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Flieger der Woche

Leutnant Alfred Weissensteiner

von Stefan Stachniß

Alfred Weissensteiner wurde am 16. Juni 1893 in Bludenz geboren. Seine Eltern waren Karl Weissensteiner, ein Maschinenführer aus Hieflau in der Steiermark, und Anna Kößler. Die Familie übersiedelte nach Geburt und Taufe des Sohnes wieder nach Hieflau. Zum Zeitpunkt seiner Musterung beim österreichisch-ungarischen Heer im Jahr 1914 war Alfred Weissensteiner in Salzburg wohnhaft, katholisch, ledig und beherrschte neben der deutschen Sprache auch Französisch und Englisch. Weissensteiner wurde dem Infanterieregiment 59 zugeteilt und war zunächst als Offizier bei seinem Stammtruppenkörper tätig.

Im April 1916 wechselte er zu den Luftfahrtruppen und absolvierte in einem Lehrbataillon die Ausbildung zum Beobachteroffizier. Drei Monate später wurde er bei der Fliegerkompagnie 30 bei der k. u. k. 7. Armee an der Ostfront in Dienst gestellt. Kurz nach seiner Versetzung erfolgte die Beförderung zum Leutnant in der Reserve. Bei der Flik 30 erzielte er am 8. September 1916 gemeinsam mit dem Flugzeugführer Korporal Karl Semmelrock einen Luftsieg. Bei einem Fernaufklärungsflug gelang es den beiden Fliegern, einen russischen Flugapparat nach kurzen Kampfhandlungen bei Nadworna zur Notlandung zu zwingen. Dabei wurde der Beobachter des russischen Aufklärers tödlich und der Pilot schwer verletzt.

Weissensteiner blieb bis zum März 1917 bei dieser Einheit, bei der er als Beobachteroffizier weitere erfolgreiche Feindflüge verzeichnen konnte. Danach kam er für kurze Zeit zur Flik 29, ehe er am 20. Juli 1917 zur Flik 31 wechselte. Nach mehrmaligem Hin-und-Her zwischen den Fliegerkompagnien 29, 30 und 31, blieb er ab Februar 1918 nochmals für einen Monat bei der Flik 29. Als Beobachter war Leutnant in der Reserve Weissensteiner zunächst der erste Mann im Flugzeug und in seiner primären Funktion als Reihenbildner eingesetzt. Bei Aufklärungsflügen fotografierte er dabei wichtige Teile des Feindgebiets. Diese Fotos wurden zur weiteren taktischen Planung für die Infanterie und Artillerie verwendet.

Nachdem er ab März 1918 bei den Fliegerersatztruppen die Pilotenausbildung absolviert hatte, wurde er mit 23. Mai 1918 bei der Feldfliegerschule des Heeresgruppenkommandos von Boroevic zum Feldpiloten ausgebildet und kam im Juni 1918 als Feldpilot zur Fliegerkompagnie 61J, einer Jägerstaffel der Isonzoarmee. Über seinen Flugapparat, den er bei der Flik 61J flog, berichtet der Flugzeughistoriker Karl Meindl: „Am Rumpf seiner Albatros D.III hatte er das bayrische Wappen aufgemalt.“ Dies sei ein Hinweis darauf, dass er vorhatte, sich nach Kriegsende im benachbarten Bayern niederzulassen. Ob er das getan hat, wissen wir nicht. Sein weiteres Leben ist derzeit unbekannt.

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Flieger der Woche

Hauptmann Otto Murr

von Thomas Albrich.

Hauptmann Otto Murr, geboren 1871 in Innsbruck, wurde 1893 gemustert und entschied sich für eine Berufskarriere beim Militär. 1896 wurde er beim 2. Landwehr Infanterie Regiment Linz zum „nicht aktiven“ Leutnant ernannt und legte schließlich nach 12 Jahren Dienstzeit seine Charge zurück und wurde Landesbeamter.

Nach dem Ende seiner Militärkarriere widmete er sich ab 1911 bis Kriegsbeginn 1914 der Ballonfahrt. Einige besondere Fahrten dieser Jahre bis 1914 sollen im Folgenden geschildert werden: Am 21. Oktober 1911 startete Fritz Miller um 8 Uhr mit Otto Murr und Alfred Groß zur 22. Fahrt des Ballons „Tirol“, der über Thaur in den Föhn eintauchte und innerhalb kürzester Zeit die Nordkette überquerte. Kurze Zeit später überfuhr der Ballon die 2.600 m hohe Dreizinkenspitze im Karwendel.

„In unbeschreiblicher Reinheit und Klarheit zeigt sich den Beschauern das ganze Karwendel, dahinter spannte sich in weitem Bogen die Kette der Zentralalpen […] woraus sich die markantesten Gipfel, wie Großglockner, Venediger, Olperer, die Gamskofelgruppe, Ortler und Bernina mit freiem Auge auch gut sichtbar hervorhoben.“

Der Ballon trieb genau nördlich über Bad Tölz und München und landete um 12:10 Uhr nach 130 km glatt bei Gieselshausen an der Amper. Die höchste erreichte Höhe betrug 4.300 m.

Seit März 1912 war Otto Murr bereits Vorstandsmitglied des Vereins für Luftschifffahrt in Tirol. Er schilderte eine Fahrt mit dem Ballon „Graf Zeppelin“ vom 24. Juli 1912 von Innsbruck aus unter Führung von Primar Dr. Hans Lorenz, an der er auch teilgenommen hatte: Der Start erfolgte kurz nach 6 Uhr und der Ballon überquerte den Kraxentrager in einer Höhe von 3.400 m in südlicher Richtung ins Pfunderertal in der Nähe der Dolomiten, wo der Ballon in 1.500 m Höhe unsanft landete. Mit Hilfe von Einwohnern wurde der Ballon auf drei Schlitten talauswärts transportiert.

Im April 1913 führte Fritz Miller mit Otto Murr und einem weiteren Mitfahrer mit dem Ballon „Graf Zeppelin“ von Innsbruck aus eine Nachtfahrt durch. Sie starteten um 23:20 Uhr, überquerten in der Dunkelheit die Nordkette sowie die bayerische Hochebene und fuhren bis nach Ellingen in Mittelfranken, wo sie um 9:30 Uhr vormittags nach 215 km glatt landeten.

„Nach durchgeführter Landung stieg Führeraspirant Otto Murr zur vorgeschriebenen Alleinfahrt nochmals auf und landete ebenfalls sehr glatt bei dem nahen Gunzenhausen.“

Damit hatte er seine Lehr- und Prüfungsfahrten absolviert und stand vor der Erteilung des internationalen Führerdiploms. Murr hatte also schon vor dem Weltkrieg eine Ballonfahrerkarriere gemacht und am 9. Mai 1913 als zweiter Tiroler nach Heinz von Ficker sein Ballonführerdiplom Nr. 89 erhalten. Am 28. Juni 1913 erhielt er von der Österreichischen Aeronautischen Kommission sein Führerdiplom für Kugelballone. Ein anderer Tiroler, Leutnant Max Perini, erhielt an diesem Tag seinen Pilotenschein.

Am 23. August 1913 startete der Ballon „Graf Zeppelin“ knapp nach 23 Uhr unter Führung von Fritz Miller erneut zu einer Nachtfahrt, bei der Otto Murr und Alfred Groß mitfuhren. Die Fahrt ging von Innsbruck nach Kufstein, Bad Aibling und dann in Richtung München. Nach Sonnenaufgang und Erwärmung des Gases stieg der Ballon und die Fahrtrichtung änderte sich um 90 Grad in Richtung Osten nach Wasserburg am Inn, von dort mit einer weiteren Änderung des Windes ging die Fahrt über den Chiemsee, Berchtesgaden, den Hohen Göll und das Hagengebirge und landete zwischen Bischofshofen und St. Johann, eine Viertelstunde von der Bahnlinie entfernt. Die Landung in Maschl, Ortsgemeinde St. Johann, um 11:10 Uhr ging unter Mithilfe einiger herbeigeeilter Personen glatt vonstatten. Die Ballonfahrer erzählten, dass sie landeten, weil St. Johann an der Eisenbahnstrecke liege, „mithin die Rückreise nach Innsbruck günstig schien“. Die Ballonhülle wurde nach Entleerung in die Gondel verpackt und nach Bischofshofen gebracht, „von wo auch die drei Herren nachmittags mit dem Schnellzug nach Innsbruck reisten“.

Am 2. November 1913 stieg der Ballon „Graf Zeppelin“ unter Führung von Otto Murr mit Gästen zur 5. Gratisvereinsfahrt des Jahres auf. Die Fahrt war eine schöne Überquerung der Zentralalpen in der Nähe des Großglockners und endete nach sechs Stunden in Gmünd in Kärnten. Es gab Schwierigkeiten mit der politischen Behörde „obwohl Fahrt und Landung außerhalb der Verbotszone stattfand“.

Mit dem Tage der Präsentierung am 17. Jänner 1916 wurde er als 45-Jähriger zum Landsturmleutnant ernannt. Murr war ledig, sprach außer Deutsch noch Italienisch für den Dienstgebrauch und war am 17. März 1916 bei der Ballonersatzkompagnie in Hainburg. Am 21. April 1916 wurde er zur 8. Ballon-Abteilung transferiert und im August 1916 zum Landsturmoberleutnant befördert. Murr stand vom 1. Mai 1916 bis 16. März 1917 bei den Ballonkompagnien 8 und 12 als Ballonbeobachter an der Isonzo-Front im Einsatz. Ab Jänner 1917 war er Kommandant der 12. Ballonkompagnie. Im Juli 1917 hatte Murr bereits 50 Fessel-Ballonaufstiege absolviert, davon zwei Aufstiege vor dem Feinde. Von Juli bis September 1917 führte Murr keine Aufstiege durch, da die Kompagnie in Retablierung war. Im September 1918 wurde Oberleutnant Otto Murr „im Verhältnis der Evidenz“ zum Hauptmann befördert.

Sein weiteres Leben ist derzeit unbekannt außer der Tatsache, dass Murr im Juni 1939 das Silberedelweiß des Alpenvereins für 40 Jahre Mitgliedschaft verliehen bekam.

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Flieger der Woche

Feldwebel Leo Koch

von Thomas Albrich.

Feldpilot Feldwebel Leo Koch vom Infanterie-Regiment 76, war ein Deutsch-Ungar und einer derjenigen, die nach 1918 nach Tirol kamen und als „Wahltiroler“ hier lebten. Leo Koch war am 2. Jänner 1893 in Sopron an der heutigen burgenländischen Grenze geboren und erlernte nach der Volksschule das Friseurhandwerk. Nachdem er nach Kriegsbeginn seine militärische Grundausbildung gemacht hatte, wurde er in Steinamanger zum Flieger ausgebildet.

Koch kam ab April 1916 als Pilot vom Fliegerersatzbataillon zur Flik 22 bei der k.u.k. 2. Armee an der Front gegen Russland zum Einsatz. Er hatte jedoch keinen Pilotenschein!

Im Juni 1916 wurde er Feldpilot, im Juli 1916 zum Zugsführer befördert. Für seine Kühnheit als Pilot wurden ihm alle vier Tapferkeitsmedaillen zuerkannt. Die Große Silberne Tapferkeitsmedaille erhielt er für eine Waffentat bei der Brussilov-Offensive 1916, als ihm der Tank seines Flugzeuges von der feindlichen Artillerie durchschossen wurde. Im Augenblick des Einschlags schaltete er die Zündung aus und verhinderte dadurch eine Explosion. Ohne Motor steuerte er die Maschine über die feindlichen Linien während ihm dauernd Benzin ins Gesicht spritzte. Am 4. März 1917 unternahm Feldpilot Koch mit seinem Beobachteroffizier einen Feindflug über russische Stellungen in Wolhynien und geriet dabei unter stärkstes Abwehrfeuer. Trotzdem ging er tiefer, um seinem Beobachteroffizier genaue Fotos der Stellungen zu ermöglichen. Koch erlitt dabei einen Kopfschuss, steuerte das Flugzeug halb ohnmächtig über die eigenen Linien zum Flugfeld. Sein Beobachteroffizier verband noch während des Fluges seine Kopfverletzung. Koch wurde erst nach der Landung ohnmächtig. Für diese Tat wurde Koch mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Über diesen Flug vom 4. März 1917 meldete das Kriegspressequartier:

„Das in Wolhynien eingetreten bessere Flugwetter brachte eine erhöhte Flugtätigkeit mit sich, welche wieder unseren unerschrockenen Fliegern Gelegenheit zu mancher hervorragenden Tat bot. So startete unter anderen Beobachter Leutnant i. R. Stephan v. Szabo mit Feldpiloten Zugsführer Leo Koch am 4. v. M. zu einem Aufklärungsflug. Sie durchbrachen die Zone des feindlichen Abwehrfeuers und gelangten weit hinter die feindlichen Linien, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Feststellung der feindlichen Verhältnisse erforderte ein längeres Umkreisen des engeren Aufklärungsraumes. Ungeachtet des erneut einsetzenden starken feindlichen Abwehrfeuers senkte sich das Flugzeug auf geringe Höhe herab. Hiebei wurde der Feldpilot durch einen Schrapnellsplitter verwundet. Geistesgegenwärtig und hilfsbereit griff der Beobachtungsoffizier sogleich zu und überband die Wunde mit einem Taschentuch; damit bewahrte er den braven Flugzeugführer vor größerem Blutverlust. Aeußerstes Pflichtbewußtsein und kameradschaftliche Hilfsbereitschaft ermöglichten nach weiterem dreiviertelstündigem Fluge glatte Landung auf dem eigenen Flugfelde nach glänzender Erfüllung der Aufgabe.“

Im September 1917 wurde er mit der Goldene Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und Ende des Monats zu den Fliegerersatztruppen versetzt. Er kam schon im Oktober 1917 zurück zur Flik 18, wurde jedoch im Dezember 1917 endgültig zurück zu den Fliegerersatztruppen versetzt.

Im Laufe des Jahres 1918 hielt er Kriegshochzeit, bei der zehn Kameraden Blumen auf das Dorf warfen, wo die Trauung stattfand. Im Sommer 1918 übte Koch eine neue fliegerische Tätigkeit als Postflieger auf der Strecke Wien – Krakau aus, die nicht immer glatt ablief.

1919 übersiedelte Koch mit seiner Familie nach Innsbruck, wo er zuerst als Geselle und ab 1929 als Friseurmeister tätig war. Sein Geschäft befand sich in der Amraserstraße 34.

Am 10. Oktober 1929 fand eine erste Ehrung der Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille am Bergisel in Innsbruck statt, der im Rahmen einer Feier im Bahnhofsrestaurant die Konstituierung des „Ringes Tirol“ folgte. Unter den angeführten Mitgliedern waren Leo Koch und Eugen Zebisch, damals Reutte, die einzigen Flieger. Koch engagierte sich im „Ring der Goldenen Tapferkeitsmedaille“ in Tirol und wurde von 1931 bis zum „Anschluss“ 1938 immer wieder in den Vorstand gewählt.

Während des Zweiten Weltkriegs diente Koch als Leutnant der Landwehr in Klagenfurt. Sein gleichnamiger Sohn, der Gefreite Leo Koch aus Innsbruck, „Sohn des im Weltkrieg mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichneten Fliegers Leo Koch“, wurde „für tapferes Verhalten vor dem Feinde in Frankreich mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet“. Vater Leo Koch beging am 1. Jänner 1948 Selbstmord und wurde im städtischen Westfriedhof in Innsbruck begraben.

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Leutnant Otto Frena

Otto Frena kam am 31. März 1895 in Kufstein zur Welt. Seine Eltern waren der aus Südtirol stammende Steueradjunkt Nikolaus Frena und dessen Ehefrau Maria, geborene Schrenk. Otto Frena absolvierte das Brixener Gymnasium und begann im Herbst 1914 das Medizinstudium in Innsbruck, das er kriegsbedingt schon bald unterbrechen musste.

Am 13. März 1915 wurde Frena als Einjährig-Freiwilliger im Sanitätsfrontdienst zum 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger eingeteilt. Mit dem 3. Regiment kam er an die Südfront und erhielt dort für seinen Dienst einige Auszeichnungen. So etwa im Juli 1916 das Goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille.

Anfang März 1917 wurde er zur Flosch nach Wiener Neustadt kommandiert und dort zum Beobachter ausgebildet. Nach absolvierter Ausbildung wurde Frena im Mai zur Fliegerkompagnie 36 eingeteilt, die an der Rumänienfront stationiert war. Auf eigenen Wunsch kam er schon im Monat darauf zur Flik 11 an die Italienfront. Im November wurde er zum Leutnant in der Reserve befördert. Bei der Flik 11 blieb er bis Februar 1918, als er zur neuaufgestellten Artilleriefliegerlehrkompagnie transferierte. Dort blieb er wohl bis Mai, ehe er im Juni für wenige Wochen als Pilotenschüler zur Flik 35 transferiert wurde und dort vermutlich vier Flüge absolvierte. Dann folgte eine weitere kurze Zwischenstation – erneut nur einige Wochen – bei der Flik 32. Am 8. Juli wurde Frena zu den Fliegerersatztruppen kommandiert.

Sofort nach Kriegsende setzte er sein Studium in Innsbruck fort und promovierte 1921. Nach zwei Zwischenstationen als Assistenzarzt eröffnete er 1923 eine eigene Praxis im oberösterreichischen Mondsee. Einige Jahre darauf wurde er dort auch Gemeindearzt und Leiter des örtlichen Spitals. Frena heiratete die aus Prag stammende Emeline Kletetschka und hatte mit ihr drei Kinder Robert, Klaus und Annemarie.

Sein Sohn Robert starb Ende 1944 an der Westfront. Laut Todesanzeige war er Nationalsozialist (Parteigenosse). Offenbar war auch Otto Frena selbst ein Nationalsozialist, möglicherweise auch in höherer Funktion. Nach einer Angabe in einem biografischen Lexikon wurde er nach der Befreiung Österreichs bis 1947 im Lager Glasenbach, gemeinsam mit anderen belasteten Nationalsozialisten, interniert. Er führte anschließend wieder seine Praxis in Mondsee und wurde in verschiedenen umliegenden Orten als Gemeindearzt tätig. Allerdings verstarb er bereits im Dezember 1949 in seinem 54. Lebensjahr.

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Flieger der Woche

Leutnant Max Valier

von Thomas Albrich.

Der Bozner Max Valier hat mit der Entdeckung des Rückstoßprinzips der Raumfahrt den Weg geebnet. Vor seiner Raketenkarriere diente Valier in unterschiedlichen Funktionen bei den k.u.k. Luftfahrtruppen, zuletzt als Beobachteroffizier bei der Flugerprobung.

Max Valier in seinem Raketenwagen um 1930 (Bundesarchiv)

Geboren wurde Max Valier am 9. Februar 1895 in Bozen am Pfarrplatz 21. Sein Vater, Edmund Valier, war ein Wiener Konditor, seine Mutter Olga Wachtler eine Boznerin. Nach dem Tod seines Vaters heiratete seine Mutter erneut und schien 1917 als Olga Penneberg Valier, wohnhaft Poststraße 4 in Bozen auf.

Um 1910 besuchte Valier die Franziskanerschule in Bozen. Der Physikunterricht beflügelte ihn. Für die Schulzeitung Mentor und für das Tiroler Volksblatt schrieb er schon als Schüler Beiträge über Astronomie. Mit dem dabei verdienten Geld kauft er sich Astronomiebücher. Auch arbeitete er in der Freizeit bei einem Feinmechaniker, wo er handwerkliches Können erwarb, um seine Instrumente und Modelle selbst zu bauen.

1913 inskribiert er Astronomie, Physik, Mathematik und Meteorologie an der Universität Innsbruck und verbrachte viele Nächte in der Innsbrucker Sternwarte. Sein Ziel war der Mond und weniger die Raumfahrt als solche. Im Sommersemester 1914 war Max Valier Säckelwart des Akademischen Vereins der Mathematiker in Innsbruck. Am 13. November 1914 hielt er bei der ersten Versammlung des Studienjahres des Akademischen Vereins der Mathematiker im Hotel Viktoria am Bahnhofplatze in Innsbruck einen Vortrag über „Die Entwicklung der Astrophotographie und ihre modernen Leistungen“ mit 80 Lichtbildern. Valier wurde auch zum Schriftführer und Bibliothekar gewählt. Am 3. Dezember 1914 erschien ein einspaltiger Artikel, gezeichnet von Max Valier als Astronomiestudent, in den Innsbrucker Nachrichten unter dem Titel „Das Erdbeben“ über ein Erdbeben in Innsbruck am Abend des 30. November 1914.

In der Landeshauptstadt wohnte er bei seinem Onkel und Taufpaten, dem Innsbrucker Gemeinderat Gotthard Valier in der Maximilianstraße 27, der wie sein Vater Konditor war. Dieser finanziert ihm auch das Studium und nahm ihn immer wieder unter seine schützenden Fittiche, wenn Max negativ auffiel. 1914 brachte Max Valier beispielsweise ein kleines Modellflugzeug mit drei Feuerwerkraketen zum Fliegen, wodurch er mit der Polizei wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ Schwierigkeiten bekam. Sein Onkel rettete ihn vor einer Anzeige. Heute noch gibt es die Innsbrucker Valier-Linie, noch immer eine Konditorenfamilie.

1915 rückte Valier in das österreichisch-ungarische Heer in den Krieg ein. Seine Stammtruppe war das Kaiserschützenregiment II Bozen. Sein wissenschaftliches Interesse am Weltraum wurde auch durch den Krieg nicht gebremst. Ein Aufruf in den Innsbrucker Nachrichten vom 1. Mai 1916 beweist das:

„Am 11. April 1916 um 8:40 Uhr abends erschien über Bozen ein Meteor von der vielfachen Helligkeit der Venus, strahlend in gelblichem Lichte, und beschrieb drei bis vier Sekunden einen Bogen am Himmel von dem Stern Eta gegen Delta der Jungfrau. Das Ende der Erscheinung konnte hier nicht beobachtet werden, da der Bolide hinter den Bergen verschwand. Könnten ähnlich genaue Angaben von der Bahn des Meteors (von welchem Stern zu welchem) aus Nordtirol erlangt werden, so könnte die Bahn dieser seltenen Erscheinung noch nachträglich berechnet und somit der Wissenschaft ein Dienst geleistet werden. Wir bitten diesbezügliche Notizen an Max Valier, Astronom in Bozen, gelangen lassen zu wollen.“

Ende 1916 war Valier als Sappeur-Kadett-Aspirant an der Front, als sein „neues Sternbüchlein für jedermann“ im Verlag „Natur und Kultur“ in München erschien, in welchem sich „der Bozner Astronom Max Valier“, so ein Rezensent im Tiroler Anzeiger, „wieder als Meister in der populären Darstellung erweist, welche wissenschaftliche Gediegenheit mit leichter Verständlichkeit verbindet“.

Auch seine Raketenforschungen gab er nicht ganz auf und erläuterte dem Kriegsministerium auf dem Postweg seine Pläne. Das Kriegsende kam aber schneller als eine Antwort. In Briefen an seinen Onkel beschrieb Max Valier hingegen die Gräuel der Kriegsgewalt und seine wechselvollen Gemütszustände. Am 1. Februar 1917 wurde er Leutnant.

Am 14. April 1917 wechselte Valier zum Feldwetterdienst als Hilfsbeobachter bei der Feldwetterstation 17 (Fewesta 17) beim XXI. Korps in Györ, San Miclos in Siebenbürgen. Am 25. Jänner 1918 erfolgte seine dauernde Kommandierung zu den Luftfahrtruppen bei Belassung in seiner damaligen Einteilung bei der Fewesta 17. Valier hatte aber weiterhin Zeit, sich seinen Visionen zu widmen: Am 2. April 1918 beschrieb er in einem längeren Artikel über „Das Flugwesen nach dem Kriege in Tirol“, der im Allgemeinen Tiroler Anzeiger erschien, seine Gedanken zur Zukunft der friedlichen Luftfahrt im Alpenraum.

Am 16. August 1918 wurde er zur Teilnahme am technischen Kurs am Fliegerarsenal nach Wien kommandiert. Kurz vor Kriegsende stürzte sein Flugzeug in Aspern aus rund 3000 Metern ab, wie verschiedene Zeitungen, so auch der Bozner Tiroler, berichteten:

„Fliegerleutnant Max Valier aus Bozen wäre bald das Todesopfer eines schweren Fliegerunfalles geworden. Leutnant Valier war am 27. September 1918 um 7 Uhr früh vom Flugfelde Aspern zu einem Höhenflug auf 4000 Meter aufgestiegen. Eben im Begriff umzukehren, geriet durch einen Motordefekt das Flugzeug ins Stürzen und das Motoröl in Brand. Dank der Geistesgegenwart beider Männer, welche sofort Benzin, Oel und Motor abstellten, erlosch bei der rasenden Geschwindigkeit mangels weiterer Nahrung der Brand in 2500 Meter Höhe. Den Fliegern gelang es, den senkrecht kopfüber erdwärts stürzenden Apparat wieder in ihre Gewalt zu bekommen, so daß der Apparat wenigstens nur steilschräg, freilich in voller Wucht in einen Krautacker hineinkrachte. Als die Rettungsmannschaft kam, hatte sich Leutnant Valier schon selbst unter den Trümmern des Flugzeuges herausgearbeitet. Er kam nicht nur mit dem Leben davon, sondern sogar ohne Bruch und äußere Verletzungen. Auch der Pilot lebt.“

Die Innsbrucker Nachrichten schrieben abschließend zu diesem „Versuchshöhenflug“:

„Wohl noch nie ist ein solch fürchterlicher Todessturz aus solcher Höhe so glücklich ausgegangen.“

Sofort nach Kriegsende begann Valier wieder mit seiner Vortragstätigkeit. Am 23. Dezember 1918 hielt „Fliegerleutnant Max Valier“ im Zentralkino in Innsbruck einen Lichtbildervortrag über das Flugwesen.

Seine Nachkriegskarriere in Deutschland machten Max Valier berühmt. Sein Lebenstraum war der Bau einer Rakete, die Menschen ins Weltall gebracht hätte. Er blieb diesem Traum 35 Jahre lang treu. Am 5. Dezember 1926 war ein Portraitfoto von Max Valier auf dem Titelblatt der Zeitschrift Die Stunde, unterschrieben mit: „Die Reise zum Mond will Max Valier, der bekannte Münchner Flieger, Schriftsteller und Astronom, mit der vielfach umstrittenen Mondrakete antreten.“ Gestorben ist Valier in Berlin am 17. Mai 1930, als an seinem Raketenwagen eine Brennkammer explodierte.

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Oberleutnant Johann Martin Luger

von Stefan Stachniß.

Johann Martin Luger wurde am 20. September 1889 als Sohn des Steinmetzes Franz Josef Luger aus Dornbirn und der Magdalena Kaufmann geboren. Luger besuchte sechs Klassen der Volksschule und sieben Klassen an der Realschule in Dornbirn. Er absolvierte die Matura mit Auszeichnung und begann ein Ingenieursstudium an der technischen Hochschule in Wien, wo er die 1. Staatsprüfung erfolgreich ablegte.

Im Jahr 1910 wurde Luger gemustert. Zu diesem Zeitpunkt hatte er braunes Haar, grüne Augen, ein rundes Gesicht und war 1,64 Meter groß. Anlässlich seiner Musterung meldete er sich zum einjährig-freiwilligen Dienst und wurde der 9. Feldkompanie des 4. Tiroler Kaiserjägerregiments zugewiesen. Am 11. Juni 1912 wurde er im Einvernehmen mit dem 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger und der 9. Feldkompanie zum Festungsartillerieregiment Nr. 5 transferiert. Vermutlich wegen des Studiums ließ er sich zunächst beurlauben und begann seinen Dienst als Kanonier erst am 7. Oktober 1912. Am 30. September 1913 wurde er zum Feuerwerker befördert und am 1. Januar 1914 zum Kadett in der Reserve.

Kurz nach Kriegsbeginn, am 2. August 1914, wurde Johann Luger zur aktiven Dienstleistung eingezogen, am 20. Dezember 1914 zum Fähnrich in der Reserve und am 1. Mai 1915 zum Leutnant in der Reserve befördert. Sein tapferes Verhalten im Frontdienst wurde im Juni 1916 mit der allerhöchsten belobenden Anerkennung gewürdigt.

Am 27. November 1916 erhielt Luger den Befehl, sich bei den Luftfahrtruppen zur Ausbildung zum Beobachter in der Fliegeroffiziersschule zu melden. Luger absolvierte diese erfolgreich und kam am 28. Februar 1917 zur Fliegerkompanie 29. Zugleich erhielt er die Berechtigung, die bronzene Militärverdienstmedaille mit Schwertern am Bande zu tragen. Am 1. Mai 1917 wurde er zum Oberleutnant befördert und kurz darauf zur Fliegerkompagnie 1 bei der k.u.k. 7. Armee an die Karpatenfront versetzt. Bei einem Aufklärungsflug am Vormittag des 30. Juni 1917 erzielte der Dornbirner mit seinem Feldpiloten Zugsführer Johann Leitner seinen einzigen Luftsieg. Die beiden gerieten während eines Artillerieaufklärungsfluges mit ihrer Hansa-Brandenburg C.I (69.71) in eine Kampfhandlung mit drei feindlichen Flugzeugen. Ein russischer Nieuport zog nach kurzem Schusswechsel ab. Ein weiterer Nieuportapparat und ein Rumpfdoppeldecker verblieben im Luftkampf mit dem österreichisch-ungarischen Flugzeug. Obwohl die russischen Flugzeuge keineswegs unkoordiniert agierten, gelang es Luger und seinem Feldpiloten immer wieder gezielte Schüsse auf die Feinde abzugeben. Eines der russischen Flugzeuge, ein SPAD A-2, musste unweit der Kirche von Valeputna in der südlichen Bukowina kampfunfähig notlanden. Der feindliche Pilot blieb unverletzt, während der Beobachter leichte Verletzungen davontrug. Das bereits beschädigte russische Flugzeug wurde von österreichisch-ungarischen Fronttruppen zerstört und der Luftsieg durch Meldungen der Artillerie und Infanterie sowie der k. u. k. 7. Armee bestätigt. Luger wurde dafür im August 1917 das Luftfahrerabzeichen für die Dauer eines Jahres und im September das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern verliehen. Am 19. Dezember 1917 wurde er von der Flik 1 als technischer Offizier zum 7. Armeekorps kommandiert. Dort verlieh man ihm weitere Auszeichnungen, unter anderem den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern sowie das Karl-Truppenkreuz. Letzteres erhielt er aufgrund von 33 erfolgreichen Feindflügen bei der Fliegerkompagnie 1. Der entsprechende Antrag wurde bereits im September 1917 eingereicht. Es kann angenommen werden, dass er weitere Feindflüge absolvierte, die Versetzung als Beobachter zur Bomberkompanie 103G erfolgte aber offenbar pro forma bzw. nur kurzzeitig, da er den Dienst gar nicht erst antrat. Luger wurde dann dem 6. Armeekorps in Vittorio zugewiesen, wo er ab dem 21. Juli 1918 bis Kriegsende als technischer Referent abseits der Front verblieb.

Nach dem Krieg war Luger als Ingenieur tätig und in Dornbirn ansässig. Am 28. Jänner 1931 heiratete er Augusta Pecksieder, mit der er 1938 eine Tochter bekam. Bereits vor dem „Anschluss“ im März 1938 war Luger in der illegalen NSDAP aktiv. Als Leiter des Volkspolitischen Referats in der Vaterländischen Front fungierte er als Verbindungsmann zwischen dem austrofaschistischen Regime und den Nationalsozialisten. Bis 1940 war er anschließend nationalsozialistischer Landesrat für Bauwesen in Vorarlberg. Bei Kriegsende übergab er gemeinsam mit Eduard Ulmer die Stadt Dornbirn an die einmarschierenden französischen Besatzungstruppen. Johann Martin Luger starb am 16. Juli 1953 in Bregenz.

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Fähnrich Ernst Pontalti

von Thomas Albrich.

Fähnrich in der Reserve Ernst Pontalti, geboren am 27. Jänner 1896 in Meran, war der Sohn von Franz Pontalti und Elise (Elisabeth), geborene Weitgruber. Im Alter von einem Jahr übersiedelte die Familie nach Innsbruck. Sein Vater Franz Pontalti, Postunterbeamter in Innsbruck, wurde im April 1910 im Alter von 50 Jahren in den dauernden Ruhestand übernommen. Er starb am 9. Juni 1921 im Alter von 61 Jahren in Innsbruck.

Ernst Pontalti – Porträt von Hans Zötsch

Nach der Volksschule und dem Gymnasium in Innsbruck begann Ernst Pontalti das Lehramtsstudium in Innsbruck, das er jedoch nicht vollendete, da er bereits am 3. August 1914 freiwillig zum 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger einrückte und seine militärische Grundausbildung in Innsbruck absolvierte. Danach kam er nach Galizien, wo er seine ersten Kampferfahrungen machte und seine ersten Auszeichnungen bekam. Nach dem Kriegsbeginn mit Italien im Mai 1915 wurde sein Regiment an die neue Front verlegt, wo er zuerst am Isonzo, dann auf dem Pasubio eingesetzt war, wo er sich 1916 in kurzen Abständen die kleine und große Silberne Tapferkeitsmedaille verdiente. Auch sein älterer Bruder, Fähnrich in der Reserve Franz Pontalti jun., diente im 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger.

Anfang 1918 absolvierte er seine Pilotenausbildung bei der Fliegerersatzkompagnie in der Feldfliegerschule des Heeresgruppenkommandos (H.G.K.) Feldmarschall (FM) v. Boroevic. Seinen Pilotenschein Nr. 2027 datiert vom 29. März 1918. Am 1. April 1918 erfolgte seine Ernennung zum Fähnrich. Fähnrich Pontalti hatte angeblich bereits zehn Feindflüge hinter sich gebracht und zwei Luftkämpfe bestritten, als er am 12. Mai 1918 von der Fliegerersatztruppe als Offizierspilot zur legendären Flik 51J stieß, der Jagdstaffel der Fliegerasse. Hier dienten Piloten wie Benno Fiala von Fernbrugg, Franz Rudorfer oder Eugen Böntsch.

Der Offizierspilot wurde bereits zehn Tage später, am 22. Mai 1918, im Luftkampf über Treviso abgeschossen. An diesem Tag wurde die Flik 51J mit der Eskortierung eines Aufklärers, der Brandenburg CI 369.30, der Flik 19 beauftragt. Die Umstände seines Todes sind nicht klar: Wilhelm Eppacher schreibt, dass seine Staffel von elf Sopwith angegriffen wurde. Vier Sopwith griffen den Brandenburger an und Pontalti griff zur dessen Rettung die Italiener an. In diesem ungleichen Kampf wurde Pontalti abgeschossen und er stürzte brennend bei Treviso ab. Er wurde mit soldatischen Ehren auf dem Ortsfriedhof von Ghirano beigesetzt.

Paolo Varriale schildert den Tod Pontaltis weniger dramatisch und glaubwürdiger: Während sich die Gruppe dem Piave näherte, erfolgte der Angriff von zwei italienische SPAD, die von den Piloten Francesco Baracca, dem Top-Fliegerass Italiens, und Sergente D’Urso geflogen wurden. Baracca traf Pontalti und setzte seine Maschine in Brand, worauf Pontalti abstürzte und verbrannte. Er wurde am 29. Mai 1918 „von seinen Kameraden auf dem Friedhofe von Ghirano beerdigt“, wie es in der Todesanzeige hieß.

Pontalti erhielt im Juni 1918 posthum die Goldene Tapferkeitsmedaille. Dazu schrieb der Allgemeiner Tiroler Anzeiger am 1. Juli 1918 unter

„Auszeichnung eines Innsbruckers mit der ‚Goldenen Tapferkeitsmedaille‘: Herr Ernst Pontalti, Fähnrich bei einer Fliegerabteilung, Sohn des pensionierten Postunterbeamten Pontalti in Innsbruck, Bürgerstraße wohnhaft, der erst vor kurzer Zeit den Heldentod fand, wurde nun mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Pontalti war schon im Besitze der großen und kleinen Silbernen und des Karl-Truppenkreuzes.“

Am Sonntag 23. Juni 1918 um 7:30 Uhr fand der Trauergottesdienst des christlich deutschen Turnvereins Innsbruck für den gefallenen Turnbruder und Chorleiter Fliegerfähnrich Ernst Pontalti in der Fürstenkapelle der Jesuiten in Innsbruck statt. Der christlich-deutsche Turnverein Innsbruck ersuchte um zahlreiche Beteiligung.

Am 22. Mai 1919 fand in der Herz-Jesu-Kirche in Innsbruck der Jahresgottesdienst für Ernst Pontalti statt, zu dem die Turnbrüder des christlich-deutschen Turnvereins Innsbruck einluden.

Zehn Jahre später, am 27. Juli 1929, schrieben die Innsbrucker Nachrichten, dass das Kaiserjägermuseum am Berg Isel in Innsbruck „gegenwärtig eine unerwartet hohe Besuchszahl aufzuweisen“ habe und beschrieb einen Rundgang durch das Museum, wobei auch auf zwei Fliegerbilder im Saal III hingewiesen wurde. Eines zeigte Eugen Zebisch, dargestellt von Thomas Riss, das andere Ernst Pontalti, gemalt vom Innsbrucker akademischen Maler Hans Zötsch der während des Ersten Weltkriegs als Kriegsmaler an der Front war:

„Ein noch nicht numeriertes, von dem Tiroler Zötsch gemaltes Bild zeigt den Flieger Pontalti. Der Ausdruck ist hier ganz auf Ruhe gestellt, kräftig und fest wirken die Züge des ernsten Gesichtes, wirkt der harmonisch sich rundende Kopf; in gleicher Abgeschlossenheit heben sich die neutralen Farben vom milden Lichte des Hintergrundes.“

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Flieger der Woche

Oberleutnant Max Schoßleitner

von Thomas Albrich.

Oberleutnant Max Schoßleitner wurde am 25. November 1895 in Innsbruck als Sohn der Luise und des Karl Schoßleitner sen. geboren und nach Salzburg heimatzuständig. Sein älterer Bruder Karl, ein Schriftsteller, war Offiziersbeobachter und Kriegsberichterstatter. Die Familie Schoßleitner war 1892 aus Trient nach Innsbruck gezogen, nachdem der Vater Karl Schoßleitner sen., Bezirkstierarzt in Trient, im August diesen Jahres zum provisorischen Veterinärinspektor bei der k.k. Statthalterei befördert worden war. 1894 starb ihr zweiter Sohn Alois im Alter von knapp drei Jahren, 1895 wurde Max geboren und ein Jahr später erfolgte der nächste wichtige Karriereschritt: Karl Schoßleitner sen. wurde im Frühjahr 1896 zum k.k. Landestierarzt bzw. Veterinärreferent bei der Landesregierung in Salzburg ernannt. Er verstarb plötzlich am 20. August 1907 als salzburgischer Landes-Veterinär-Referent, der sich hervorragende Verdienste um das Veterinärwesen des Landes erworben hatte, im Alter von 47 Jahren in Salzburg.

Vor dem Eintritt ins Militär beim Infanterieregiment 76 hatte Max Schoßleitner das Gymnasium mit der Matura abgeschlossen, war römisch-katholisch und ledig. Seit 1. September 1915 Leutnant, absolvierte er zwischen Juli und September 1916 die Fliegeroffiziersschule. Beim Eintritt in die Luftfahrtruppen beherrschte er neben Deutsch auch Ungarisch für den Dienstgebrauch. Zu dieser Zeit lebte seine Mutter Luise als Witwe in Salzburg, Wolfdietrichstraße 23.

Am 19. Oktober 1916 kam Max Schoßleitner vom Lehrbataillon als Beobachteroffizier zur Flik 8. Am 12. Jänner 1917 erzielte er gegen einen russischen Nieuport-Einsitzer seinen ersten Luftsieg im Hansa-Brandenburg C.I (28.30) der Flik 8 bei der k.u.k. 2. Armee in Ostgalizien. Die k.u.k. Flieger befanden sich in Geschwaderstärke auf dem Rückflug von einem Bombenangriff auf den Bahnhof und die Stadt Radziwillow. Das russische Flugzeug wurde zur Notlandung gezwungen. Am 24. Jänner 1917 kam Schoßleitner als Beobachter zur Flik 42 und wurde schon Ende Februar 1917 zur Flik 17 an die Tiroler Front verlegt.

Im März 1917 wurde er offiziell zum Flugzeug-Beobachter-Offizier ernannt und erhielt im Mai 1917 das Militärverdienstkreuz 3. Klasse. Bei der Flik 17 erzielte er am 2. Juni 1917 mit seinem Piloten Feldwebel Franz Goder seinen zweiten Luftsieg, am 10. Juni 1917 den dritten und vierten Luftsieg. Danach kam er zur Pilotenausbildung und erhielt am 31. August 1917 den Pilotenschein Nr. 777. Im September 1917 erhielt er erneut das Militärverdienstkreuz 3. Klasse, im Oktober 1917 erreichte er den Status eines Feldpiloten. Als Pilot ist von Oberleutnant Max Schoßleitner bis Kriegsende kein Luftsieg mehr verzeichnet. Allerdings gibt es Aufzeichnungen, die von fünf Luftsiegen sprechen. Damit wäre er nach Hauptmann Raoul Stoisavljevic der zweite Tiroler, der den Status eines der rund 50 k.u.k. Fliegerasse erreicht hätte.

Am 1. November 1917 wurde er Oberleutnant und erhielt das Feldpilotenabzeichen. Am 10. November 1917 kam er als Interimskommandant zur Flik 7. Diese Fliegerkompagnie befand sich an der russischen Front, und Schoßleitner absolvierte im Dezember 1917 wegen des Waffenstillstands keine Flüge. Die nächsten Aufzeichnungen stammen vom März 1918: Schoßleitner hatte im Laufe des Monats gerade einen Flug zu absolvieren. Im April und Mai 1918 war es jeweils wieder nur ein Flug. Zwischen dem 15. und 22. Juni 1918 absolvierte er dann sechs Aufklärungsflüge. Im September 1918 war Oberleutnant Max Schoßleitner mit der Flik 7 wieder an der Tiroler Front in Gardolo bei Trient stationiert. Er absolvierte nur noch zwei Flüge – am 17. September über den Passubio nach Riva am Gardasee und am 26. September ein Radioschießen. Bis Mitte Oktober 1918 war er vorübergehend Kommandant der Flik 7J, die gerade noch fünf „dienstfähige“ Piloten hatte. Mitte Oktober 1918 wurde er zur Fliegerersatztruppe versetzt. Nach dem Krieg schlug er sich zuerst als Pressefotograf durch. Was er danach machte, ist noch unbekannt. Er taucht erst wieder auf, als er die Stelle eines Flughafenleiters in Salzburg erhielt. In den Innsbrucker Nachrichten vom 27. Februar 1935 hieß es:

„Das Bundesministerium für Handel und Verkehr hat einen Dienstvertrag des Salzburger Stadtmagistrats genehmigt, wonach die Stelle eines Flughafenleiters mit Hauptmann Feldpilot a. D. Max Schoßleitner besetzt wird. Der neue Flughafenleiter Max Schoßleitner ist Kriegsflieger. Der heute 40jährige ist ein Sohn des ehemaligen k.k. Landesveterinärreferenten Schoßleitner, hatte als Offiziers-Photoflieger der alten Armee zuerst das Zivilpilotendiplom erworben, und war einer der ersten hundert noch lebenden Diplominhaber der ‚Federation international aeronautique‘. Im Verlaufe des Krieges erwarb er sowohl das österreichische als auch das deutsche Feldpilotenabzeichen. 1918 war Schoßleitner an der Tiroler Front Führer Jagdstaffel 7J. Seine Verdienste als Flieger wurden durch Nennung des Namens im Heeresbericht und durch neun Kriegsauszeichnungen gewürdigt.“

Sein weiterer Lebensweg und sein Todesdatum sind uns derzeit noch unbekannt. Nur aus dem Februar 1946 gibt es einen Bericht, wonach in Linz die 23-jährige Ingeborg Schoßleitner ermordet aufgefunden wurde. Die Trauerparte unterzeichnete ihr Vater Max Schoßleitner im Namen aller Verwandten.

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Flieger der Woche

Oberleutnant Hermann Plenk

von Nikolaus Hagen.

Hermann Plenk kam am 31. August 1886 in Innsbruck zur Welt. Seine Eltern waren der Mediziner Dr. Ferdinand Plenk und dessen Ehefrau Juliane Plenk, geborene Blaas, genannt Julie. Zuständig und wohnhaft war die Familie in der mährischen Landeshauptstadt Brünn. Es war allerdings kein reiner Zufall, dass Hermann Plenk in Innsbruck zur Welt kam. Sein Vater war in Sillian in Osttirol zur Welt gekommen und in Innsbruck aufgewachsen, die Mutter stammte aus einer Innsbrucker Metzgerfamilie. Die Sommer verbachten die Familie meist bei Verwandten in Innsbruck oder am Zweitwohnsitz im Achental.

Der Vater, Ferdinand Plenk (1846–1927), hatte in Wien und Innsbruck Medizin mit Spezialisierung auf die Augenheilkunde studiert. An der Universität Innsbruck wurde er erster Assistent des dortigen Ordinarius für Augenheilkunde Ludwig Mauthner (1840–1894). Anfang des Jahres 1876 habilitierte er sich und wurde als Privatdozent an der Augenklinik zugelassen. Im Juli desselben Jahres heiratete er Julie Blaas in Innsbruck. Ein Jahr darauf, im Mai 1877, eröffnete er seine eigene Praxis in Innsbruck. Offenbar hing das damit zusammen, dass Mauthner damals seinen Lehrstuhl in Innsbruck aufgab und nach Wien übersiedelte. Fünf Jahre später, nämlich Anfang 1882, verließ auch Plenk Innsbruck, wo er – wie schon zuvor Mauthner – zu geringe berufliche Entfaltungsmöglichkeiten sah. Die Innsbrucker Nachrichten bedauerten diesen Wegzug, zeigten aber auch Verständnis:

Ferdinand Plenk „[…] in den weitesten Kreisen als geschickter Augen- und Ohrenarzt bekannt und gesucht, der sich hier durch seine glücklichen Operationen eine ausgebreitete Praxis erworben hat, wird Innsbruck bleibend verlassen und sich in Brünn niederlassen. Er hat bereits seit anfangs Februar in der mährischen Hauptstadt seine Praxis begonnen. Diese große, reiche Stadt bietet dem tüchtigen Arzte auch ein viel ausgedehnteres Feld seiner Wirksamkeit als die verhältnismäßig kleine Universitätsstadt Innsbruck. Man wird Herrn Doctor Plenk hier schwer vermissen; doch werden ihn die besten Wünsche seiner dankbaren Verehrer auf seinen neuen Posten begleiten.“

In Mähren etablierte sich Ferdinand Plenk rasch. Schon 1884 wurde er Primar an der Augenklinik der mährischen Landeskrankenanstalt in Brünn. Dennoch dürfte die Familie weiterhin oft in Innsbruck gewesen sein. Im August 1883, also nach dem Umzug nach Brünn, kam die Tochter Elisabeth in Innsbruck zur Welt, 1886 dann Hermann. Die Familie hatte einen Sommersitz im Achental und überhaupt blieb sie Tirol eng verbunden. Gemeinsam mit dem aus Brixen stammenden Mittelschulprofessor in Brünn, Karl Mendl, organisierte Ferdinand Plenk 1908 in Mähren eine Hilfssammlung für Götzens und Zirl, die damals von Murenabgängen betroffen waren. Im selben Jahr erhielt Plenk das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen. Zur Ruhe setzte er sich erst hochbetagt nach dem Ersten Weltkrieg. Mit 81 Jahren bestieg er im Sommer 1926 noch den Hochiß im Rofan, was angesichts seines hohen Alters auch verschiedenen Zeitungen eine Meldung wert war. Im Jahr darauf starb er in Brünn. Die Bestattung soll allerdings in Innsbruck stattgefunden haben.

Hermann Plenk wuchs also in Brünn auf, hatte aber enge Verbindungen nach Innsbruck und Tirol. Über seine Schulbildung und Jugendjahre ist bislang nichts näheres bekannt. Vermutlich absolvierte er eine höhere Schule (er sprach Französisch und Englisch) und trat 1906 in die Artilleriekadettenschule – wohl jene in Traiskirchen – ein. Jedenfalls wurde er um den Jahreswechsel 1907/08 zum Reservekadetten der Feldartillerie ernannt und zum Neujahr 1911 zum Leutnant der Reserve bei der Schweren Haubitzdivision Nr. 2 befördert. Zu Beginn des Weltkriegs wurde er in der Schweren Haubitzdivision Nr. 9 eingesetzt. Mit 1. Mai 1915 avancierte er zum Oberleutnant in der Reserve. 1917 wurde er dem neuaufgestellten schweren Festungsartillerieregiment Nr. 10 zugeteilt, das aus der Schweren Haubitzdivision Nr. 9 hervorging. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die Bronzene und die Silberne Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen bekommen.

Am 18. März 1917 wurde er „zwecks Ausbildg zum Beob.“ zu den Luftfahrersatztruppen kommandiert. Anfang Juni wurde er der Fliegerkompagnie 48, die an der Tiroler Front eingesetzt war, als Beobachter zugeteilt. Laut dem Monatsbericht der Flik 48 absolvierte er im August drei Flüge. Die aktive Fliegerkarriere währte allerdings nur kurz. Im September verletzte sich Plenk bei einem Absturz schwer. In der Offizierskarte befindet sich folgender Eintrag: „infolge eines Sturzes bei einer Havarie am 24/9 ins Spital abgegangen“. Laut den Personalstandberichten der Flik 48 war Plenk bis inklusive Jänner 1918 im Spital. In diesem Monat erhielt er das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern „in Anerkennung tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“. Mit 15. Februar 1918 wurde Plenk, der wohl aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr feldverwendungsfähig war, zu den Fliegerersatztruppen transferiert und dort in der Stabsabteilung eingesetzt. Im August 1918 wurde er von der Stabsabteilung in das Fliegerarsenal versetzt.

Nach Kriegsende kehrte Plenk vermutlich zuerst nach Brünn zurück. Am 21. Oktober 1920 heiratete er dort Marianne Wittrich. Später zog Plenk nach Innsbruck und wurde Teilhaber des holzverarbeitenden Unternehmens Kranebitter und Kofler (später nur mehr Kranebitter). 1927 engagierte er sich für die Wirtschaftliche Vereinigung für Tirol, einer Abspaltung der deutschfreiheitlichen Partei.

Im August 1932 verstarb Hermann Plenk in Innsbruck, wenige Tage vor seinem 46. Geburtstag.

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Flieger der Woche

Korporal Oskar Bernhart

von Stefan Stachniß.

Der älteste aus Vorarlberg stammende Pilot war der am 6. Oktober 1888 in Dornbirn geborene Oskar Franz Bernhart. Seine Eltern waren Johann Bernhart aus Röns und Maria Josefa Moll aus Düns. Der Vater, ein gelernter Sticker, ging seiner Arbeit im benachbarten Satteins nach, wo die Familie dann ihren Wohnsitz hatte. Bernhart erlernte zunächst ebenfalls das Stickerhandwerk, ehe er im Jahr 1909 gemustert und dem 4. Tiroler Kaiserjägerregiment zugeteilt wurde. Doch bereits im Dezember 1909 wurde er nach einer Überprüfung aus dem Heer entlassen.

Gesichert ist, dass er sich 1917 zum freiwilligen Dienst bei den k.u.k. Luftfahrtruppen meldete und diesen ab dem 20. Oktober dauerhaft zugeteilt war. Er absolvierte die Ausbildung zum Flugzeugführer und diente ab dem 14. Juni 1918 bei der Fliegerkompanie 45. Im Juli 1918 wurde zur Fliegerkompagnie 36 an die Italienfront versetzt, bei der er bis zum Kriegsende blieb. Insgesamt soll er an fünf Luftkämpfen teilgenommen haben und dabei „jedes Mal mit zerschossener Maschine zurückgekommen sein“.

Als äußerst ereignisreich spielte sich dann seine Heimkehr von der Front ab. Bernhart war mit seinem Flugzeug, einer Hansa-Brandenburg C.I mit der Nummer 369.167 über die Schweiz in Richtung Feldkirch unterwegs, als er am Dienstag, den 5. November 1918, kurz nach 17 Uhr, auf der Panxwiese bei Landquart eine Notlandung einleiten musste. Die darauffolgende Bruchlandung beschädigte das Flugzeug, ließ Bernhart jedoch unverletzt. Allerdings wurde er sogleich von den Schweizer Behörden aufgegriffen und in die Kaserne nach Chur eskortiert.

Bei seiner Einvernahme gab er an, dass er von der Front bei Novaledo knapp 20 km südöstlich von Trient in der Valsugana mit Ziel Feldkirch losgeflogen sei und infolge Benzinmangels notlanden musste. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete am folgenden Tag, dass er bereits um fünf Uhr morgens von der Front aufgestiegen sei und die Orientierung verloren habe. Anschließend an diese Meldung berichtet die Grenzwache in Samaden, dass ein „italienischer Doppeldecker in mäßiger Höhe vom Unterengadin her durchs ganze Engadin herauf“ kommend um „4 ¾ Uhr“ ohne Erfolg beschossen worden sei.

Diese Meldungen werfen Fragen hinsichtlich der tatsächlichen Flugroute des Vorarlberger Piloten auf, zudem finden sich in weiteren Zeitungsartikeln der folgenden Tage widersprüchliche Angaben. Seine eigenen Angaben zur Flugroute von der Front bei Novaledo bis nach Landquart sowie die Aussage, dass er bereits um fünf Uhr in der Früh losgeflogen sei, erscheint jedenfalls sehr unwahrscheinlich. Denn eine Flugdauer von über 12 Stunden hätte einen Tankstopp und eine größere Pause notwendig gemacht haben. Davon war allerdings keine Rede.

Plausibler erscheint eine andere Flugroute, nämlich von Hall in Tirol über Landeck und das Engadin bis schließlich nach Landquart. Dafür spricht ein Bericht, wonach die Fliegerkompagnie 36 bereits zwei Tage vor seiner Notlandung, „am Sonntag von der italienischen Front zur Demobilisation nach Hall beordert“ worden sei. Dort sollten die Flieger demontiert werden und die Auflösung der Truppen stattfinden. In der „allgemeinen Unordnung und Disziplinlosigkeit handle alles nach Gutdünken, raffe und stehle zusammen, was mitnehmbar sei“, und so könnte sich Bernhart in dem allgemein herrschenden Chaos in Hall dazu entschieden haben, mit einem Doppeldecker, der mit zwei Maschinengewehren und viel Munition ausgerüstet war, nach Hause nach Vorarlberg zu fliegen. Demnach hob er um drei Uhr in Hall ab und steuerte dem Inn entlang direkt in die Schweiz. Erst als er zu den Oberengadiner Seen bei St. Moritz kam, habe er erkannt, dass er die falsche Richtung eingeschlagen hatte. Durch den ungeplanten Umweg, der Treibstoff gekostet hatte, konnte er seine Hansa-Brandenburg nur mehr bis kurz nach Chur steuern. Ob Bernhart also gegenüber den Behörden in Bezug auf die Flugroute gelogen hatte, kann dennoch nur vermutet werden. Das Eingeständnis eines Orientierungsverlusts während des Rückflugs von der Front mag ihm leichter gefallen sein als der nicht angemeldete Flug von Hall in seinen Heimatort. Andernfalls wäre ihm womöglich sogar Desertion vorgeworfen worden. Das Flugzeug wurde von den Schweizer Behörden beschlagnahmt, demontiert und nach Dübendorf bei Zürich gebracht, während Bernhart über Buchs nach Vorarlberg zurückkehren konnte.

Zurück in der Heimat heiratete er die aus Lienz stammende Emma Kammerlander. Während sie zunächst noch in Satteins fünf Kinder zur Welt brachte, übersiedelte die Familie Anfang der 1930er-Jahre nach Innsbruck, wo ein weiteres Kind zur Welt kam. 1936 war die Familie wieder in Nenzing ansässig, zog aber im Jahre 1942 nach Frastanz. Oskar Bernhart starb am 2. Jänner 1974 in Frastanz.