Categories
Flieger der Woche

Korporal Richard Belligoi

von Thomas Albrich

Richard Belligoi kam am 25. Februar 1895 in Zell bei Kufstein zur Welt. Seine Eltern waren Johann und Anna Belligoi. Er war im Zivilleben Bahnbediensteter, bei seiner Musterung ledig und diente als Korporal im 6. Husarenregiment. Er kam dann als Pilotenschüler zur Fliegertruppe. Angeblich zur Fliegerkompagnie 6 – wahrscheinlicher aber zur Fliegerersatzkompagnie 6.

Belligoi starb an den Folgen seiner Kriegsverletzung im April 1917 in Klagenfurt, begraben in St. Anna bei Klagenfurt. Er war durch einen Lanzenstich in die Hüfte und dann durch Granatsplitter am rechten Fuß verwundet worden. Während seines Dienstes erhielt er zweimal die bronzene Tapferkeitsmedaille und das Karl-Truppenkreuz. Posthum wurde er mit der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Am 14. Mai 1917 hieß es dazu im Allgemeinen Tiroler Anzeiger:

„Der am 22. April [1917] nach schwerer Krankheit fürs Vaterland gestorbene 23jährige Pilotenschüler Richard Belligoi aus Kufstein wurde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille erster Klasse ausgezeichnet.”

Sterbebild im Tiroler Ehrenbuch

Wer weiß mehr über Richard Belligoi?

Categories
Uncategorized

Buch gewinnen!

Unsere LeserInnen versorgen uns immer wieder mit wertvollen Hinweisen und Informationen zu den Fliegern, die wir in unseren Serien Flieger gesucht! und Flieger der Woche regelmäßig vorstellen. Dafür herzlichen Dank!

Um die ExpertInnen unter Ihnen besonders anzuspornen, wollen wir alle, die uns einen bislang unbekannten Flieger aus Alt-Tirol oder Vorarlberg nennen, mit einem kostenlosen Expemplar unseres Buchs Österreich-Ungarns Fliegerasse im Ersten Weltkrieg belohnen.

Die Kriterien lauten:

  • Name eines uns bislang unbekannter Fliegers aus Tirol (inklusive Südtirol und Trentino) oder Vorarlberg im Sinne unseres Projekts (mehr Informationen)
  • Identität und Fliegertätigkeit ist von uns verifizierbar

Sie kennen einen solchen bislang unbekannten Flieger? Schreiben Sie uns! kontakt@luftfahrtruppen.at

Categories
Flieger gesucht

Flieger gesucht! 21

In unserer Serie Flieger gesucht! suchen wir regelmäßig Flieger, deren Namen uns zwar bereits bekannt sind, bei denen wir aber auf weitere Hinweise angewiesen sind. Heute suchen wir Informationen zu den folgenden Vorarlberger Fliegerpionieren, die 1936 in einem Zeitungsausschnitt erwähnt werden:

„Vor allem sollen hier Ing. Joh. M. Luger (Dornbirn), Dreher (Lustenau), Major Hämmerle (Lustenau), Vonbun (Frastanz), Oberleutnant Winder (Dornbirn), Oberwachtmeister A. Mähr (Bregenz), Dr. Stadelmann (Buch) und besonders P. Moosbrugger (Nüziders), Eugen Bösch (Lustenau), Koch (Frastanz) und Franz Ziehaus (Bregenz) erwähnt werden.“

Ernst Peter, Die Entwicklung des Flugwesens in Vorarlberg, in: Feierabend. Wochenbeilage zum Vorarlberger Tagblatt 18 (1936), Folge 17, S. 150-163, hier S. 151.

Bei den Pionieren handelt es sich um:

  • Oberleutnant Johann Martin Luger (Dornbirn)
  • Hauptmann Ernst Dreher (Dornbirn/Lustenau),
  • Major Hämmerle (Lustenau)
  • Zugsführer Gebhard Vonbun (Frastanz)
  • Oberleutnant Winder (Dornbirn)
  • Oberwachtmeister A. Mähr (Bregenz)
  • Dr. Stadelmann (Buch)
  • Feldwebel Pius Moosbrugger (Nüziders)
  • Stabsfeldwebel Eugen Bösch (Lustenau)
  • Korporal Hermann Koch (Frastanz)
  • Militärfluglehrer Franz Ziehaus (Bregenz)

Wir suchen Bilder, Informationen, Unterlagen und Erzählungen zu diesen Fliegern!

Categories
Flieger der Woche

Hauptmann Wilhelm Möller

von Thomas Albrich.

Heute stellen wir einen Offizier vor, der in ganz anderer Funktion als die bisher vorgestellten Beobachteroffiziere und Feldpiloten in den letzten beiden Kriegsjahren für die Verteidigung Tirols wirkte: Hauptmann Feldpilot Wilhelm Möller, geboren am 11. Februar 1886 in Wiener Neustadt. Er besuchte die Militär-Unter- und Oberrealschule, danach die Infanterie-Kadettenschule in Graz-Liebenau und kam am 18. August 1905 zum Infanterie-Regiment 67. Am 1. Mai 1908 wurde er Leutnant, am 1. Mai 1913 Oberleutnant. Nach Beginn des Weltkrieges wurde er 1914 zunächst Kompaniekommandant, anschließend Bataillonskommandant auf dem russischen Kriegsschauplatz. Am 1.September 1915 wurde er zum Hauptmann befördert.

Anschließend war er vom 4. September 1915 bis zum 1. November 1918 Mitglied der k.u.k. Luftfahrtruppen. Er absolvierte seine Ausbildung in der Fliegeroffiziersschule, war Adjutant im Kommando der Luftschutztruppen und im Kommando der Fliegerersatztruppen.

Nach Beendigung seiner Ausbildung zum Beobachteroffizier kam Hauptmann Möller am 8. Juli 1916 vom Lehrbataillon zur Flik 24. Im August wurde er mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Am 1. Oktober 1916 wurde er bei der Landung (Pilot war Feldpilot Zugsführer Josef Kiss) schwer verletzt. Am 18. Dezember 1916 wurde Möller zu den Fliegerersatztruppen transferiert. Möller war danach aufgrund seiner schweren Verletzungen fluguntauglich. Laut Pitsch war Möller vom 20. Juli 1916 bis zum 24. März 1917 Kommandant der Flik 24 in Pergine. Tatsächlich hatte während Möllers Zeit bei der Flik 24 Hauptmann Gustav Studeny diese Position inne.

Vom 15. März 1917 bis 1. November 1918 war Möller dann Kommandant des Luftfahr-Abwehrdienstes im Bereich des Militärkommandos Innsbruck. Dabei war er für alle Bereiche der Luftverteidigung in Gesamttirol – vom Ausbau des Netzes der Flugwachen bis zur Flak – verantwortlich.

Nach Kriegsende war er bis 1919 wieder beim Infanterie-Regiment 67. Im März 1919 wurde er Kommandant des Heimatluftschutzes, 1921 wurde er zum Major befördert. Bis 1935 machte er Dienst bei der Infanterietruppe, und zwar bei den Infanterie-Regimentern 1, 5 und 2. Am 15. Juli 1933 wurde er zum Oberstleutnant befördert und übernahm am 1. März 1935 das Kommando über das Gardebataillon. Im Juli 1936 erreichte er als Kommandant der Luftschutztruppen der österreichischen Luftstreitkräfte seine höchste militärische Position vor dem „Anschluss“. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ wurde er am 15. März 1938 pensioniert. Nach Kriegsende 1945 wurde er sofort zum Oberst ernannt und trat seinen Dienst im Heeresamt an. Ende Juli 1947 wurde er als Generalmajor in den dauernden Ruhestand versetzt. Er starb im November 1957 in Wien.

War er tatsächlich, wie Pitsch behauptet, Feldpilot oder doch nur Beobachteroffizier, wie Veinfurter ausführt? Wer weiß mehr über seine Tätigkeit als Chef des Luftabwehrdienstes im Bereich des Militärkommandos Tirol?

Categories
Flieger gesucht

Flieger gesucht! 20

Von folgenden Personen in Folge 20 der Serie gibt es nur fragmentarische Angaben, die wir noch ergänzen müssen. Hinweise sind wie immer sehr erbeten.

  • Leutnant in der Reserve Georg Wagner, Juni 1917 Beobachter Flik 35. War er ein Tiroler?
  • Flugzeugführer Korporal Anton Wenninger, Flik 35, 2.5.1918 von Feindflug nicht retour. War er ein Tiroler?
  • In der Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 19. Juli 1918 wird ein Leutnant Winder erwähnt. Winder soll gemeinsam mit Oberleutnant Varga beim Absturz eines Postflugzeuges zwischen Wien und Budapest gestorben sein. Ob es sich hier um denselben aus Dornbirn stammenden „Oberleutnant Winder“ handelt, ist unbekannt. Vgl. dazu: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 19.7.1918, S. 5.
  • Herbert Winder, laut Bildunterschrift im Stadtarchiv Dornbirn „Flieger“, geboren 1898 in Dornbirn, Kaufmann, wohnhaft in Dornbirn, heiratete am 27. Juli 1929 Olga Amann, geboren 1902, wohnhaft in Dornbirn.[1] Schreibt Zeitungsbeiträge in der Zwischenkriegszeit, berichtet über kulturelle Veranstaltungen auch in der NS-Zeit. War er der fragliche „Oberleutnant Winder“ im Ersten Weltkrieg? Diente er bei den k.u.k. Luftfahrtruppen?
  • Oberleutnant Friedrich Wirth, Beobachter, Flik 24. War er ein Vorarlberger?
  • Feldwebel Mathias Wucherer, im Mai 1916 Beobachter. War er ein Vorarlberger?
  • Franz Ziehaus, Bregenz, angeblich ehemaliger Militärfluglehrer, pilotierte im Dezember 1927 den Erstflug eines von Willi Scheffknecht in Lustenau selber gebauten Motorflugzeugs. In den 1920er und 1930er Jahren betrieb Ziehaus eine Motoradwerkstatt in Bregenz, nach 1938 NS-Funktionär. Nach 1945 wieder Motoradwerkstatt.
  • Franz Zürnich, ein Schlosser aus Schlanders, geboren am 3.2.1899, gestorben am 19.3.1918 in Ödenburg (Ungarn). Korporal bei der Fliegertruppe. War er eher als Pilotenschüler in Ödenburg? Wer weiß mehr?
  • Hermann Zwickle aus Hard, diente im 4. Tiroler Kaiserjägerregiment, bekam angeblich als Flieger über Serbien 1915 die Goldene Tapferkeitsmedaille. Wer weiß mehr?

[1] Bludenzer Anzeiger, 27.7.1929, S. 5.

Categories
Flieger der Woche

Leutnant Alfred Weissensteiner

von Stefan Stachniß

Alfred Weissensteiner wurde am 16. Juni 1893 in Bludenz geboren. Seine Eltern waren Karl Weissensteiner, ein Maschinenführer aus Hieflau in der Steiermark, und Anna Kößler. Die Familie übersiedelte nach Geburt und Taufe des Sohnes wieder nach Hieflau. Zum Zeitpunkt seiner Musterung beim österreichisch-ungarischen Heer im Jahr 1914 war Alfred Weissensteiner in Salzburg wohnhaft, katholisch, ledig und beherrschte neben der deutschen Sprache auch Französisch und Englisch. Weissensteiner wurde dem Infanterieregiment 59 zugeteilt und war zunächst als Offizier bei seinem Stammtruppenkörper tätig.

Im April 1916 wechselte er zu den Luftfahrtruppen und absolvierte in einem Lehrbataillon die Ausbildung zum Beobachteroffizier. Drei Monate später wurde er bei der Fliegerkompagnie 30 bei der k. u. k. 7. Armee an der Ostfront in Dienst gestellt. Kurz nach seiner Versetzung erfolgte die Beförderung zum Leutnant in der Reserve. Bei der Flik 30 erzielte er am 8. September 1916 gemeinsam mit dem Flugzeugführer Korporal Karl Semmelrock einen Luftsieg. Bei einem Fernaufklärungsflug gelang es den beiden Fliegern, einen russischen Flugapparat nach kurzen Kampfhandlungen bei Nadworna zur Notlandung zu zwingen. Dabei wurde der Beobachter des russischen Aufklärers tödlich und der Pilot schwer verletzt.

Weissensteiner blieb bis zum März 1917 bei dieser Einheit, bei der er als Beobachteroffizier weitere erfolgreiche Feindflüge verzeichnen konnte. Danach kam er für kurze Zeit zur Flik 29, ehe er am 20. Juli 1917 zur Flik 31 wechselte. Nach mehrmaligem Hin-und-Her zwischen den Fliegerkompagnien 29, 30 und 31, blieb er ab Februar 1918 nochmals für einen Monat bei der Flik 29. Als Beobachter war Leutnant in der Reserve Weissensteiner zunächst der erste Mann im Flugzeug und in seiner primären Funktion als Reihenbildner eingesetzt. Bei Aufklärungsflügen fotografierte er dabei wichtige Teile des Feindgebiets. Diese Fotos wurden zur weiteren taktischen Planung für die Infanterie und Artillerie verwendet.

Nachdem er ab März 1918 bei den Fliegerersatztruppen die Pilotenausbildung absolviert hatte, wurde er mit 23. Mai 1918 bei der Feldfliegerschule des Heeresgruppenkommandos von Boroevic zum Feldpiloten ausgebildet und kam im Juni 1918 als Feldpilot zur Fliegerkompagnie 61J, einer Jägerstaffel der Isonzoarmee. Über seinen Flugapparat, den er bei der Flik 61J flog, berichtet der Flugzeughistoriker Karl Meindl: „Am Rumpf seiner Albatros D.III hatte er das bayrische Wappen aufgemalt.“ Dies sei ein Hinweis darauf, dass er vorhatte, sich nach Kriegsende im benachbarten Bayern niederzulassen. Ob er das getan hat, wissen wir nicht. Sein weiteres Leben ist derzeit unbekannt.

Categories
Flieger gesucht

Flieger gesucht! 19

Auch im Sommer 2021 geht die Suche weiter. Von den folgenden Personen in Folge 19 gibt es nur fragmentarische Angaben, die wir noch ergänzen müssen. Wer kann uns helfen?

  • Leutnant Max Seewald, Beobachter 1918. War er ein Vorarlberger?
  • Dr. Stadelmann, aus Buch bei Bregenz. Vorname? Geburtsdatum? Was hat er mit der Fliegerei zu tun? Eventuell ist das Josef Stadelmann aus Buch. Er konnte als Arbeiter im Fliegerarsenal identifiziert werden. Daraus geht hervor, dass es sich nicht um den hier genannten Dr. Stadelmann handeln kann.
  • Flugzeugführer Korporal Franz Steidel, Jänner 1917 bei Flik 38 an der russischen Front. War er ein Tiroler?
  • Feldpilot Zugsführer Rudolf Tandler, war 1914 wohnhaft in Dornbirn. Wo ist er geboren?
  • Feldpilot Oberleutnant Rupert Terk, 1917 bei Flik 36 an der Rumänischen Front. War sicher ein Österreicher, aber war er ein Tiroler?
  • Flugzeugführer Korporal Johann Ungar, Flik 33, 1917 an der rumänischen Front. War sicher ein Österreicher. War er ein Tiroler?
  • Unterweger, Josef, Oberleutnant, Feldpilot ? Bei Veinfurter nicht verzeichnet! Eventuell geboren 1890, wohnhaft in Unterassling in Osttirol.

Wie immer freuen wir uns über Hinweise per Mail oder über das Kontaktformular!

Categories
Flieger der Woche

Hauptmann Otto Murr

von Thomas Albrich.

Hauptmann Otto Murr, geboren 1871 in Innsbruck, wurde 1893 gemustert und entschied sich für eine Berufskarriere beim Militär. 1896 wurde er beim 2. Landwehr Infanterie Regiment Linz zum „nicht aktiven“ Leutnant ernannt und legte schließlich nach 12 Jahren Dienstzeit seine Charge zurück und wurde Landesbeamter.

Nach dem Ende seiner Militärkarriere widmete er sich ab 1911 bis Kriegsbeginn 1914 der Ballonfahrt. Einige besondere Fahrten dieser Jahre bis 1914 sollen im Folgenden geschildert werden: Am 21. Oktober 1911 startete Fritz Miller um 8 Uhr mit Otto Murr und Alfred Groß zur 22. Fahrt des Ballons „Tirol“, der über Thaur in den Föhn eintauchte und innerhalb kürzester Zeit die Nordkette überquerte. Kurze Zeit später überfuhr der Ballon die 2.600 m hohe Dreizinkenspitze im Karwendel.

„In unbeschreiblicher Reinheit und Klarheit zeigt sich den Beschauern das ganze Karwendel, dahinter spannte sich in weitem Bogen die Kette der Zentralalpen […] woraus sich die markantesten Gipfel, wie Großglockner, Venediger, Olperer, die Gamskofelgruppe, Ortler und Bernina mit freiem Auge auch gut sichtbar hervorhoben.“

Der Ballon trieb genau nördlich über Bad Tölz und München und landete um 12:10 Uhr nach 130 km glatt bei Gieselshausen an der Amper. Die höchste erreichte Höhe betrug 4.300 m.

Seit März 1912 war Otto Murr bereits Vorstandsmitglied des Vereins für Luftschifffahrt in Tirol. Er schilderte eine Fahrt mit dem Ballon „Graf Zeppelin“ vom 24. Juli 1912 von Innsbruck aus unter Führung von Primar Dr. Hans Lorenz, an der er auch teilgenommen hatte: Der Start erfolgte kurz nach 6 Uhr und der Ballon überquerte den Kraxentrager in einer Höhe von 3.400 m in südlicher Richtung ins Pfunderertal in der Nähe der Dolomiten, wo der Ballon in 1.500 m Höhe unsanft landete. Mit Hilfe von Einwohnern wurde der Ballon auf drei Schlitten talauswärts transportiert.

Im April 1913 führte Fritz Miller mit Otto Murr und einem weiteren Mitfahrer mit dem Ballon „Graf Zeppelin“ von Innsbruck aus eine Nachtfahrt durch. Sie starteten um 23:20 Uhr, überquerten in der Dunkelheit die Nordkette sowie die bayerische Hochebene und fuhren bis nach Ellingen in Mittelfranken, wo sie um 9:30 Uhr vormittags nach 215 km glatt landeten.

„Nach durchgeführter Landung stieg Führeraspirant Otto Murr zur vorgeschriebenen Alleinfahrt nochmals auf und landete ebenfalls sehr glatt bei dem nahen Gunzenhausen.“

Damit hatte er seine Lehr- und Prüfungsfahrten absolviert und stand vor der Erteilung des internationalen Führerdiploms. Murr hatte also schon vor dem Weltkrieg eine Ballonfahrerkarriere gemacht und am 9. Mai 1913 als zweiter Tiroler nach Heinz von Ficker sein Ballonführerdiplom Nr. 89 erhalten. Am 28. Juni 1913 erhielt er von der Österreichischen Aeronautischen Kommission sein Führerdiplom für Kugelballone. Ein anderer Tiroler, Leutnant Max Perini, erhielt an diesem Tag seinen Pilotenschein.

Am 23. August 1913 startete der Ballon „Graf Zeppelin“ knapp nach 23 Uhr unter Führung von Fritz Miller erneut zu einer Nachtfahrt, bei der Otto Murr und Alfred Groß mitfuhren. Die Fahrt ging von Innsbruck nach Kufstein, Bad Aibling und dann in Richtung München. Nach Sonnenaufgang und Erwärmung des Gases stieg der Ballon und die Fahrtrichtung änderte sich um 90 Grad in Richtung Osten nach Wasserburg am Inn, von dort mit einer weiteren Änderung des Windes ging die Fahrt über den Chiemsee, Berchtesgaden, den Hohen Göll und das Hagengebirge und landete zwischen Bischofshofen und St. Johann, eine Viertelstunde von der Bahnlinie entfernt. Die Landung in Maschl, Ortsgemeinde St. Johann, um 11:10 Uhr ging unter Mithilfe einiger herbeigeeilter Personen glatt vonstatten. Die Ballonfahrer erzählten, dass sie landeten, weil St. Johann an der Eisenbahnstrecke liege, „mithin die Rückreise nach Innsbruck günstig schien“. Die Ballonhülle wurde nach Entleerung in die Gondel verpackt und nach Bischofshofen gebracht, „von wo auch die drei Herren nachmittags mit dem Schnellzug nach Innsbruck reisten“.

Am 2. November 1913 stieg der Ballon „Graf Zeppelin“ unter Führung von Otto Murr mit Gästen zur 5. Gratisvereinsfahrt des Jahres auf. Die Fahrt war eine schöne Überquerung der Zentralalpen in der Nähe des Großglockners und endete nach sechs Stunden in Gmünd in Kärnten. Es gab Schwierigkeiten mit der politischen Behörde „obwohl Fahrt und Landung außerhalb der Verbotszone stattfand“.

Mit dem Tage der Präsentierung am 17. Jänner 1916 wurde er als 45-Jähriger zum Landsturmleutnant ernannt. Murr war ledig, sprach außer Deutsch noch Italienisch für den Dienstgebrauch und war am 17. März 1916 bei der Ballonersatzkompagnie in Hainburg. Am 21. April 1916 wurde er zur 8. Ballon-Abteilung transferiert und im August 1916 zum Landsturmoberleutnant befördert. Murr stand vom 1. Mai 1916 bis 16. März 1917 bei den Ballonkompagnien 8 und 12 als Ballonbeobachter an der Isonzo-Front im Einsatz. Ab Jänner 1917 war er Kommandant der 12. Ballonkompagnie. Im Juli 1917 hatte Murr bereits 50 Fessel-Ballonaufstiege absolviert, davon zwei Aufstiege vor dem Feinde. Von Juli bis September 1917 führte Murr keine Aufstiege durch, da die Kompagnie in Retablierung war. Im September 1918 wurde Oberleutnant Otto Murr „im Verhältnis der Evidenz“ zum Hauptmann befördert.

Sein weiteres Leben ist derzeit unbekannt außer der Tatsache, dass Murr im Juni 1939 das Silberedelweiß des Alpenvereins für 40 Jahre Mitgliedschaft verliehen bekam.

Categories
Flieger der Woche

Feldwebel Leo Koch

von Thomas Albrich.

Feldpilot Feldwebel Leo Koch vom Infanterie-Regiment 76, war ein Deutsch-Ungar und einer derjenigen, die nach 1918 nach Tirol kamen und als „Wahltiroler“ hier lebten. Leo Koch war am 2. Jänner 1893 in Sopron an der heutigen burgenländischen Grenze geboren und erlernte nach der Volksschule das Friseurhandwerk. Nachdem er nach Kriegsbeginn seine militärische Grundausbildung gemacht hatte, wurde er in Steinamanger zum Flieger ausgebildet.

Koch kam ab April 1916 als Pilot vom Fliegerersatzbataillon zur Flik 22 bei der k.u.k. 2. Armee an der Front gegen Russland zum Einsatz. Er hatte jedoch keinen Pilotenschein!

Im Juni 1916 wurde er Feldpilot, im Juli 1916 zum Zugsführer befördert. Für seine Kühnheit als Pilot wurden ihm alle vier Tapferkeitsmedaillen zuerkannt. Die Große Silberne Tapferkeitsmedaille erhielt er für eine Waffentat bei der Brussilov-Offensive 1916, als ihm der Tank seines Flugzeuges von der feindlichen Artillerie durchschossen wurde. Im Augenblick des Einschlags schaltete er die Zündung aus und verhinderte dadurch eine Explosion. Ohne Motor steuerte er die Maschine über die feindlichen Linien während ihm dauernd Benzin ins Gesicht spritzte. Am 4. März 1917 unternahm Feldpilot Koch mit seinem Beobachteroffizier einen Feindflug über russische Stellungen in Wolhynien und geriet dabei unter stärkstes Abwehrfeuer. Trotzdem ging er tiefer, um seinem Beobachteroffizier genaue Fotos der Stellungen zu ermöglichen. Koch erlitt dabei einen Kopfschuss, steuerte das Flugzeug halb ohnmächtig über die eigenen Linien zum Flugfeld. Sein Beobachteroffizier verband noch während des Fluges seine Kopfverletzung. Koch wurde erst nach der Landung ohnmächtig. Für diese Tat wurde Koch mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Über diesen Flug vom 4. März 1917 meldete das Kriegspressequartier:

„Das in Wolhynien eingetreten bessere Flugwetter brachte eine erhöhte Flugtätigkeit mit sich, welche wieder unseren unerschrockenen Fliegern Gelegenheit zu mancher hervorragenden Tat bot. So startete unter anderen Beobachter Leutnant i. R. Stephan v. Szabo mit Feldpiloten Zugsführer Leo Koch am 4. v. M. zu einem Aufklärungsflug. Sie durchbrachen die Zone des feindlichen Abwehrfeuers und gelangten weit hinter die feindlichen Linien, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Feststellung der feindlichen Verhältnisse erforderte ein längeres Umkreisen des engeren Aufklärungsraumes. Ungeachtet des erneut einsetzenden starken feindlichen Abwehrfeuers senkte sich das Flugzeug auf geringe Höhe herab. Hiebei wurde der Feldpilot durch einen Schrapnellsplitter verwundet. Geistesgegenwärtig und hilfsbereit griff der Beobachtungsoffizier sogleich zu und überband die Wunde mit einem Taschentuch; damit bewahrte er den braven Flugzeugführer vor größerem Blutverlust. Aeußerstes Pflichtbewußtsein und kameradschaftliche Hilfsbereitschaft ermöglichten nach weiterem dreiviertelstündigem Fluge glatte Landung auf dem eigenen Flugfelde nach glänzender Erfüllung der Aufgabe.“

Im September 1917 wurde er mit der Goldene Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und Ende des Monats zu den Fliegerersatztruppen versetzt. Er kam schon im Oktober 1917 zurück zur Flik 18, wurde jedoch im Dezember 1917 endgültig zurück zu den Fliegerersatztruppen versetzt.

Im Laufe des Jahres 1918 hielt er Kriegshochzeit, bei der zehn Kameraden Blumen auf das Dorf warfen, wo die Trauung stattfand. Im Sommer 1918 übte Koch eine neue fliegerische Tätigkeit als Postflieger auf der Strecke Wien – Krakau aus, die nicht immer glatt ablief.

1919 übersiedelte Koch mit seiner Familie nach Innsbruck, wo er zuerst als Geselle und ab 1929 als Friseurmeister tätig war. Sein Geschäft befand sich in der Amraserstraße 34.

Am 10. Oktober 1929 fand eine erste Ehrung der Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille am Bergisel in Innsbruck statt, der im Rahmen einer Feier im Bahnhofsrestaurant die Konstituierung des „Ringes Tirol“ folgte. Unter den angeführten Mitgliedern waren Leo Koch und Eugen Zebisch, damals Reutte, die einzigen Flieger. Koch engagierte sich im „Ring der Goldenen Tapferkeitsmedaille“ in Tirol und wurde von 1931 bis zum „Anschluss“ 1938 immer wieder in den Vorstand gewählt.

Während des Zweiten Weltkriegs diente Koch als Leutnant der Landwehr in Klagenfurt. Sein gleichnamiger Sohn, der Gefreite Leo Koch aus Innsbruck, „Sohn des im Weltkrieg mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichneten Fliegers Leo Koch“, wurde „für tapferes Verhalten vor dem Feinde in Frankreich mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet“. Vater Leo Koch beging am 1. Jänner 1948 Selbstmord und wurde im städtischen Westfriedhof in Innsbruck begraben.

Categories
Flieger gesucht

Flieger gesucht! 18

Folge 18 der Serie. Von folgenden Personen gibt es nur fragmentarische Angaben, die wir noch ergänzen müssen. Wer kennt diese Flieger?

  • Rohregger, Max, 6.3.1898, Bozen; kein Pilotenschein! Nicht bei Veinfurter!
  • Korporal Johann Rotter, Flugzeugführer bei Flik 33 im Oktober 1916. War er ein Tiroler?
  • Korporal Karl Rotter, Flugzeugführer 1917. War er ein Tiroler?
  • Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Albert Scharner, Flik 33, 1917 an der rumänischen Front. War sicher ein Österreicher. War er ein Tiroler?
  • Feldwebel Feldpilot Karl Sailer, Flik 35, am 14.7.1917 abgeschossen, tot. War er ein Tiroler?
  • Feldpilot Hauptmann Franz Schorn, Infanterie-Regiment 54, diente in der Flik 7, 12, 23 und 105G. Wird im April 1920 in den Innsbrucker Nachrichten als „Alpenflieger“ bezeichnet mit Einsätzen am Tonale-Pass. War er ein Tiroler?
  • Beobachteroffizier (?) Hermann Schweigl, 18.8.1891, Rietz; [Schwaigl] maturierte 1911 am Vinzentinum in Brixen, Kadett in der Reserve, im November 1914 verwundet. „Für tapferes Verhalten vor dem Feinde“ Leutnant Hermann Schweigl vom 3. Tiroler Kaiserjägerregiment im Februar 1916 die „Allerhöchste belobende Anerkennung“. Im „Maiavancement“ 1917 wurde Schweigl zum Oberleutnant befördert.Wurde sechsmal schwer verwundet und operiert. Kein Pilotenschein! Nicht bei Veinfurter! War nach 1918 wieder Student an der Universität Innsbruck und ist dort am 18. Dezember 1920 zum Doktor der Rechte promoviert worden. War in der Zwischenkriegszeit, in NS-Zeit und in der Zweiten Republik Richter in Innsbruck. Ab 1949 Landesgerichtspräsident. Hat er als Beobachter bei den Luftfahrtruppen gedient?