der Flik 10. Im Juni 1917 absolvierte er einen Funkkurs, im August erhielt er die Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes. Während dieser Zeit bekam er am 28. Juli 1917 das Luftfahrerabzeichen auf ein Jahr verliehen. Vom 1. Oktober 1917 bis zum 6. März 1918 war er als Beobachteroffizier bei der Flik 35. Danach kam er zur Pilotenausbildung zu den Fliegerersatztruppen. Seinen Pilotenschein Nr. 2180 erhielt er am 3. Juni 1918. Nach Abschluss seiner Ausbildung am 25. Juli 1918 diente er bis zum 14. September 1918 als Pilot bei der Flik 30. Damit endete seine Fliegerkarriere. An diesem Tag wurde Schröder zu seinem Stammtruppenkörper, den Tiroler Kaiserjägern, zurückbeordert und am 1. November 1918 in den Präsenzstand im Range eines Leutnants übernommen. Am 30. April 1919 wurde er als Leutnant in den Reservestand versetzt.

Für seinen militärischen Einsatz wurde Schröder neben dem bereits erwähnten Luftfahrerabzeichen am 3. September 1917 mit der Bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, erhielt eine Allerhöchste Belobigung sowie am 6. September 1917 die Militärverdienstmedaille am Bande. Er erhielt erine weitere belobende Anerkennung „für abermaliges tapferes Verhalten als Flieger vor dem Feinde“ und am 31. Mai 1918 die Silberne-Militärverdienstmedaille am Bande des Militär-Verdienstkreuzes verliehen.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst wurde er im Jänner 1920 Gründungsmitglied des Tiroler Fliegerverbandes und übte die Funktion eines 2. Schriftführers aus. Er studierte dann an der Technischen Hochschule in Wien, musst aber aus finanziellen Gründen sein Studium aufgeben. Am 23. November 1923 trat er in die Dienste des Landesverkehrsamtes für Tirol, das ihm kaufmännische Angelegenheiten des damaligen Propagandabüros, der heutigen Tiroler Verkehrswerbung, übertrug. In kürzester Zeit arbeitete sich Schröder so gut ein und erwarb sich derart umfassende Kenntnisse im Druckerei- und Verlagswesen sowie in der Bildkunst, dass ihm die selbständige Herausgabe der für den Tiroler Fremdenverkehr überaus wichtigen Werbeschriften, Hotelbücher, Kartenwerke und die regelmäßig erscheinenden repräsentativen Bildwerke Tyrol anvertraut wurden. 1928 wurde ihm die Führung der Tiroler Verkehrswerbung als Direktor offiziell übergeben. Er behielt seine Funktion – außer in der NS-Zeit – bis zu seiner Pensionierung 1962.