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Flieger der Woche

Oberleutnant Max Schoßleitner

von Thomas Albrich.

Oberleutnant Max Schoßleitner wurde am 25. November 1895 in Innsbruck als Sohn der Luise und des Karl Schoßleitner sen. geboren und nach Salzburg heimatzuständig. Sein älterer Bruder Karl, ein Schriftseller, war Offiziersbeobachter und Kriegsberichterstatter. Die Familie Schoßleitner war 1892 aus Trient nach Innsbruck gezogen, nachdem der Vater Karl Schoßleitner sen., Bezirkstierarzt in Trient, im August diesen Jahres zum provisorischen Veterinärinspektor bei der k.k. Statthalterei befördert worden war. 1894 starb ihr zweiter Sohn Alois im Alter von knapp drei Jahren, 1895 wurde Max geboren und ein Jahr später erfolgte der nächste wichtige Karriereschritt: Karl Schoßleitner sen. wurde im Frühjahr 1896 zum k.k. Landestierarzt bzw. Veterinärreferent bei der Landesregierung in Salzburg ernannt. Er verstarb plötzlich am 20. August 1907 als salzburgischer Landes-Veterinär-Referent, der sich hervorragende Verdienste um das Veterinärwesen des Landes erworben hatte, im Alter von 47 Jahren in Salzburg.

Vor dem Eintritt ins Militär beim Infanterieregiment 76 hatte Max Schoßleitner das Gymnasium mit der Matura abgeschlossen, war römisch-katholisch und ledig. Seit 1. September 1915 Leutnant, absolvierte er zwischen Juli und September 1916 die Fliegeroffiziersschule. Beim Eintritt in die Luftfahrtruppen beherrschte er neben Deutsch auch Ungarisch für den Dienstgebrauch. Zu dieser Zeit lebte seine Mutter Luise als Witwe in Salzburg, Wolfdietrichstraße 23.

Am 19. Oktober 1916 kam Max Schoßleitner vom Lehrbataillon als Beobachteroffizier zur Flik 8. Am 12. Jänner 1917 erzielte er gegen einen russischen Nieuport-Einsitzer seinen ersten Luftsieg im Hansa-Brandenburg C.I (28.30) der Flik 8 bei der k.u.k. 2. Armee in Ostgalizien. Die k.u.k. Flieger befanden sich in Geschwaderstärke auf dem Rückflug von einem Bombenangriff auf den Bahnhof und die Stadt Radziwillow. Das russische Flugzeug wurde zur Notlandung gezwungen. Am 24. Jänner 1917 kam Schoßleitner als Beobachter zur Flik 42 und wurde schon Ende Februar 1917 zur Flik 17 an die Tiroler Front verlegt.

Im März 1917 wurde er offiziell zum Flugzeug-Beobachter-Offizier ernannt und erhielt im Mai 1917 das Militärverdienstkreuz 3. Klasse. Bei der Flik 17 erzielte er am 2. Juni 1917 mit seinem Piloten Feldwebel Franz Goder seinen zweiten Luftsieg, am 10. Juni 1917 den dritten und vierten Luftsieg. Danach kam er zur Pilotenausbildung und erhielt am 31. August 1917 den Pilotenschein Nr. 777. Im September 1917 erhielt er erneut das Militärverdienstkreuz 3. Klasse, im Oktober 1917 erreichte er den Status eines Feldpiloten. Als Pilot ist von Oberleutnant Max Schoßleitner bis Kriegsende kein Luftsieg mehr verzeichnet. Allerdings gibt es Aufzeichnungen, die von fünf Luftsiegen sprechen. Damit wäre er nach Hauptmann Raoul Stoisavljevic der zweite Tiroler, der den Status eines der rund 50 k.u.k. Fliegerasse erreicht hätte.

Am 1. November 1917 wurde er Oberleutnant und erhielt das Feldpilotenabzeichen. Am 10. November 1917 kam er als Interimskommandant zur Flik 7. Diese Fliegerkompagnie befand sich an der russischen Front, und Schoßleitner absolvierte im Dezember 1917 wegen des Waffenstillstands keine Flüge. Die nächsten Aufzeichnungen stammen vom März 1918: Schoßleitner hatte im Laufe des Monats gerade einen Flug zu absolvieren. Im April und Mai 1918 war es jeweils wieder nur ein Flug. Zwischen dem 15. und 22. Juni 1918 absolvierte er dann sechs Aufklärungsflüge. Im September 1918 war Oberleutnant Max Schoßleitner mit der Flik 7 wieder an der Tiroler Front in Gardolo bei Trient stationiert. Er absolvierte nur noch zwei Flüge – am 17. September über den Passubio nach Riva am Gardasee und am 26. September ein Radioschießen. Bis Mitte Oktober 1918 war er vorübergehend Kommandant der Flik 7J, die gerade noch fünf „dienstfähige“ Piloten hatte. Mitte Oktober 1918 wurde er zur Fliegerersatztruppe versetzt. Nach dem Krieg schlug er sich zuerst als Pressefotograf durch. Was er danach machte, ist noch unbekannt. Er taucht erst wieder auf, als er die Stelle eines Flughafenleiters in Salzburg erhielt. In den Innsbrucker Nachrichten vom 27. Februar 1935 hieß es:

„Das Bundesministerium für Handel und Verkehr hat einen Dienstvertrag des Salzburger Stadtmagistrats genehmigt, wonach die Stelle eines Flughafenleiters mit Hauptmann Feldpilot a. D. Max Schoßleitner besetzt wird. Der neue Flughafenleiter Max Schoßleitner ist Kriegsflieger. Der heute 40jährige ist ein Sohn des ehemaligen k.k. Landesveterinärreferenten Schoßleitner, hatte als Offiziers-Photoflieger der alten Armee zuerst das Zivilpilotendiplom erworben, und war einer der ersten hundert noch lebenden Diplominhaber der ‚Federation international aeronautique‘. Im Verlaufe des Krieges erwarb er sowohl das österreichische als auch das deutsche Feldpilotenabzeichen. 1918 war Schoßleitner an der Tiroler Front Führer Jagdstaffel 7J. Seine Verdienste als Flieger wurden durch Nennung des Namens im Heeresbericht und durch neun Kriegsauszeichnungen gewürdigt.“

Sein weiterer Lebensweg und sein Todesdatum sind uns derzeit noch unbekannt. Nur aus dem Februar 1946 gibt es einen Bericht, wonach in Linz die 23-jährige Ingeborg Schoßleitner ermordet aufgefunden wurde. Die Trauerparte unterzeichnete ihr Vater Max Schoßleitner im Namen aller Verwandten.

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Flieger der Woche

Oberleutnant Hermann Plenk

von Nikolaus Hagen.

Hermann Plenk kam am 31. August 1886 in Innsbruck zur Welt. Seine Eltern waren der Mediziner Dr. Ferdinand Plenk und dessen Ehefrau Juliane Plenk, geborene Blaas, genannt Julie. Zuständig und wohnhaft war die Familie in der mährischen Landeshauptstadt Brünn. Es war allerdings kein reiner Zufall, dass Hermann Plenk in Innsbruck zur Welt kam. Sein Vater war in Sillian in Osttirol zur Welt gekommen und in Innsbruck aufgewachsen, die Mutter stammte aus einer Innsbrucker Metzgerfamilie. Die Sommer verbachten die Familie meist bei Verwandten in Innsbruck oder am Zweitwohnsitz im Achental.

Der Vater, Ferdinand Plenk (1846–1927), hatte in Wien und Innsbruck Medizin mit Spezialisierung auf die Augenheilkunde studiert. An der Universität Innsbruck wurde er erster Assistent des dortigen Ordinarius für Augenheilkunde Ludwig Mauthner (1840–1894). Anfang des Jahres 1876 habilitierte er sich und wurde als Privatdozent an der Augenklinik zugelassen. Im Juli desselben Jahres heiratete er Julie Blaas in Innsbruck. Ein Jahr darauf, im Mai 1877, eröffnete er seine eigene Praxis in Innsbruck. Offenbar hing das damit zusammen, dass Mauthner damals seinen Lehrstuhl in Innsbruck aufgab und nach Wien übersiedelte. Fünf Jahre später, nämlich Anfang 1882, verließ auch Plenk Innsbruck, wo er – wie schon zuvor Mauthner – zu geringe berufliche Entfaltungsmöglichkeiten sah. Die Innsbrucker Nachrichten bedauerten diesen Wegzug, zeigten aber auch Verständnis:

Ferdinand Plenk „[…] in den weitesten Kreisen als geschickter Augen- und Ohrenarzt bekannt und gesucht, der sich hier durch seine glücklichen Operationen eine ausgebreitete Praxis erworben hat, wird Innsbruck bleibend verlassen und sich in Brünn niederlassen. Er hat bereits seit anfangs Februar in der mährischen Hauptstadt seine Praxis begonnen. Diese große, reiche Stadt bietet dem tüchtigen Arzte auch ein viel ausgedehnteres Feld seiner Wirksamkeit als die verhältnismäßig kleine Universitätsstadt Innsbruck. Man wird Herrn Doctor Plenk hier schwer vermissen; doch werden ihn die besten Wünsche seiner dankbaren Verehrer auf seinen neuen Posten begleiten.“

In Mähren etablierte sich Ferdinand Plenk rasch. Schon 1884 wurde er Primar an der Augenklinik der mährischen Landeskrankenanstalt in Brünn. Dennoch dürfte die Familie weiterhin oft in Innsbruck gewesen sein. Im August 1883, also nach dem Umzug nach Brünn, kam die Tochter Elisabeth in Innsbruck zur Welt, 1886 dann Hermann. Die Familie hatte einen Sommersitz im Achental und überhaupt blieb sie Tirol eng verbunden. Gemeinsam mit dem aus Brixen stammenden Mittelschulprofessor in Brünn, Karl Mendl, organisierte Ferdinand Plenk 1908 in Mähren eine Hilfssammlung für Götzens und Zirl, die damals von Murenabgängen betroffen waren. Im selben Jahr erhielt Plenk das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen. Zur Ruhe setzte er sich erst hochbetagt nach dem Ersten Weltkrieg. Mit 81 Jahren bestieg er im Sommer 1926 noch den Hochiß im Rofan, was angesichts seines hohen Alters auch verschiedenen Zeitungen eine Meldung wert war. Im Jahr darauf starb er in Brünn. Die Bestattung soll allerdings in Innsbruck stattgefunden haben.

Hermann Plenk wuchs also in Brünn auf, hatte aber enge Verbindungen nach Innsbruck und Tirol. Über seine Schulbildung und Jugendjahre ist bislang nichts näheres bekannt. Vermutlich absolvierte er eine höhere Schule (er sprach Französisch und Englisch) und trat 1906 in die Artilleriekadettenschule – wohl jene in Traiskirchen – ein. Jedenfalls wurde er um den Jahreswechsel 1907/08 zum Reservekadetten der Feldartillerie ernannt und zum Neujahr 1911 zum Leutnant der Reserve bei der Schweren Haubitzdivision Nr. 2 befördert. Zu Beginn des Weltkriegs wurde er in der Schweren Haubitzdivision Nr. 9 eingesetzt. Mit 1. Mai 1915 avancierte er zum Oberleutnant in der Reserve. 1917 wurde er dem neuaufgestellten schweren Festungsartillerieregiment Nr. 10 zugeteilt, das aus der Schweren Haubitzdivision Nr. 9 hervorging. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die Bronzene und die Silberne Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen bekommen.

Am 18. März 1917 wurde er „zwecks Ausbildg zum Beob.“ zu den Luftfahrersatztruppen kommandiert. Anfang Juni wurde er der Fliegerkompagnie 48, die an der Tiroler Front eingesetzt war, als Beobachter zugeteilt. Laut dem Monatsbericht der Flik 48 absolvierte er im August drei Flüge. Die aktive Fliegerkarriere währte allerdings nur kurz. Im September verletzte sich Plenk bei einem Absturz schwer. In der Offizierskarte befindet sich folgender Eintrag: „infolge eines Sturzes bei einer Havarie am 24/9 ins Spital abgegangen“. Laut den Personalstandberichten der Flik 48 war Plenk bis inklusive Jänner 1918 im Spital. In diesem Monat erhielt er das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern „in Anerkennung tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“. Mit 15. Februar 1918 wurde Plenk, der wohl aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr feldverwendungsfähig war, zu den Fliegerersatztruppen transferiert und dort in der Stabsabteilung eingesetzt. Im August 1918 wurde er von der Stabsabteilung in das Fliegerarsenal versetzt.

Nach Kriegsende kehrte Plenk vermutlich zuerst nach Brünn zurück. Am 21. Oktober 1920 heiratete er dort Marianne Wittrich. Später zog Plenk nach Innsbruck und wurde Teilhaber des holzverarbeitenden Unternehmens Kranebitter und Kofler (später nur mehr Kranebitter). 1927 engagierte er sich für die Wirtschaftliche Vereinigung für Tirol, einer Abspaltung der deutschfreiheitlichen Partei.

Im August 1932 verstarb Hermann Plenk in Innsbruck, wenige Tage vor seinem 46. Geburtstag.

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Flieger der Woche

Korporal Oskar Bernhart

von Stefan Stachniß.

Der älteste aus Vorarlberg stammende Pilot war der am 6. Oktober 1888 in Dornbirn geborene Oskar Franz Bernhart. Seine Eltern waren Johann Bernhart aus Röns und Maria Josefa Moll aus Düns. Der Vater, ein gelernter Sticker, ging seiner Arbeit im benachbarten Satteins nach, wo die Familie dann ihren Wohnsitz hatte. Bernhart erlernte zunächst ebenfalls das Stickerhandwerk, ehe er im Jahr 1909 gemustert und dem 4. Tiroler Kaiserjägerregiment zugeteilt wurde. Doch bereits im Dezember 1909 wurde er nach einer Überprüfung aus dem Heer entlassen.

Gesichert ist, dass er sich 1917 zum freiwilligen Dienst bei den k.u.k. Luftfahrtruppen meldete und diesen ab dem 20. Oktober dauerhaft zugeteilt war. Er absolvierte die Ausbildung zum Flugzeugführer und diente ab dem 14. Juni 1918 bei der Fliegerkompanie 45. Im Juli 1918 wurde zur Fliegerkompagnie 36 an die Italienfront versetzt, bei der er bis zum Kriegsende blieb. Insgesamt soll er an fünf Luftkämpfen teilgenommen haben und dabei „jedes Mal mit zerschossener Maschine zurückgekommen sein“.

Als äußerst ereignisreich spielte sich dann seine Heimkehr von der Front ab. Bernhart war mit seinem Flugzeug, einer Hansa-Brandenburg C.I mit der Nummer 369.167 über die Schweiz in Richtung Feldkirch unterwegs, als er am Dienstag, den 5. November 1918, kurz nach 17 Uhr, auf der Panxwiese bei Landquart eine Notlandung einleiten musste. Die darauffolgende Bruchlandung beschädigte das Flugzeug, ließ Bernhart jedoch unverletzt. Allerdings wurde er sogleich von den Schweizer Behörden aufgegriffen und in die Kaserne nach Chur eskortiert.

Bei seiner Einvernahme gab er an, dass er von der Front bei Novaledo knapp 20 km südöstlich von Trient in der Valsugana mit Ziel Feldkirch losgeflogen sei und infolge Benzinmangels notlanden musste. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete am folgenden Tag, dass er bereits um fünf Uhr morgens von der Front aufgestiegen sei und die Orientierung verloren habe. Anschließend an diese Meldung berichtet die Grenzwache in Samaden, dass ein „italienischer Doppeldecker in mäßiger Höhe vom Unterengadin her durchs ganze Engadin herauf“ kommend um „4 ¾ Uhr“ ohne Erfolg beschossen worden sei.

Diese Meldungen werfen Fragen hinsichtlich der tatsächlichen Flugroute des Vorarlberger Piloten auf, zudem finden sich in weiteren Zeitungsartikeln der folgenden Tage widersprüchliche Angaben. Seine eigenen Angaben zur Flugroute von der Front bei Novaledo bis nach Landquart sowie die Aussage, dass er bereits um fünf Uhr in der Früh losgeflogen sei, erscheint jedenfalls sehr unwahrscheinlich. Denn eine Flugdauer von über 12 Stunden hätte einen Tankstopp und eine größere Pause notwendig gemacht haben. Davon war allerdings keine Rede.

Plausibler erscheint eine andere Flugroute, nämlich von Hall in Tirol über Landeck und das Engadin bis schließlich nach Landquart. Dafür spricht ein Bericht, wonach die Fliegerkompagnie 36 bereits zwei Tage vor seiner Notlandung, „am Sonntag von der italienischen Front zur Demobilisation nach Hall beordert“ worden sei. Dort sollten die Flieger demontiert werden und die Auflösung der Truppen stattfinden. In der „allgemeinen Unordnung und Disziplinlosigkeit handle alles nach Gutdünken, raffe und stehle zusammen, was mitnehmbar sei“, und so könnte sich Bernhart in dem allgemein herrschenden Chaos in Hall dazu entschieden haben, mit einem Doppeldecker, der mit zwei Maschinengewehren und viel Munition ausgerüstet war, nach Hause nach Vorarlberg zu fliegen. Demnach hob er um drei Uhr in Hall ab und steuerte dem Inn entlang direkt in die Schweiz. Erst als er zu den Oberengadiner Seen bei St. Moritz kam, habe er erkannt, dass er die falsche Richtung eingeschlagen hatte. Durch den ungeplanten Umweg, der Treibstoff gekostet hatte, konnte er seine Hansa-Brandenburg nur mehr bis kurz nach Chur steuern. Ob Bernhart also gegenüber den Behörden in Bezug auf die Flugroute gelogen hatte, kann dennoch nur vermutet werden. Das Eingeständnis eines Orientierungsverlusts während des Rückflugs von der Front mag ihm leichter gefallen sein als der nicht angemeldete Flug von Hall in seinen Heimatort. Andernfalls wäre ihm womöglich sogar Desertion vorgeworfen worden. Das Flugzeug wurde von den Schweizer Behörden beschlagnahmt, demontiert und nach Dübendorf bei Zürich gebracht, während Bernhart über Buchs nach Vorarlberg zurückkehren konnte.

Zurück in der Heimat heiratete er die aus Lienz stammende Emma Kammerlander. Während sie zunächst noch in Satteins fünf Kinder zur Welt brachte, übersiedelte die Familie Anfang der 1930er-Jahre nach Innsbruck, wo ein weiteres Kind zur Welt kam. 1936 war die Familie wieder in Nenzing ansässig, zog aber im Jahre 1942 nach Frastanz. Oskar Bernhart starb am 2. Jänner 1974 in Frastanz.

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Unteroffizier Josef Obermair

von Thomas Albrich.

Unser „Flieger der Woche“ ist ein in München geborener Landecker, der bei der deutschen Fliegertruppe diente. Der Unteroffizier Josef Obermair, geboren 11. Mai 1891 in München, war wahrscheinlich das ledige Kind der Franziska Nihs, geborene Obermair, aus Landeck. Als Beruf wird auf dem Gedenkblatt im Tiroler Ehrenbuch „Flieger“ angeführt. Den Eintrag im Ehrenbuch, der Obermair als Tiroler reklamiert, veranlasste der Landecker Pfarrer Johann E. Schatz. Welche Gründe hatte er?

Sterbebildchen im Tiroler Ehrenbuch, gedruckt in Landeck

Obermair diente beim bayerischen Militär beim Flugzeugbau Schleißheim und später als Flugzeugführer an der Westfront. Obermair ist am 15. September 1916 in Mons-en-Chaussee bei St. Quentin gefallen und dort begraben. Er besaß das Eiserne Kreuz II. Klasse (EK II).

Auf dem Totenbildchen, das bei der Landecker Buchdruckerei gedruckt worden war, heißt er Obermaier. Er war „Unteroffizier und Flugzeugführer der deutschen Fliegertruppe, welcher am 15. September 1916 bei einem Luftkampfe in St. Quentin (Nordfrankreich) im 26. Lebensjahre den Heldentod für’s Vaterland gestorben ist“. Auf dem Totenbildchen steht das folgende Gedicht:

Nun bist du tod (sic), doch nicht vergessen,Wenn du auch liegst in Feindesland:Der kann den heißen Schmerz ermessen,
Wer kennt der Liebe teures Band.

Dein schönes, junges, frohes Leben,
Hast du gegeben vor der Zeit,
Doch dein Gedenken bleibt bestehen
Für immer in der Ewigkeit.

Warum wird er im Tiroler Ehrenbuch als Tiroler verzeichnet? Hat er seine Kindheit und Jugend in Landeck verbracht? Wer hat in Landeck sein Sterbebildchen drucken lassen? Das abgedruckte Gedicht legt die Vermutung nahe, dass es sich um seine Freundin gehandelt hat. Wir hoffen auf Informationen zu Obermair sowohl aus Landeck als auch aus Deutschland!

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Flieger der Woche

Oberleutnant Hans Folk

von Nikolaus Hagen.

In unserer Serie „Flieger gesucht“ haben wir in Folge 4, die im November letzten Jahres erschien, den Feldpiloten und Beobachteroffizier Hans Folk vorgestellt. Zum damaligen Zeitpunkt wussten wir nicht, wo Folk seinen Lebensmittelpunkt hatte. Er war einer jener Fälle, bei denen unklar war, ob es sich um einen jener Flieger handelte, denen wir uns in diesem Projekt besonders widmen: den Tirolern und Vorarlbergern. Inzwischen wissen wir dank Marco Toffol, der im Primör lebt und ein kleines Buch über Hans Folk verfasst hat, mehr über seine Person.


Hans Folk kam 1891 im südmährischen Millowitz (Milovice), nahe der Grenze zu Niederösterreich, zur Welt. In Brünn studierte an der dortigen Technischen Hochschule Architektur und war Mitglied einer Burschenschaft. Nach Tirol, genauer gesagt nach Hall, brachte ihn, noch vor Kriegsbeginn, der Dienst als Einjährig-Freiwilliger beim 4. Tiroler Kaiserjägerregiment. Ende 1915 meldete er sich freiwillig zu den Luftfahrtruppen und wurde an der Flosch in Wiener Neustadt zum Beobachteroffizier ausgebildet.

Oberleutnant Hans Folk (Bildquelle: Marco Toffol)

Im Jänner 1916 wurde Folk von der Flosch zur Flik 15 überstellt. Die Flik 15 war zuerst an der Ostfront eingesetzt und wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1916 an die Südtirolerfront zum Flugfeld Pergine überstellt. Am 24. September 1916 gelang ihm, gemeinsam mit Feldpilot Zugsführer Richard Müller, sein erster Luftsieg im Kampf gegen einen Voisin-Aufklärer über Feltre. Größere Bekanntheit erlangte Folk durch die Bombardierung eines italienischen Munitionslagers im Mai 1917. Das Bombardement, das eine gewaltige Explosion nach sich zog, zerstörte nicht nur große Mengen an Munition und Material sondern kostete nach unterschiedlichen Angaben zwischen 40 und 60 italienischen Militärangehörigen und zivilen Arbeitern das Leben:

„Leutnant in der Reserve Hans Folk mit Feldpilot Korporal Anderle brachte das große italienische Munitionsdepot Mga. Fratazza durch Bombentreffer zur Explosion, was dort Brände hervorrief und dem Feinde einen Millionenschaden zufügte.“

Innsbrucker Abendblatt, 19. Juni 1917.

Im Belohnungsantrag hieß es

„Ganz hervorragend hat er sich am 23./V. ausgezeichnet indem er trotz heftigsten Art. Feuer über Mga. Fratazza 5 Bomben abgeworfen und das feindliche Munitionsdepot samt dem dort befindlichen Brigadekommando durch Explosion vernichtet hat. Dem Feind entstand dadurch ein Millionen-Schaden ca. 50 Tote und Verwundete Militärpersonen.“

Im Juni 1917 wechselte Folk als Ausbildner an die Flosch. Anfang 1918 machte er die Ausbildung zum Jagdpiloten und wurde der Flik 51J, einer Jagdstaffel zugeteilt. Kurz darauf wechselte er zur Flik 14J, einer anderen Jagdstaffel, die am Flugfeld Feltre stationiert war.

Am 15. Juni stieg Folk in der Früh mit dem Phönix D.I 228.05 gemeinsam mit anderen Jagdfliegern der Flik 60J und 14J zu einem Sperrflug auf, um eigene Aufklärer und Artillerieflieger zu schützen. Über feindlichem Gebiet griff Folk zwei gegnerische Jagdflugzeuge an und brachte eines davon zum Absturz. Dieser zweite Luftsieg war zugleich Folks letzter Flug. Während des Luftkampf mit den englischen Gegnern erlitt Folk mehrere Lungenschüsse. Beeinträchtigt durch diese Verletzung wurde er am Rückflug Richtung Feltre ein leichtes Ziel für einen britischen Sopwith-Jagdflieger. Eine feindliche MG-Salve brachte den Phönix D.I über dem eigenen Flugfeld zum tödlichen Absturz.

Posthum wurde Folk der Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern zuerkannt.


Für unser Projekt haben wir uns darauf verständigt, dass jeder der sein Erwachsenenleben in Tirol und Vorarlberg verbrachte, als Tiroler und Vorarlberger Flieger gilt. Wahrscheinlich ist Folk in diesem Sinne ein absoluter Grenzfall. Nach Tirol kam er unmittelbar nach dem Studium aufgrund des Wehrdienstes. Vermutlich wäre er nach dem Einjährig-Freiwilligen-Dienst wieder nach Mähren zurückgekehrt. Durch den Krieg und die Meldung zu den Luftfahrtruppen kam es anders. In seiner Zeit als aktiver Flieger war Folk nur an der Südtiroler und der Grappa Front eingesetzt, wo er letztlich auch starb.

Weitere Informationen zu Folk finden Sie im Buch von Marco Toffol:


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Zugsführer Ludwig Thaler

von Thomas Albrich.

Feldpilot Zugsführer Ludwig Thaler, geboren 30. Jänner 1897 Kitzbühel, seine Eltern waren Dr. Hans und Wilhelmine Thaler. Er war Student und diente in seinem Stammtruppenkörper, dem 1. Tiroler Kaiserjägerregiment. Er war als Flieger bei Flik 45, 56J, 2, 68J, 47F und 14J. Thaler schloss seine Pilotenausbildung am 6. März 1917 mit dem Pilotenschein Nr. 618 ab und kam dann noch kurz zur Einsitzerausbildung zur Flik 68J. Im April 1917 wurde er als Korporal und Flugzeugführer zur Flik 45 kommandiert. Am 1. August 1917 kam er wieder zurück zu den Fliegerersatztruppen und dann im September 1917 zur Flik 56J. Im Jänner 1918 Feldpilot und Feldpilotenabzeichen, am 27. Jänner 1918 wurde er zur Flik 2 transferiert. Im Juni 1918 kam er zur Flik 68J und wurde Zugsführer. Am 23. Juni 1918 kam er zur Flik 47. Im Juli 1918 war er im Spital und wurde am 24. August 1918 zu Koluft 11. Armeekorps versetzt. Allerdings kam er noch im August 1918 vom 11. Armeekorps (Flik 47) als Jagdpilot zur Flik 14J.

Beim Jagdflug einer Kette der Flik 14J wurde Thaler in seinem Berg D.I (138.112) am 15. September 1918 im Luftkampf mit drei „Sopwith” Einsitzern von einem davon getroffen, sodass er sich im “Stoppelzieher” nach unten zu retten versuchte. Dabei übersah er einen anderen, der ihn von hinten anflog und ihn südöstlich des Monte Tomatico brennend abschoss. Thaler sprang mit dem Fallschirm aus seinem Apparat ab, wurde dabei aber tödlich verletzt nachdem die Fallschirmkappe gerissen war. Sein Apparat verbrannte am Boden. Thaler erzielte einen bestätigten Luftsieg. Er wurde auf dem Ortsfriedhof in Feltre begraben.  Ludwig Thaler wurde während seiner Laufbahn mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1.und 2. Kl. ausgezeichnet und erhielt posthum die Goldene Tapferkeitsmedaille. In den Innsbrucker Nachrichten hieß es:

„Dem jüngst in heldenhaftem Luftkampfe gefallenen Feldpiloten Ludwig Thaler in Kitzbühel, der bereits früher schon mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille erster und zweiter Klasse ausgezeichnet war, wurde nun auch die Goldene Tapferkeitsmedaille verliehen.“

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Zugsführer Gebhard Vonbun

von Stefan Stachniß.

Gebhard Eduard Vonbun wurde am 29. März 1894 geboren. Seine Eltern waren der Frastanzer Buchhalter Franz Josef Eduard Vonbun und Karolina Gaßner aus Raggal. Vonbun rückte im Oktober 1914 zum Kriegsdienst beim 3. Tiroler Kaiserjägerregiment ein. Zuerst wurde er dem Ersatzbataillon zugeteilt, ehe er im Mai 1915 zur 4. Feldkompanie versetzt und an die Front geschickt wurde. Nachdem er sich bei dieser Einheit offenbar bewährt hatte, wurde ihm das Karl-Truppenkreuz sowie die Bronzene Tapferkeitsmedaille in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feind verliehen. Anschließend meldete sich Vonbun freiwillig zu den Luftfahrtruppen, wurde in die Ausbildung zum Flugzeugführer eingegliedert und absolvierte die Ausbildung bei den Fliegerersatztruppen. Am 15. September 1917 erhielt er das Fliegerdiplom Nr. 793 des Österreichischen Aero-Clubs. Im Oktober 1917 kam er von den Fliegerersatztruppen als Flugzeugführer zur Flik 56, am 11. November 1917 wurde er zur Flik 58 transferiert. Die Flik 58 war nach dem Sieg in der 12. Isonzoschlacht als Teil der zweiten Isonzoarmee bei Casarsa und zuletzt in S. Lorenzo westlich des Piave stationiert. Im März 1918 wurde Vonbun Feldpilot, im Juli 1918 Zugsführer und erhielt die Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse. Im August 1918 erhielt er das Feldpilotenabzeichen.

Vonbun versah seinen Dienst bei der Flik 58 bis zum Ende des Krieges. Am 24. Oktober 1918 flog Feldpilot Zugsführer Eduard Vonbun von der Flik 58 zusammen mit seinem Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Vjekoslav Vavra vom Flugfeld S. Lorenzo zur Piave-Insel Papadopoli, um die Situation bei der Insel aufzuklären. Danach überprüften sie die Straßen Candelu, Ronchi, Maserada, Povegliano und Spresiano auf Train- und Personenverkehr. Ihre Beobachtungen warfen sie in einer Abwurfmeldung um 10:15 Uhr beim XVI. Korpskommando ab. Die Meldung besagte, dass auf den Straßen vereinzelt Trainverkehr und Personen zu sehen waren. Auf der Straße Ronchi – Villorba würde sich eine 500 m lange Artilleriekolonne bewegen. Die Höhe 48 wurde von der Insel Papadopoli aus mit stärkerem Schrappnellfeuer beschossen. Ebenso wurde Saletuol mit stärkerem Artilleriefeuer belegt. Die Flieger beobachteten, dass zur Einbruchstelle gegnerische Infanterie anmarschierte. Tanks [Panzer] wurden keine gesehen.

Laut seinen eigenen Angaben, die er 1929 vor den Behörden machte, erhielt er für seinen Kriegsdienst noch weitere Auszeichnungen, darunter die Große und Kleine Silberne Tapferkeitsmedaille sowie die Legitimation als Flugzeugführer und Feldpilot. Nach dem Krieg ehelichte er am 27. Oktober 1924 Martina Geiger. Eduard Vonbun starb am 5. Mai 1975 in Feldkirch.

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Oberleutnant Oskar Knoll

von Nikolaus Hagen.

Über den Beobachteroffizier Oskar Knoll ist bislang nur weniges bekannt und manches noch rätselhaft. Einer Meldung der Innsbrucker Nachrichten vom 14. Februar 1918 zufolge, in der fälschlicherweise sein Tod verlautbart wurde, war Knoll ein gebürtiger Innsbrucker, der „lange Jahre als akad. Maler und Bildhauer in Berlin“ gewirkt hatte. In einem früheren Bericht, anlässlich einer Ausstellung zu Jahresende 1912, in der selben Zeitung erschienen, hieß es, Knoll sei „ein junger Innsbrucker, der, wie wir hören, die Münchener Akademie bald absolviert haben wird“. Die künstlerische Karriere scheint aber bald wieder eingeschlafen zu sein, denn weitere Meldungen fehlen.

Zum Familienhintergrund wissen wir bislang folgendes: Sein Vater, Moritz Knoll, kam Mitte der 1850er-Jahre zur Welt, und war am Ende seiner Karriere Inspektor der k.k. Staatsbahnen in Innsbruck. Er verstarb 1918. Die Mutter hieß Emma Knoll, geboren um 1854, und neben Oskar hatte das Paar auch noch einen zweiten, älteren Sohn namens Moritz. Eine ebenfalls ältere Schwester namens Emmy war bereits 1907 im 22. Lebensjahr an einer Krankheit verstorben. Oskar besuchte damals das Obergymnasium, vermutlich in Innsbruck, anschließend dürfte er in München oder Berlin Kunst studiert und in den 1910er-Jahren mit einzelnen Kunstwerken an Ausstellungen in seiner Heimatstadt teilgenommen haben. Seine Zeit in Deutschland ist bislang unerforscht.

Möglicherweise absolvierte Knoll noch vor Kriegsbeginn den Militärdienst als Einjährigfreiwilliger. In der Familie gab es jedenfalls eine militärische Tradition: Der Großvater väterlicherseits war Major gewesen, der ältere Bruder Moritz war bereits 1907 Leutnant im k.k. Landwehr Ulanen Regiment Nr. 2 und ein angeheirateter Onkel, Rudolf Kopatschek, war Hauptmann im 3. Tiroler Kaiserjägerregiment. Den Kriegsbeginn erlebte Oskar Knoll wohl mit dem Infanterieregiment Nr. 28. Im Mai 1915 wurde er zum Leutnant der Reserve ernannt, ein halbes Jahr darauf erhielt er das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration. Im Mai 1917 folgte die Beförderung zum Oberleutnant in der Reserve. Etwa um dieselbe Zeit dürfte er sich – wie alle Flieger freiwillig – zur Ausbildung als Beobachteroffizier gemeldet haben. Wahrscheinlich absolvierte er im Juni die Fliegeroffizierschule bei den Luftfahrersatztruppen. Am 10. Juli 1917 wurde er von dort in den zur Fliegerkompagnie 45 und damit zu den Luftfahrtruppen kommandiert.

Die Flik 45 war im Mai 1917 als Verstärkung an die Dolomitenfront verlegt worden und war am Flugfeld Bruneck stationiert. Die Divisionsfliegerkompagnie – der k.u.k. 11. Armee unterstellt – war mit fünf Hansa-Brandenburg C.I Aufklärern unterschiedlicher Serien ausgestattet und wurde von Feldpilot Rittmeister Stefan von Vuchetich kommandiert. Gegen Ende des Jahres wurde sie auf das Flugfeld Levico verlegt. Im November 1917 wurde Knoll offiziell zum Beobachter ernannt.

Falschmeldung in den Innsbrucker Nachrichten vom 16.2.1918

Am 30. Januar stiegen Knoll und Feldpilot Zugsführer Ernst Winkler zu einem Aufklärungsflug auf. Dabei wurden sie in einen Luftkampf verwickelt und abgeschossen. Für die eigenen Truppen, die nur den Niedergang des Apparats hinter den feindlichen Linien beobachteten, sah es wohl nach einem Totalverlust aus. Die Meldung vom Abschuss wurde auch rasch in Innsbruck bekannt und resultierte in der eingangs zitierten Falschmeldung vom „Fliegertod eines Innsbruckers“. Eine Gewissheit über das Schicksal der Besatzung gab es jedenfalls nicht. Als sein Vater Moritz Knoll im Juni 1918 verstarb, wurde der Sohn in der Trauerparte noch immer als „vermisst“ genannt. Tatsächlich waren Knoll und Winkler in italienische Kriegsgefangenschaft geraten. Allerdings kehrte Winkler erstaunlicherweise schon nach kurzer Zeit aus der Gefangenschaft zurück. Anfang April befand er sich in der Station Wiener Neustadt, von wo er am 8. des Monats desertierte.

Knoll kehrte nicht mehr zu den Luftfahrtruppen zurück. Wahrscheinlich blieb er den Rest des Krieges in italienischer Gefangenschaft und kam erst nach Kriegsende nach Innsbruck zurück. Im Jänner 1925 verstarb seine Mutter Emma Knoll im 71. Lebensjahr. Die Todesanzeige in den Innsbrucker Nachrichten stellt allerdings ein gewisses Rätsel dar. Den Tod gab „Major d. R. Mauritius Oskar Knoll“ im Namen aller Verwandten bekannt. War dieser Mauritius Oskar, der einzige in der Parte genannte Sohn, der Fliegeroffizier Oskar Knoll oder war es sein Bruder Moritz? Letzterer war, dem Innsbrucker Adressbuch zufolge, jedenfalls auch 1930 noch am Leben und dort als Rittmeister bezeichnet. Wenn es sich wirklich um Oskar Knoll handelte, dann wäre er offenbar noch zum Hauptmann und anschließend zum Major befördert worden.


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Flieger der Woche

Hauptmann Max Perini

von Thomas Albrich

Als Leutnant wurde Max Perini vom Infanterie-Regiment 47 zur Pilotenausbildung beim Luftschifferkurs 1913 eingeladen, der vom 14. April bis zum 27. Oktober stattfand. Perini erhielt schon am 5. Juni 1913 das Pilotendiplom Nr. 104. Beim Besuch einer japanischen Militärmission bei der Luftschifferstation in Fischamend am 9. August 1913 führten zwei der neuen Piloten, der Bregenzer Oberleutnant Flatz und Leutnant Max Perini, bereits Schauflüge durch. Sie zeigten „einige prächtige Sturz- und Gleitflüge auf Etrich-Apparaten“. Mit 1. November 1913 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Max Perini in der Zwischenkriegszeit

Oberleutnant Max Perini war seit Kriegsbeginn 1914 wie sein Bruder Camillo als Flieger an der russischen Front im Einsatz. Er kann „den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, als erster im Kriege über das Land des Feindes geflogen zu sein“. Im Tiroler hieß es am 20. Oktober 1914: „Der Trientiner Fliegeroffizier Maximilian Perini wurde mit dem ‚Signum Laudis‘ mit der Kriegsdekoration und vom Deutschen Kaiser mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet.“

Ludwig Ecker berichtete Anfang April 1915 über den Einsatz der Flieger im Krieg gegen Russland, wobei er besonders auf Max Perini einging:

„Eine eigenartige Höchstleistung hält Oberleutnant Max Perini, ein Schüler des Höhenrekordmannes Blaschke, der in der Geschichte des österreichischen Flugwesens unvergänglich sein wird, wie alle, die damals mit dabei waren, als er am blauen Firmament verschwand, ihn nicht vergessen werden. ‚Maxl‘, wie ihn seine Fliegerkameraden nennen, und seine Kunst kenne ich aus eigener Erfahrung, als ich mit ihm 10 Minuten über dem Flugplatze einer eroberten Polenstadt in den Lüften weilte. Dort ist er der Liebling aller seiner Fliegerkollegen geworden, die ihn besonders wegen seiner unerschütterlichen Fliegertugend, seiner ganz grandiosen Ruhe in allen Lagen, bewundern. Einmal flog er über die Festung Iwangorod hinweg. Alle Geschütze richteten sich auf ihn. Er aber blieb seelenruhig und erzählt heute lächelnd davon, wie durch die Geschoßerschütterungen das Flugzeug tüchtig gebeutelt wurde. Damals brachte er stolz 17 Treffer heim. […] Als ich mit ihm zusammentraf, hatte er bereits 35 erfolgreiche Aufklärungsflüge hinter sich und hatte damals bereits 9000 Kilometer über Feindesland durchflogen.“

Max Perini von der Flik 7 wurde im Mai 1915 mit dem Militär Verdienstkreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet und ging am 10. Juni 1915 zurück zum Luftfahrarsenal. Erst nach dem vorangegangenen einjährigen Fronteinsatz erhielt er im September 1915 erneut das Feldpilotenabzeichen.

Im Februar 1916 kam er vom Luftfahrarsenal als Feldpilot zur Flik 21 und diente ab März 1916 bei der Flik 19. Im Mai 1916 wurde Max Perini zum Hauptmann befördert. Am 2. Juni 1916 betraute man ihn mit der Verlegung der Flik 28 nach Aisovizza. Nach Übergabe an Interimskommandant Oberleutnant Hartzer kam er zurück zur Flik 11 und wurde am 27. Juni 1916 als Kommandant zur Flik 31 kommandiert. Im November 1916 wurde er mit dem Militärverdienstkreuz ausgezeichnet, im Jänner 1917 erhielt er das dauernde Feldpilotenabzeichen. Am 19. April 1917 wurde er wieder ins Luftfahrarsenal versetzt.

Hauptmann Max Perini erhielt im Juni 1917 „in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern. Am 28. Juni 1917 kam er vom Luftfahrarsenal als Kommandant zur Flieger-Versuchsabteilung, der späteren Flik 70, zurück an die Front. Am 24. Mai 1918 ging er zur Fliegerersatztruppe, wo er wichtige und prestigeträchtige Aufgaben zu erfüllen hatte. Vom 9. bis 13. Juli 1918 fand beispielsweise unter seiner Leitung am Flugfeld Wien-Aspern ein Bewertungsfliegen statt, „um beim Bau neuer Jagdeinsitzer die Wünsche der Front mehr als bisher zu berücksichtigen“. Von den aktiven Frontoffizieren nahmen u.a. die Fliegerasse Hauptmann Karl Nikitsch, Oberleutnant Benno Fiala von Fernbrugg und Oberleutnant Frank Linke-Crawford am Fliegen diverser Modelle teil. Am 21. September 1918 ging Hauptmann Max Perini noch einmal als Kommandant-Feldpilot zur Flik 12 bis Kriegsende an die Front.

Max Perini blieb nach Kriegsende in Österreich und wurde Pilot bei den Phönix-Werken in Wien-Stadlau. Dort waren noch nach Kriegsende Jagdflugzeuge fertig gebaut worden, und die Direktion der Phönix-Werke suchte überall Abnehmer. Schweden interessierte sich für Jagdflugzeuge, und so wurde im Juni 1919, noch vor dem Vertrag von St. Germain, ein geheimes Unternehmen gestartet. Zwei Flugzeuge sollten nach Stockholm fliegen. Werkspilot Edmund Sparmann pilotierte den Phönix-Einsitzer der Type J 41 (D.III), Hauptmann Max Perini flog den Phönix-Zweisitzer C.I, der im Krieg als Kampf- und Aufklärungsflugzeug eingesetzt war. Am 12. Juni 1919 stiegen die beiden österreichischen Flieger vom Flugfeld Aspern zu ihrem ersten Etappenziel Kopenhagen auf. Bei einer Zwischenlandung in Berlin wurde Benzin getankt und nach kurzem Aufenthalt der Flug nach Kopenhagen fortgesetzt. Ein Telegramm aus Stockholm berichtete, dass die beiden Piloten von Kopenhagen die 550 Kilometer lange Strecke nach Stockholm in dreieinhalb Stunden bewältigten. Das entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 160 km/h. In Mamstätt bei Linköping war die vorgesehene Zwischenlandung, um die Flugzeuge Offizieren der schwedischen Militär-Flugzentrale vorzuführen. Die schwedischen Piloten waren von den beiden österreichischen Flugzeugen begeistert und so wurden Kauf- und Lizenzverträge abgeschlossen. 17 Phönix D III wurden nach Schweden verkauft. Als die Alliierte Kontroll-Kommission daranging, alle Flugzeuge in Österreich zu konfiszieren, wurden in den Phönix-Werken nur noch sieben Flugzeuge vorgefunden, die dann auf dem Flugfeld in Aspern vernichtet wurden. Die nach Schweden gelieferten Flugzeuge blieben bei der im Juli 1926 gegründeten schwedischen Luftwaffe bis nach 1930 im Dienst. Noch 1936 war eine D III als Wetterflugzeug im Einsatz. Heute steht eine Original Phönix D III im Luftwaffenmuseum in Mamstätt. Sie ist das einzige österreichisch-ungarische Marineflugzeug, das noch existiert.

Nach seiner Rückkehr nach Wien betätigte sich Max Perini zuerst als Leiter einer Autoreparaturwerkstätte. Schließlich kam er zu den Österreichischen Daimler Motoren AG in Wiener Neustadt, wo er als Leiter der Fertigmacherei sich rasch einarbeitete und größte Wertschätzung erwarb. Hauptmann Feldpilot a.D. Max Perini verunglückte am 28. Juni 1926 mit dem Auto auf der Fahrt von Wiener Neustadt nach Wien in der Traiskirchner Allee und starb zwei Tage später an den Folgen. Ein Jahr nach seinem Tod wurde der Leichnam Max Perinis auf Wunsch seiner Familie aus Baden bei Wien nach Pola überführt.


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Flieger der Woche

Leutnant in der Reserve Richard Meller

von Thomas Albrich.

Leutnant in der Reserve Richard Meller, geboren am 26. Februar 1893 in Frankenmarkt, Oberösterreich, zuständig in Perchtoldsdorf, Student der Technischen Hochschule in Wien (Maschinen- und Schiffsbau). Er war der Sohn des Ing. Alfred Meller, Staatsbahnrat in Ruhe, und der Melanie, geborene Philipp. Meller war noch ledig und lebte in Innsbruck.[1]

Als Einjährig-Freiwilliger diente er ab 31. Juli 1914 zur Ausbildung bei der Landwehr-Feldhaubitzen-Division 46 in Olmütz und verließ die Artillerie-Einjährigen-Schule als Kadett im Jahre 1915 und kam zum Feldkanonen-Regiment 46 an die Front nach Wolhynien. Am 1. Februar 1916 wurde er zum Leutnant befördert und seit Mai 1916 als vorzüglicher Reiter als Adjutant im Felde verwendet. Im Zuge des Rückzugs bei der Brussilow-Offensive im Juni 1916 bekam er die Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen. Anfang Juli 1916 wurde er vom Armeeoberkommando zwecks Ausbildung zum Beobachteroffizier an die Fliegeroffiziersschule in Wiener Neustadt beordert. Nach sehr gut abgelegter Prüfung wurde er im Oktober 1916 zur Flik 5 kommandiert, die in Nordostgalizien unter deutschem Kommando stand. In einem Einsatz am 3. März 1917 wurde er durch eine Infanteriekugel am Oberarm leicht verwundet. Meller leistete ausgezeichnete Aufklärungsdienste und erhielt am 11. März 1917 vom General der Kavallerie von Falkenhayn das Eiserne Kreuz II. Klasse und „wegen unerschrockener, trefflicher Geschützfeuer-Leitung trotz fortwährender Verfolgung durch feindliche Flieger“ das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und Schwertern, ferner das später eingeführte Kaiser-Karl-Truppenkreuz und ein Belobungsschreiben der Heeresgruppe Linsinger##? vom 23. Juni 1917, worauf er seinen ersten und einzigen Urlaub erhielt. Nachdem er um die Ausbildung zum Jagdflieger angesucht hatte, wurde er zur Flik 28 in der Nähe von Triest an die Isonzo-Front verlegt. Dort flog er öfters aushilfsweise als Beobachter und Bombenwerfer bei Seeflugzeugen und „machte den großen Bombenüberfall auf Venedig mit“. Am 3. September 1917 wurde Leutnant Meller zur Pilotenausbildung ins Wippachtal zur Flik 34 kommandiert und nach abgelegter Pilotenprüfung am 28. Oktober 1917 zur Flik 46 eingeteilt und rückte nach der 12. Isonzoschlacht mit dieser in Venezien ein.[2] Er diente als Feldpilot bei der Flik 5, 28, 34 und 46.[3]

Im Oktober 1916 kam Meller vom Lehrbataillon als Beobachteroffizier zur Flik 5. Im November 1916 Flugbericht, im März 1917 Flugzeugbeobachteroffizier, im Juni 1917 Belobung. Am 17. Juli 1917 kam er als Beobachteroffizier von der Flik 5 zur Flik 28[4]; im August 1917 erhielt er eine Belobung. Er ging am 24. September 1917 von der Flik 28 zur Flik 34, wurde im Oktober 1917 Feldpilot und ging als Feldpilot am 4. November 1917 zur Flik 46.[5] Am 23. Februar 1918 stürzte er beim Rückflug von einem Einsatz wegen Tragflügelbruchs am Flugfeld in Motta di Livenza tödlich ab.[6]

In den Innsbrucker Nachrichten hieß es u.a.: „Fliegertod eines Innsbruckers.“ Fliegerleutnant Richard Meller, Sohn des Staatsbahnrates d. R. Ing. Alfred Meller in Innsbruck, starb „im Welschland zwei Tage vor seinem 25. Lebensjahre“ den Heldentod.“[7] In der Todesanzeige für Richard Meller ließ seine Familie schreiben, dass er „Die höchste Ehre, den Heldentod für Germanen-Art“ gefunden habe. Seine aufgelisteten Auszeichnungen umfassten das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern, die Silberne Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes mit den Schwertern, die Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes mit den Schwertern und das Karl Truppenkreuz.[8]

Im Nachruf des k.u.k. Kommandos der Isonzoarmee wurde u.a. geschrieben:

„Am 23. Februar früh starteten Oblt. Strohschneider, Lt. Moerath, Lt. Meller, Lt. Gräser, Lt. Schrimpl zum Angriffsflug auf feindliche Infanterie. Die fünf Flieger gingen im Raume vor 2 eigenen Infanteriedivisionen auf Höhen von unter 20 m herab, beschossen mit MG alle besetzten Kampfgräben, die Reservestellungen, die Anmarschwege und führten hiedurch beim Feinde panikartige Wirkung und hohe Verluste herbei. […] Lt. Meller vollführte beim Rückflug eine scharfe Wendung, bei welcher – offenbar durch eine, dem Piloten nicht bekannte – im Kampfe zugezogenen Beschädigung das Flugzeug auseinanderbrach. Lt. Meller stürzte ab und erlitt den Heldentod.“[9]

Der Kommandant der Flik 46, Hauptmann Karl Banfield, schickte im Kondolenzschreiben eine Bilanz des Wirkens des toten Leutnants:

„Die Kompagnie und die Flieger der Isonzo-Armee verlieren im Leutnant Meller einen ihrer besten Kameraden und Piloten. Seine schneidigen Leistungen stehen einzig da, speziell hat er sich durch besondere Tollkühnheit und Schneid bei seinem letzten Flug ausgezeichnet. An die 100 schneidigen Aufklärungsflüge hat er durchgeführt und niemals konnte ihm weder Feind noch Wetter etwas anhaben. Durch einen unglücklichen Zufall musste er sein junges Leben lassen. Er stürzte beim Nehmen einer scharfen Kurve, bei welcher er den Apparat nicht mehr aufrichten konnte, ab. Er war sofort tot. Er wurde am 25. Februar unter den größten militärischen Ehren, wobei ihm der (sic) Jagdstaffel, mit dem er den letzten Feindesflug unternahm, fliegend das Ehrengeleite gab, in Cinto Caomaggiore Meller wurde am 25. Februar 1918 in Cinto Caomaggiore [östlich von Motta di Livenza] begraben.“[10]

Nachträglich wurde ihm „in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde taxfrei“ am 19. Juni 1918 der Orden der Eisernen Krone dritter Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern verliehen.[11]


[1] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[2] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 304.

[4] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 37.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 144.

[6] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 304.

[7] Innsbrucker Nachrichten, 28.2.1918, S. 3.

[8] Innsbrucker Nachrichten, 28.2.1918, S. 6.

[9] Richard Meller, in: Tiroler Ehrenbuch.

[10] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[11] Innsbrucker Nachrichten, 17.7.1918, S. 4; Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.