Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Oskar Knoll

von Nikolaus Hagen.

Über den Beobachteroffizier Oskar Knoll ist bislang nur weniges bekannt und manches noch rätselhaft. Einer Meldung der Innsbrucker Nachrichten vom 14. Februar 1918 zufolge, in der fälschlicherweise sein Tod verlautbart wurde, war Knoll ein gebürtiger Innsbrucker, der „lange Jahre als akad. Maler und Bildhauer in Berlin“ gewirkt hatte. In einem früheren Bericht, anlässlich einer Ausstellung zu Jahresende 1912, in der selben Zeitung erschienen, hieß es, Knoll sei „ein junger Innsbrucker, der, wie wir hören, die Münchener Akademie bald absolviert haben wird“. Die künstlerische Karriere scheint aber bald wieder eingeschlafen zu sein, denn weitere Meldungen fehlen.

Zum Familienhintergrund wissen wir bislang folgendes: Sein Vater, Moritz Knoll, kam Mitte der 1850er-Jahre zur Welt, und war am Ende seiner Karriere Inspektor der k.k. Staatsbahnen in Innsbruck. Er verstarb 1918. Die Mutter hieß Emma Knoll, geboren um 1854, und neben Oskar hatte das Paar auch noch einen zweiten, älteren Sohn namens Moritz. Eine ebenfalls ältere Schwester namens Emmy war bereits 1907 im 22. Lebensjahr an einer Krankheit verstorben. Oskar besuchte damals das Obergymnasium, vermutlich in Innsbruck, anschließend dürfte er in München oder Berlin Kunst studiert und in den 1910er-Jahren mit einzelnen Kunstwerken an Ausstellungen in seiner Heimatstadt teilgenommen haben. Seine Zeit in Deutschland ist bislang unerforscht.

Möglicherweise absolvierte Knoll noch vor Kriegsbeginn den Militärdienst als Einjährigfreiwilliger. In der Familie gab es jedenfalls eine militärische Tradition: Der Großvater väterlicherseits war Major gewesen, der ältere Bruder Moritz war bereits 1907 Leutnant im k.k. Landwehr Ulanen Regiment Nr. 2 und ein angeheirateter Onkel, Rudolf Kopatschek, war Hauptmann im 3. Tiroler Kaiserjägerregiment. Den Kriegsbeginn erlebte Oskar Knoll wohl mit dem Infanterieregiment Nr. 28. Im Mai 1915 wurde er zum Leutnant der Reserve ernannt, ein halbes Jahr darauf erhielt er das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration. Im Mai 1917 folgte die Beförderung zum Oberleutnant in der Reserve. Etwa um dieselbe Zeit dürfte er sich – wie alle Flieger freiwillig – zur Ausbildung als Beobachteroffizier gemeldet haben. Wahrscheinlich absolvierte er im Juni die Fliegeroffizierschule bei den Luftfahrersatztruppen. Am 10. Juli 1917 wurde er von dort in den zur Fliegerkompagnie 45 und damit zu den Luftfahrtruppen kommandiert.

Die Flik 45 war im Mai 1917 als Verstärkung an die Dolomitenfront verlegt worden und war am Flugfeld Bruneck stationiert. Die Divisionsfliegerkompagnie – der k.u.k. 11. Armee unterstellt – war mit fünf Hansa-Brandenburg C.I Aufklärern unterschiedlicher Serien ausgestattet und wurde von Feldpilot Rittmeister Stefan von Vuchetich kommandiert. Gegen Ende des Jahres wurde sie auf das Flugfeld Levico verlegt. Im November 1917 wurde Knoll offiziell zum Beobachter ernannt.

Falschmeldung in den Innsbrucker Nachrichten vom 16.2.1918

Am 30. Januar stiegen Knoll und Feldpilot Zugsführer Ernst Winkler zu einem Aufklärungsflug auf. Dabei wurden sie in einen Luftkampf verwickelt und abgeschossen. Für die eigenen Truppen, die nur den Niedergang des Apparats hinter den feindlichen Linien beobachteten, sah es wohl nach einem Totalverlust aus. Die Meldung vom Abschuss wurde auch rasch in Innsbruck bekannt und resultierte in der eingangs zitierten Falschmeldung vom „Fliegertod eines Innsbruckers“. Eine Gewissheit über das Schicksal der Besatzung gab es jedenfalls nicht. Als sein Vater Moritz Knoll im Juni 1918 verstarb, wurde der Sohn in der Trauerparte noch immer als „vermisst“ genannt. Tatsächlich waren Knoll und Winkler in italienische Kriegsgefangenschaft geraten. Allerdings kehrte Winkler erstaunlicherweise schon nach kurzer Zeit aus der Gefangenschaft zurück. Anfang April befand er sich in der Station Wiener Neustadt, von wo er am 8. des Monats desertierte.

Knoll kehrte nicht mehr zu den Luftfahrtruppen zurück. Wahrscheinlich blieb er den Rest des Krieges in italienischer Gefangenschaft und kam erst nach Kriegsende nach Innsbruck zurück. Im Jänner 1925 verstarb seine Mutter Emma Knoll im 71. Lebensjahr. Die Todesanzeige in den Innsbrucker Nachrichten stellt allerdings ein gewisses Rätsel dar. Den Tod gab „Major d. R. Mauritius Oskar Knoll“ im Namen aller Verwandten bekannt. War dieser Mauritius Oskar, der einzige in der Parte genannte Sohn, der Fliegeroffizier Oskar Knoll oder war es sein Bruder Moritz? Letzterer war, dem Innsbrucker Adressbuch zufolge, jedenfalls auch 1930 noch am Leben und dort als Rittmeister bezeichnet. Wenn es sich wirklich um Oskar Knoll handelte, dann wäre er offenbar noch zum Hauptmann und anschließend zum Major befördert worden.


Categories
Flieger der Woche

Hauptmann Max Perini

von Thomas Albrich

Als Leutnant wurde Max Perini vom Infanterie-Regiment 47 zur Pilotenausbildung beim Luftschifferkurs 1913 eingeladen, der vom 14. April bis zum 27. Oktober stattfand. Perini erhielt schon am 5. Juni 1913 das Pilotendiplom Nr. 104. Beim Besuch einer japanischen Militärmission bei der Luftschifferstation in Fischamend am 9. August 1913 führten zwei der neuen Piloten, der Bregenzer Oberleutnant Flatz und Leutnant Max Perini, bereits Schauflüge durch. Sie zeigten „einige prächtige Sturz- und Gleitflüge auf Etrich-Apparaten“. Mit 1. November 1913 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Max Perini in der Zwischenkriegszeit

Oberleutnant Max Perini war seit Kriegsbeginn 1914 wie sein Bruder Camillo als Flieger an der russischen Front im Einsatz. Er kann „den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, als erster im Kriege über das Land des Feindes geflogen zu sein“. Im Tiroler hieß es am 20. Oktober 1914: „Der Trientiner Fliegeroffizier Maximilian Perini wurde mit dem ‚Signum Laudis‘ mit der Kriegsdekoration und vom Deutschen Kaiser mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet.“

Ludwig Ecker berichtete Anfang April 1915 über den Einsatz der Flieger im Krieg gegen Russland, wobei er besonders auf Max Perini einging:

„Eine eigenartige Höchstleistung hält Oberleutnant Max Perini, ein Schüler des Höhenrekordmannes Blaschke, der in der Geschichte des österreichischen Flugwesens unvergänglich sein wird, wie alle, die damals mit dabei waren, als er am blauen Firmament verschwand, ihn nicht vergessen werden. ‚Maxl‘, wie ihn seine Fliegerkameraden nennen, und seine Kunst kenne ich aus eigener Erfahrung, als ich mit ihm 10 Minuten über dem Flugplatze einer eroberten Polenstadt in den Lüften weilte. Dort ist er der Liebling aller seiner Fliegerkollegen geworden, die ihn besonders wegen seiner unerschütterlichen Fliegertugend, seiner ganz grandiosen Ruhe in allen Lagen, bewundern. Einmal flog er über die Festung Iwangorod hinweg. Alle Geschütze richteten sich auf ihn. Er aber blieb seelenruhig und erzählt heute lächelnd davon, wie durch die Geschoßerschütterungen das Flugzeug tüchtig gebeutelt wurde. Damals brachte er stolz 17 Treffer heim. […] Als ich mit ihm zusammentraf, hatte er bereits 35 erfolgreiche Aufklärungsflüge hinter sich und hatte damals bereits 9000 Kilometer über Feindesland durchflogen.“

Max Perini von der Flik 7 wurde im Mai 1915 mit dem Militär Verdienstkreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet und ging am 10. Juni 1915 zurück zum Luftfahrarsenal. Erst nach dem vorangegangenen einjährigen Fronteinsatz erhielt er im September 1915 erneut das Feldpilotenabzeichen.

Im Februar 1916 kam er vom Luftfahrarsenal als Feldpilot zur Flik 21 und diente ab März 1916 bei der Flik 19. Im Mai 1916 wurde Max Perini zum Hauptmann befördert. Am 2. Juni 1916 betraute man ihn mit der Verlegung der Flik 28 nach Aisovizza. Nach Übergabe an Interimskommandant Oberleutnant Hartzer kam er zurück zur Flik 11 und wurde am 27. Juni 1916 als Kommandant zur Flik 31 kommandiert. Im November 1916 wurde er mit dem Militärverdienstkreuz ausgezeichnet, im Jänner 1917 erhielt er das dauernde Feldpilotenabzeichen. Am 19. April 1917 wurde er wieder ins Luftfahrarsenal versetzt.

Hauptmann Max Perini erhielt im Juni 1917 „in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern. Am 28. Juni 1917 kam er vom Luftfahrarsenal als Kommandant zur Flieger-Versuchsabteilung, der späteren Flik 70, zurück an die Front. Am 24. Mai 1918 ging er zur Fliegerersatztruppe, wo er wichtige und prestigeträchtige Aufgaben zu erfüllen hatte. Vom 9. bis 13. Juli 1918 fand beispielsweise unter seiner Leitung am Flugfeld Wien-Aspern ein Bewertungsfliegen statt, „um beim Bau neuer Jagdeinsitzer die Wünsche der Front mehr als bisher zu berücksichtigen“. Von den aktiven Frontoffizieren nahmen u.a. die Fliegerasse Hauptmann Karl Nikitsch, Oberleutnant Benno Fiala von Fernbrugg und Oberleutnant Frank Linke-Crawford am Fliegen diverser Modelle teil. Am 21. September 1918 ging Hauptmann Max Perini noch einmal als Kommandant-Feldpilot zur Flik 12 bis Kriegsende an die Front.

Max Perini blieb nach Kriegsende in Österreich und wurde Pilot bei den Phönix-Werken in Wien-Stadlau. Dort waren noch nach Kriegsende Jagdflugzeuge fertig gebaut worden, und die Direktion der Phönix-Werke suchte überall Abnehmer. Schweden interessierte sich für Jagdflugzeuge, und so wurde im Juni 1919, noch vor dem Vertrag von St. Germain, ein geheimes Unternehmen gestartet. Zwei Flugzeuge sollten nach Stockholm fliegen. Werkspilot Edmund Sparmann pilotierte den Phönix-Einsitzer der Type J 41 (D.III), Hauptmann Max Perini flog den Phönix-Zweisitzer C.I, der im Krieg als Kampf- und Aufklärungsflugzeug eingesetzt war. Am 12. Juni 1919 stiegen die beiden österreichischen Flieger vom Flugfeld Aspern zu ihrem ersten Etappenziel Kopenhagen auf. Bei einer Zwischenlandung in Berlin wurde Benzin getankt und nach kurzem Aufenthalt der Flug nach Kopenhagen fortgesetzt. Ein Telegramm aus Stockholm berichtete, dass die beiden Piloten von Kopenhagen die 550 Kilometer lange Strecke nach Stockholm in dreieinhalb Stunden bewältigten. Das entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 160 km/h. In Mamstätt bei Linköping war die vorgesehene Zwischenlandung, um die Flugzeuge Offizieren der schwedischen Militär-Flugzentrale vorzuführen. Die schwedischen Piloten waren von den beiden österreichischen Flugzeugen begeistert und so wurden Kauf- und Lizenzverträge abgeschlossen. 17 Phönix D III wurden nach Schweden verkauft. Als die Alliierte Kontroll-Kommission daranging, alle Flugzeuge in Österreich zu konfiszieren, wurden in den Phönix-Werken nur noch sieben Flugzeuge vorgefunden, die dann auf dem Flugfeld in Aspern vernichtet wurden. Die nach Schweden gelieferten Flugzeuge blieben bei der im Juli 1926 gegründeten schwedischen Luftwaffe bis nach 1930 im Dienst. Noch 1936 war eine D III als Wetterflugzeug im Einsatz. Heute steht eine Original Phönix D III im Luftwaffenmuseum in Mamstätt. Sie ist das einzige österreichisch-ungarische Marineflugzeug, das noch existiert.

Nach seiner Rückkehr nach Wien betätigte sich Max Perini zuerst als Leiter einer Autoreparaturwerkstätte. Schließlich kam er zu den Österreichischen Daimler Motoren AG in Wiener Neustadt, wo er als Leiter der Fertigmacherei sich rasch einarbeitete und größte Wertschätzung erwarb. Hauptmann Feldpilot a.D. Max Perini verunglückte am 28. Juni 1926 mit dem Auto auf der Fahrt von Wiener Neustadt nach Wien in der Traiskirchner Allee und starb zwei Tage später an den Folgen. Ein Jahr nach seinem Tod wurde der Leichnam Max Perinis auf Wunsch seiner Familie aus Baden bei Wien nach Pola überführt.


Categories
Flieger der Woche

Leutnant in der Reserve Richard Meller

von Thomas Albrich.

Leutnant in der Reserve Richard Meller, geboren am 26. Februar 1893 in Frankenmarkt, Oberösterreich, zuständig in Perchtoldsdorf, Student der Technischen Hochschule in Wien (Maschinen- und Schiffsbau). Er war der Sohn des Ing. Alfred Meller, Staatsbahnrat in Ruhe, und der Melanie, geborene Philipp. Meller war noch ledig und lebte in Innsbruck.[1]

Als Einjährig-Freiwilliger diente er ab 31. Juli 1914 zur Ausbildung bei der Landwehr-Feldhaubitzen-Division 46 in Olmütz und verließ die Artillerie-Einjährigen-Schule als Kadett im Jahre 1915 und kam zum Feldkanonen-Regiment 46 an die Front nach Wolhynien. Am 1. Februar 1916 wurde er zum Leutnant befördert und seit Mai 1916 als vorzüglicher Reiter als Adjutant im Felde verwendet. Im Zuge des Rückzugs bei der Brussilow-Offensive im Juni 1916 bekam er die Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen. Anfang Juli 1916 wurde er vom Armeeoberkommando zwecks Ausbildung zum Beobachteroffizier an die Fliegeroffiziersschule in Wiener Neustadt beordert. Nach sehr gut abgelegter Prüfung wurde er im Oktober 1916 zur Flik 5 kommandiert, die in Nordostgalizien unter deutschem Kommando stand. In einem Einsatz am 3. März 1917 wurde er durch eine Infanteriekugel am Oberarm leicht verwundet. Meller leistete ausgezeichnete Aufklärungsdienste und erhielt am 11. März 1917 vom General der Kavallerie von Falkenhayn das Eiserne Kreuz II. Klasse und „wegen unerschrockener, trefflicher Geschützfeuer-Leitung trotz fortwährender Verfolgung durch feindliche Flieger“ das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und Schwertern, ferner das später eingeführte Kaiser-Karl-Truppenkreuz und ein Belobungsschreiben der Heeresgruppe Linsinger##? vom 23. Juni 1917, worauf er seinen ersten und einzigen Urlaub erhielt. Nachdem er um die Ausbildung zum Jagdflieger angesucht hatte, wurde er zur Flik 28 in der Nähe von Triest an die Isonzo-Front verlegt. Dort flog er öfters aushilfsweise als Beobachter und Bombenwerfer bei Seeflugzeugen und „machte den großen Bombenüberfall auf Venedig mit“. Am 3. September 1917 wurde Leutnant Meller zur Pilotenausbildung ins Wippachtal zur Flik 34 kommandiert und nach abgelegter Pilotenprüfung am 28. Oktober 1917 zur Flik 46 eingeteilt und rückte nach der 12. Isonzoschlacht mit dieser in Venezien ein.[2] Er diente als Feldpilot bei der Flik 5, 28, 34 und 46.[3]

Im Oktober 1916 kam Meller vom Lehrbataillon als Beobachteroffizier zur Flik 5. Im November 1916 Flugbericht, im März 1917 Flugzeugbeobachteroffizier, im Juni 1917 Belobung. Am 17. Juli 1917 kam er als Beobachteroffizier von der Flik 5 zur Flik 28[4]; im August 1917 erhielt er eine Belobung. Er ging am 24. September 1917 von der Flik 28 zur Flik 34, wurde im Oktober 1917 Feldpilot und ging als Feldpilot am 4. November 1917 zur Flik 46.[5] Am 23. Februar 1918 stürzte er beim Rückflug von einem Einsatz wegen Tragflügelbruchs am Flugfeld in Motta di Livenza tödlich ab.[6]

In den Innsbrucker Nachrichten hieß es u.a.: „Fliegertod eines Innsbruckers.“ Fliegerleutnant Richard Meller, Sohn des Staatsbahnrates d. R. Ing. Alfred Meller in Innsbruck, starb „im Welschland zwei Tage vor seinem 25. Lebensjahre“ den Heldentod.“[7] In der Todesanzeige für Richard Meller ließ seine Familie schreiben, dass er „Die höchste Ehre, den Heldentod für Germanen-Art“ gefunden habe. Seine aufgelisteten Auszeichnungen umfassten das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern, die Silberne Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes mit den Schwertern, die Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes mit den Schwertern und das Karl Truppenkreuz.[8]

Im Nachruf des k.u.k. Kommandos der Isonzoarmee wurde u.a. geschrieben:

„Am 23. Februar früh starteten Oblt. Strohschneider, Lt. Moerath, Lt. Meller, Lt. Gräser, Lt. Schrimpl zum Angriffsflug auf feindliche Infanterie. Die fünf Flieger gingen im Raume vor 2 eigenen Infanteriedivisionen auf Höhen von unter 20 m herab, beschossen mit MG alle besetzten Kampfgräben, die Reservestellungen, die Anmarschwege und führten hiedurch beim Feinde panikartige Wirkung und hohe Verluste herbei. […] Lt. Meller vollführte beim Rückflug eine scharfe Wendung, bei welcher – offenbar durch eine, dem Piloten nicht bekannte – im Kampfe zugezogenen Beschädigung das Flugzeug auseinanderbrach. Lt. Meller stürzte ab und erlitt den Heldentod.“[9]

Der Kommandant der Flik 46, Hauptmann Karl Banfield, schickte im Kondolenzschreiben eine Bilanz des Wirkens des toten Leutnants:

„Die Kompagnie und die Flieger der Isonzo-Armee verlieren im Leutnant Meller einen ihrer besten Kameraden und Piloten. Seine schneidigen Leistungen stehen einzig da, speziell hat er sich durch besondere Tollkühnheit und Schneid bei seinem letzten Flug ausgezeichnet. An die 100 schneidigen Aufklärungsflüge hat er durchgeführt und niemals konnte ihm weder Feind noch Wetter etwas anhaben. Durch einen unglücklichen Zufall musste er sein junges Leben lassen. Er stürzte beim Nehmen einer scharfen Kurve, bei welcher er den Apparat nicht mehr aufrichten konnte, ab. Er war sofort tot. Er wurde am 25. Februar unter den größten militärischen Ehren, wobei ihm der (sic) Jagdstaffel, mit dem er den letzten Feindesflug unternahm, fliegend das Ehrengeleite gab, in Cinto Caomaggiore Meller wurde am 25. Februar 1918 in Cinto Caomaggiore [östlich von Motta di Livenza] begraben.“[10]

Nachträglich wurde ihm „in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde taxfrei“ am 19. Juni 1918 der Orden der Eisernen Krone dritter Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern verliehen.[11]


[1] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[2] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 304.

[4] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 37.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 144.

[6] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 304.

[7] Innsbrucker Nachrichten, 28.2.1918, S. 3.

[8] Innsbrucker Nachrichten, 28.2.1918, S. 6.

[9] Richard Meller, in: Tiroler Ehrenbuch.

[10] Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

[11] Innsbrucker Nachrichten, 17.7.1918, S. 4; Gedenkblatt Meller, Richard, in: Tiroler Ehrenbuch.

Categories
Flieger der Woche

Bootsmannsmaat Siegfried Schnetzer

von Stefan Stachniß.

Unter den bislang hier vorgestellten Fliegern nimmt Siegfried Schnetzer eine Sonderstellung ein. Wie die Bezeichnung seines Dienstgrades deutlich macht, war er Angehöriger der k.u.k. Kriegsmarine und der einzige Vorarlberger, der seinen Dienst als Pilot bei den k.u.k. Seefliegern absolvierte.

Siegfried Schnetzer wurde am 31. Dezember 1893 als Sohn des Stickers Gottfried Schnetzer und dessen Frau Katharina Keßler in Schlins geboren.[1] Er kam als Schiffsjunge nach Šibenik und besuchte dort die Matrosenschule. Während seiner Zeit bei der Marine erreichte er den Rang eines Bootsmannsmaats. Es darf angenommen werden, dass er bis zum Oberstabsbootsmann, dem höchsten Unteroffiziersrang, aufsteigen konnte.[2] Schnetzer diente auf dem Zerstörer SMS Lika bis zu dessen Untergang. Für seinen Dienst erhielt er Anfang des Jahres 1916 aufgrund tapferen Verhaltens während der Seeschlacht bei Durrës die kleine Silberne Tapferkeitsmedaille.[3] Dort versank die Lika durch die Detonationen zweier Seeminen, Schnetzer gelang es, sich mit einem Sprung ins Wasser zu retten. Nachdem „er sich mehrere Stunden schwimmend im offenen Meer über Wasser gehalten hatte“[4], wurde er gemeinsam mit weiteren Offizieren und Teilen der Mannschaft von der SMS Tátra aufgenommen.[5] Anschließend diente der Schlinser bis Kriegsende bei den k. u. k. Seefliegern. Ob er als Flieger im Fronteinsatz stand, konnte nicht geklärt werden, die Einteilung in der Flugstation Pola erscheint naheliegend.[6] Als gesichert gilt, dass Schnetzer bei den k. u. k. Seefliegern die Pilotenausbildung absolvierte und nach seiner Flugprüfung am 21. Juli 1918 das Diplom als Wasserflugzeugführer des Österreichischen Aero-Club mit der Nummer 127 erhielt.[7]

Nach dem Krieg war Schnetzer als Kinderbetreuer in der Entourage der ehemals kaiserlichen Familie tätig und begleitete für kurze Zeit Karl Habsburg und dessen Frau Zita nach Madeira ins Exil. Noch vor Karls Tod 1922 gelangte Schnetzer jedoch zurück nach Vorarlberg, wo er zunächst als Finanzwachaspirant im Grenzschutzdienst bei der Bodenseeflotte tätig war. Während eines Dienstes konnte er gemeinsam mit seinem Kollegen Franz Wallach am 30. Mai 1921 zwei Männer retten, die mit ihrem Segelboot aufgrund stürmischer Wetterbedingungen gekentert waren.[8] Danach führte er kurzzeitig mit seinem Bruder ein Unternehmen im Bereich Elektrotechnik ehe er Ende 1922 in die USA auswanderte.[9]

Am 8. Dezember 1922 hieß es unter Schlins und „Auswanderer“ im Vorarlberger Tagblatt:

„Gestern hat ein Sohn unserer Gemeinde, Herr Siegfried Schnetzer, Finanzwachbeamter in Bregenz, die Reise nach Newyork angetreten, um sich jenseits des großen Wassers ein Fortkommen zu suchen. In jungen Jahren ging Schnetzer zur Marine, besuchte in Sebenico die Matrosenschule und erreichte durch seine Tüchtigkeit die höchste Charge, die ein Schiffsjunge ohne nautische Schule erreichen kann. Während des Krieges befand sich Schnetzer auf dem Torpedobootzerstörer ‚Lika‘. Als dieses Schiff dann im Hafen von Antivari auf eine Mine stieß und unterging, rettete Schnetzer sein Leben durch einen kühnen Sprung ins Meer. Später ging Schnetzer zur Marine-Luftschiffabteilung und wurde Aviatiker. Nun will er im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten eine bessere Zukunft finden. Möge ihm das Schicksal im Lande des Dollar gnädig sein!“[10]

Nach zehn Monaten Aufenthalt in Hasbrouck Heights/New Jersey, kehrte er nach Schlins zurück, wo er bis zum 3. Juni 1924 verblieb, ehe er abermals in die USA reiste.[11] In seiner neuen Heimat New Jersey gründete er ein Unternehmen zur Herstellung von Flugzeugteilen. Außerdem war er maßgebliches Mitglied im Vorarlberger Klub von New Jersey. In Hasbrouck Heights heiratete er eine Amerikanerin, ihre Ehe blieb kinderlos. Nach einem Heimatbesuch im Jahr 1956 erkrankte Schnetzer schwer und verstarb unmittelbar nach der Rückkehr in die USA.[12]


[1] Tauf-, Trauungs- und Sterbebuch Schlins 1848-1900, [https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/vorarlberg/], eingesehen am 20.04.2020.

[2] Mitteilung von Martha Sutter-Ammann, Hinwil (Schweiz), o. D. GA Schlins.

[3] Grazer Tagblatt, 28.1.1916, S. 22.

[4] Vorarlberger Landes-Zeitung, 17.1.1924, S. 3.

[5] Mitteilung von Martha Sutter-Ammann, Hinwil (Schweiz), o. D., GA Schlins; vgl. dazu: Ryan K. Noppen, Austro-Hungarian Cruisers and Destroyers 1914-18, Oxford 2016, S. 26.

[6] Verzeichnis über die Kriegsteilnehmer von Schlins, 1921. VLA, ED 1, Verzeichnisse von Gemeinden über Kriegsteilnehmer 1914 bis 1918, Stand 1921.

[7] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs. Inhaber, Prüfer und Bedingungen (1910-1918), Wien 2019, S. 45.

[8] Vorarlberger Tagblatt, 1.6.1921, S. 2.

[9] Vorarlberger Tagblatt, 12.12.1922, S. 3.

[10] Vorarlberger Tagblatt, 12.12.1922, S. 3.

[11] Vorarlberger Tagblatt, 3.11.1923, S. 4; Vorarlberger Tagblatt, 21.6.1924, S. 4.

[12] Mitteilung von Martha Sutter-Ammann, Hinwil (Schweiz), o. D. GA Schlins.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Benno von Grabmayr

von Nikolaus Hagen.

Benno von Grabmayr zu Angerheim kam am 25. März 1885 in Meran zur Welt. Sein Vater war der aus Bozen stammende Rechtsanwalt Karl von Grabmayr, der 1892 als Vertreter des liberalen Großgrundbesitzes in den Tiroler Landtag gewählt wurde, später im Reichsrat und im Herrenhaus saß und schließlich 1913 zum Präsidenten des Reichsgerichts ernannt wurde. In seiner Geburtsstadt besuchte Benno Grabmayr das Obergymnasium und maturierte im Juni 1906.[1]

Benno von Grabmayr

Nachdem der Vater nach Wien übersiedelt war, folgte auch Benno von Grabmayr in die Reichshauptstadt und trat in den Staatsdienst ein. Im 1951 erschienenen Roman „Die Strudlhofstiege“ von Heimito von Doderer kommt Benno von Grabmayr als junger Beamter in Wien vor:

„… Später kam für einige Augenblicke Herr Benno von Grabmayr in Eile (der Sohn ‚Karls des Großen‘ – so wurde sein Vater genannt, der Herrenhausmitglied war); dieser Benno war kein Freund des Sitzens im Caféhaus: jetzt, kurz nach Büroschluß schon für’s Golf umgezogen, befand er sich auf dem Weg in die ‚Krieau‘, wo die Plätze lagen; und hier im Pucher wünschte er nur zu erfahren, wer morgen, Samstags, zu Stangeleres auf die Villa hinausfahren würde? […] ‚Der Grauermann wird sich mit der Etelka Stangeler verloben‘, sagte Grabmayr. Seine Sprache fiel aus dem Wienerischen dieser Gesellschaft etwas heraus. Den Konsonanten k in dem Eigennamen ‚Etelka‘ hatte er ganz tirolerisch hart gesprochen…“[2]

Zu Beginn des Weltkriegs diente Grabmayr als Leutnant der Reserve im Feldkanonenregiment 6. Kurz nach Kriegsbeginn wurde er zum Oberleutnant in der Reserve ernannt und erhielt im Oktober 1915 die Allerhöchste belobende Anerkennung für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde.[3] Anfang 1917 wurde er zur Beobachterausbildung in die Fliegeroffizierschule beordert. Mit 28. Februar 1917 wurde Grabmayr der Fliegerkompagnie 24 als Beobachteroffizier zugeteilt. Kurz darauf wurde er, während einer vorübergehenden Rückkehr in den Ministeriumsdienst, vom Hof- und Ministerialkonzipisten zum Hof- und Ministerialvizesekretär befördert.[4] Nur drei Monate später, am 25. Juni 1917 fiel Benno von Grabmayr im Luftkampf über Bassano durch einen Kopfschuss. Posthum erhielt er im September 1917 den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse verliehen.[5]


[1] Der Burggräfler, 24.6.1903, S. 6.

[2] Heimito von Doderer, Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, München 1995, S. 70.

[3] Wiener Zeitung, 12.10.1915, S. 4.

[4] Meraner Zeitung, 7.3.1917, S. 4.

[5] Veinfurter, Das fliegende Personal, S. 109 und 275; Ehrenbücher des Landes Tirol, 1. Weltkrieg, Grabmayr, Dr. Benno zu Angerheim

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Josef Stowasser

von Thomas Albrich.

Leutnant in der Reserve Josef Stowasser vom 2. Landesschützen- (später Kaiserschützen-) Regiment Bozen, geboren am 25. Juli 1894 in Kufstein als Sohn des Wenzel und der Lotte Stowasser, erhielt als Infanterist am 7. Juni 1916 „für tapferes Verhalten vor dem Feinde“ eine „Allerhöchste belobenden Anerkennung“.[1]

Im Juni 1917 meldete er sich bei den Fliegern und mit der Hilfe seines Bruders Jakob, der schon Flieger war, kam er ohne medizinische Untersuchung in der Fliegerschule Wiener Neustadt unter. Angeblich nach nur der halben Ausbildung meldete er sich bei den Kampfpiloten und wurde in Pergine an der Tiroler Front stationiert.[2] Tatsächlich kam Josef Stowasser am 31. August 1917 als Pilotenschüler von der Flet zur Flik 24 und war im Oktober 1917 noch immer Pilotenschüler. In dieser Zeit erlebte er eine Reihe von Abstürzen. Sein erster Absturz wurde durch einen Defekt ausgelöst. Er krachte in einen Baum und wurde aus dem Flugzeug geschleudert, ohne sich gröber zu verletzen. Im November 1917 wurde er dann zum Oberleutnant ernannt. Einen Monat später erfolgte bei einer Nachtlandung sein zweiter Absturz, wobei er wieder nur leichte Verletzungen erlitt.[3] Dramatisch die Darstellung im Tiroler Heldenbuch, die ziemlich unwahrscheinlich klingt: Er sei in einen Wirbelsturm gekommen, woraufhin er abstürzte und drei Tage bewusstlos liegen blieb. Wo das passierte, ist nicht bekannt. Ob er hinter den feindlichen oder hinter den eigenen Linien abstürzte: es bleibt fraglich, warum er drei Tage unentdeckt blieb.[4]

Er kam Anfang Februar 1918 von der Flik 24 zur Flik 21 und war dann auf Urlaub.[5] Stowasser besaß übrigens noch immer keinen Pilotenschein.[6] Nach Darstellung im Tiroler Heldenbuch wurde er im Jänner 1918 für dienstuntauglich erklärt. Darauf legte er Protest ein und kam am 16. März 1918 wieder für einen Aufklärungsflug zum Einsatz.[7] Am 18. März folgte sein letzter Flug, denn er wurde im Luftkampf bei Asiago von italienischen Fliegern tödlich getroffen. Er schaffte es noch, das Flugzeug hinter die eigenen Linien zu bringen und zu landen. Ein Satz des 23-jährigen Josef Stowasser kurz vor seinem Tod war bezeichnend für seine Einstellung:

„Meine lieben Eltern, ich in jung und ledig. Wir Deutsche müssen alles daran setzten, um zu siegen. Man darf nicht empfindlich sein, die Zeit ist zu kritisch.“[8]

Die erste Meldung des Abschusses erfolgte in einem Telegramm am 19. März 1918: Das Flugzeug 69.20 mit Pilot Oberleutnant Josef Stowasser, Flik 21, Beobachter Leutnant Karl Schäfer, wurde in einem Luftkampf über dem Monte Sisemol mit Sopwith abgeschossen. Stowasser wurde durch Schüsse in Hals und Brust verwundet. Schäfer übernahm nach dreimaligem Überschlagen des Flugzeugs die Führung desselben und landete im Walde südlich Monte Dorolo hinter den eigenen Linien. Der Pilot erlag seinen Verletzungen, der Beobachter blieb unverletzt.[9]

Sterbebildchen Josef Stowasser aus dem Tiroler Heldenbuch

Die Innsbrucker Nachrichten meldeten den Tod von Josef Stowasser am 23. März 1918:

„Heldentod eines Fliegers. Der Sohn der Privaten Wenzel und Lotte Stowasser in Natters Feldpilot Oberleutnant Josef Stowasser von einer Fliegerkomp. hat [am 16.3.1918] in Südtirol im Kampfe mit weit überlegenem Gegner den Tod gefunden. Sterbend brachte er sein Flugzeug hinter die eigenen Linien und verschied gleich nach der Landung auf einem Gletscher. Seine Leiche wurde zu Tal gebracht und bis zur Ueberführung nach Innsbruck provisorisch bestattet. Der Kaiser zeichnete den braven Flieger persönlich durch eine hohe Auszeichnung aus, die er aber nicht mehr lebend empfangen konnte.“[10]

Am 2. April 1918 erschien ein etwas ausführlicherer Bericht in den Innsbrucker Nachrichten:

„Zum Heldentod des Fliegeroberleutnants Josef Stowasser berichtet man uns noch: Die Leiche des Herrn Fliegeroberleutnants Josef Stowasser kann aus Gründen militärischer Natur dermalen nicht nach Innsbruck überführt werden. So ruhen seine Gebeine auf dem Militärfriedhofe Persen (Pergine), von wo aus er seinen letzten Flug über den Feind begonnen hatte. Er fiel als tapferer Held im Kampfe gegen eine fünffache feindliche Ueberlegenheit in der Nähe von Asiago, von mehreren Schüssen durchbohrt, am 18. März, vormittags 8 Uhr. Er lenkte das Flugzeug selbst, seine Ernennung zu [Feld]Piloten stand unmittelbar bevor. Der Tod muß unmittelbar eingetreten sein, gleich darauf überschlug sich das führerlose Flugzeug in der Luft. Sein Begleiter, der als Beobachter seinen Sitz hinter ihm hatte, brachte in Folge seiner bewunderungswürdigen Geistesgegenwart das Flugzeug trotz Verfolgung in einem Walde zum Landen und rettete so sich und die Leiche seines Führers vor der Gefangennahme und sicherem Verderben. Beide wurden mit dem Orden der Eisernen Krone [3. Klasse mit Kriegsdekoration und den] Schwertern ausgezeichnet, welche Belohnung Oberleutnant Stowasser leider nicht mehr als ein Lebender tragen konnte, so wurde sie ihm nebst den beiden Signum laudis und dem Karl-Truppen-Kreuz auf seinem letzten Gange vorangetragen. Oberleutnant Stowasser war nicht nur als Offizier, sondern auch als Mensch bei seinen Kameraden und Freunden beliebt, und wird ihnen in steter Erinnerung bleiben.“[11]

Zum Abschluss der Eintrag zu seinem Tod im Tiroler Heldenbuch:

„Am Vorabend seines Namenstages, 18. März 1918, erhielt er den Auftrag, die feindlichen Linien aufzuklären. Um 8 Uhr morgens stieg er mit 2 Begleitflugzeugen auf. Als er über die italienischen Stellungen kam, griff ihn eine große Anzahl feindlicher Flieger an, er erhielt gleich beim ersten Angriff 5 tödliche Schüsse: einen durch die Wirbelsäule, 2 in die Brust und 2 in den Unterleib. Unter Aufgebot aller Kräfte gelang es, mit Hilfe seines Beobachters Leutnant Schäfer, das Flugzeug noch hinter die eigenen Linien zu lenken, es landete auf einem Berge bei Asiago, wo Stowasser in den Armen seines Freundes und Begleiters verschied Die Leiche wurde nach Pergine überführt und dort auf dem Militär-Friedhof mit allen militärischen Ehren bestattet. Kaiser Karl selbst besuchte das Grab des toten Helden und legte persönlich den Orden der eisernen Krone III. Klasse darauf.“[12]

Erst posthum wurde er im April 1918 mit Wirkung vom 10. März 1918 zum Feldpiloten ernannt.[13]


[1] Fremden-Blatt, 7.6.1916, S. 3.

[2] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 109.

[4] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 109, 99.

[6] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 37.

[7] Veinfurter, Das fliegende Personal, S. 99.

[8] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[9] Luftstreitkräfte, Telegramm 19.3.1918. KA, Luftstreitkräfte, Frontlage Meldungen 1917/18, Karton 180, Front-Tagesmeldungen Gen. Inspektor, März 1918.

[10] Innsbrucker Nachrichten, 23.3.1918, S. 5.

[11] Innsbrucker Nachrichten, 2.4.1918, S. 3; ebd., 1.5.1918, S. 3.

[12] Tiroler Ehrenbuch, Gedenkblatt für Josef Stowasser.

[13] Veinfurter, Das fliegende Personal, S. 99.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Georg Altadonna

von Thomas Albrich.

Feldpilot Oberleutnant Georg (Giorgio Dario Maria) Altadonna, Sohn des Augusto Altadonna, später Oberlandesgerichtsrat in Innsbruck, und der Fosca Altadonna, geborene Taiti, wurde am 2. Februar 1891 in Rovereto im heutigen Trentino geboren und war nach Trient zuständig.[1] Er sprach Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch. Die Familie wohnte in der Glasmalereistraße 1 in Innsbruck. Altadonna war als Jus-Student im Wintersemester 1913/14 und im Sommersemester 1914 in Wien inskribiert.[2] Da er in Wien angab, im 7. bzw. 8. Semester zu sein, ist zu vermuten, dass er die ersten Semester in Innsbruck absolviert hatte. Altadonna, gemustert 1911, wurde am 1. Jänner 1913 zum Kadetten in der Reserve beim Feldjägerbataillon 28 ernannt,[3] ließ sich während des Krieges aktivieren und war ab 1. März 1915 Leutnant in der Reserve beim Feldjägerbataillon 28.[4] Am 20. Mai 1915 wurde er verwundet, und am 15. August wurde ihm für tapferes Verhalten vor dem Feind die „Allerhöchste belobende Anerkennung“ ausgesprochen.[5]

Am 20. September 1915 kam er als Beobachteroffizier zur Flik 1 an die russische Front. Doch schon zwei Monate später schien seine Fliegerkarriere beendet zu sein. Am 20. November schrieb sein Kommandant Hauptmann Otto Jindra, ein Fliegerass, einen vernichtenden Bericht über den neuen Beobachteroffizier. Georg Altadonna sei zu

„gleichgültig, um je ein guter Beobachter zu werden. Er übersieht sehr viel, zeichnet sich während des Fluges nicht Alles ein, Vieles falsch und vergisst bei der Meldung oft sehr Wesentliches. Auch er bedarf außerdienstlich steter Aufsicht und es waren […] wiederholt Anstände. Ich bitte um die Enthebung von Lt. i. d. Res. Altadonna von seiner Kommandierung zu den Luftfahrtruppen“.[6]

Am 29. November 1915 sollte er daher strafweise zurück zum Feldjägerbataillon 28, seinem Stammtruppenteil.[7] Hauptmann Jindra revidierte jedoch bis zum 12. Dezember 1915 seine Meinung grundlegend: Seit dem ersten Bericht habe sich Leutnant in der Reserve Altadonna „wesentlich zu seinem Vorteil geändert. Seine wiederholt und mit Nachdruck gerügte Gleichgültigkeit hat endlich der nötigen Ambition und pflichtgemässen (sic) Genauigkeit Platz gemacht.“ Hauptmann Jindra bat um die Erlaubnis, Altadonna noch vier Wochen erproben zu dürfen. „In dieser Zeit wird es sich verlässlich erkennen lassen, ob es sich um eine gründliche und bleibende Besserung handelt, oder ob die Besserung nur aus Furcht vor der Enthebung eingetreten ist.“[8] Am 15. Jänner 1916 schrieb Jindra einen weiteren Brief ans Kommando der Luftfahrtruppen, in dem er betonte, Leutnant Altadonna sei

„durch seine Abkommandierung von den LFT [Luftfahrtruppen] besonders hart getroffen, weil er seit seiner erfolgreichen Verwendung ein ambitionierter Flieger mit Leib und Seele ist, er ist von unserer Waffe jetzt so begeistert, dass er sich auf 3 Jahre aktivieren lassen will, trotzdem er als vorzüglich absolvierter Jurist im Zivil sehr gute Aussichten hat. Es ist in einem ganzen Jahr das erstemal, dass sich das Kompagniekommando in der Beurteilung eines Offiziers geirrt hat, Lt. Altadonna ist ein sehr guter Beobachter geworden […]“

Jindra bat, seinen Fehler den Leutnant Altadonna nicht „in so empfindlicher Weise büssen zu lassen und denselben bei den Luftfahrtruppen zu belassen“[9] und hatte Erfolg damit.

Altadonna durfte bei den Luftfahrtruppen bleiben und wurde Anfang Februar 1916 als Beobachteroffizier zur Flik 4 an die Isonzofront versetzt. Im Juni 1916 kam er für die Piloten-Ausbildung zur Luftfahrersatztruppe[10], und schon am 24. August wurde Leutnant Altadonna in „Anerkennung tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet.[11] Seinen Pilotenschein Nr. 476 erhielt er am 16. Oktober 1916,[12] im November wurde er zum Oberleutnant befördert.[13]

Sein Piloteneinsatz begann im Jänner 1917, als er Feldpilot wurde und im Februar das Feldpilotenabzeichen erhielt.[14] Vom 27. Jänner bis zum 12. September 1917 war Altadonna als Feldpilot in der Flik 40D an der russischen Front bei der k.u.k. 7. Armee in der Bukowina eingesetzt.[15] Am 30. August 1917 berichteten zwei russische Piloten, dass sie über Islovaz einen k.u.k. Aufklärer vom Typ Hansa Brandenburg sahen. Nach einem gemeinsamen Angriff zog die Hansa Brandenburg eine Rauchschwade hinter sich her und konnte auf österreichischer Seite der Front landen. Reservepilot Oberleutnant Georg Altadonna und sein Beobachteroffizier Oberleutnant Adalbert (Béla) Kuncze überlebten die Aktion unverletzt.[16]

Am 12. September 1917 erzielte Altadonna, erneut mit dem Beobachter Kuncze, mit dem Hansa-Brandenburg C.I (169) seinen zweiten Luftsieg. Beim Rückflug von der Nahaufklärung über Scherbautz in der südlichen Bukowina wurden sie etwa 10 km hinter der Front von drei russischen Nieuport angegriffen. Ein Angreifer wurde mit gezielten Schüssen aus dem MG bei Keschwana zum Absturz gebracht. Unmittelbar danach schoss ein SPAD-Jäger von vorne auf Altadonna, verletzte ihn mit einem Streifschuss am Hals und traf den Motor. Trotzdem konnte er bei Radautz notlanden.[17] Bei Victor Kulikov wird Altadonna ebenfalls im Zusammenhang mit diesem Angriff russischer Flieger im Jahre 1917 erwähnt.[18] Beim Belohnungsantrag hieß es: Oberleutnant Altadonna „ist ein äußerst pflichtbewußter schneidiger Pilot und hat 78 erfolgreiche Feindesflüge und 2 Luftsiege (nördlicher Kriegsschauplatz).“[19] Noch im Jänner 1918 wurde er „in Anerkennung hervorragend tapferen Verhaltens als Flieger vor dem Feinde“ mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse für Offiziere ausgezeichnet.[20]

Im Dezember 1917 wurde Altadonna vorübergehend als Kommandant der Flik 49D, die in Navole stationiert war, der k.u.k. Isonzoarmee zugeteilt,[21] als Kommandant Rittmeister Andreas Kammerer beurlaubt war.[22] Am 16. Jänner 1918 kam Altadonna zurück zur Flik 40, ab 12. April war er beim Kommandanten der Luftfahrtruppen beim Kommando der Isonzoarmee (Koluft KISA) zugeteilt. Im Mai war er wieder bei der Flik 49, wie aus einem Unfallbericht hervorgeht: Das Flugzeug 26949 mit Oberleutnant Altadonna und Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve Johann Prezeler [Pressler] von der Flik 49 musste im Mai 1918 wegen Bruch sämtlicher drei Propellerbefestigungsschrauben auf dem eigenen Flugfeld notlanden.[23] Altadonna blieb bis Kriegsende bei den Luftfahrtruppen.[24]

Nach dem Krieg beendete Altadonna sein Studium in Innsbruck. Er blieb bis zu seinem Lebensende in Innsbruck und verstarb 1971.


[1] Datenbank Nati in Trentino 1815–1823. Provincia Autonoma di Trento.

[2] Nationale der Juridischen Fakultät, WS 1913/14 und SS 1914. Archiv der Universität Wien.

[3] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.1.1913, S. 34.

[4] Ranglisten des Kaiserlich und Königlichen Heere 1916, Wien 1916, S. 185 und 514.

[5] Neue Freie Presse, 3.8.1915, S. 18.

[6] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 20.11.1915. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[7] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 19.

[8] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 11.12.1915. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[9] Hauptmann Otto Jindra, Flik 1, an den Kommandanten der Luftfahrtruppen, 15.1.1916. Ebd.

[10] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 32.

[11] Wiener Zeitung, 1.9.1916, S. 2.

[12] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 22.

[13] Neue Freie Presse, 13.11.1916, S. 6.

[14] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 161.

[15] ÖStA, KA, Luftfahrtruppen, Altadonna, Georg, Offizierskartothek, Karton 1, A-F, Akt Nr. 26, S. 2.

[16] Victor Kulikov, Russian Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 111), Oxford 2013, o.S.

[17] Karl Meindl, Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppen. Russische Front 1917-1918 (öfh nachrichten, Sonderheft 29), Wien 2002, S. 98; Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 256.

[18] Victor Kulikov, Russian Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 111), Oxford 2013, o.S.

[19] Hauptmann Viktor Seebauer, Kommandant der Flik 40, Belohnungsantrag für Georg Altadonna, 11.11.1917. ÖStA, KA, Personalakten, Altadonna Georg.

[20] Wiener Zeitung, 13.1.1918, S. 2; Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 161.

[21] Paolo Variale, Austro-Hungarian Albatros Aces of World War 1 (Osprey Aircraft Aces, 110), Oxford 2012, S. 20.

[22] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 256.

[23] Luftstreitkräfte, Telegramm 24.5.1918. ÖStA, KA, Luftstreitkräfte, Frontlage Meldungen 1917/18, Karton 180, Front-Tagesmeldungen Gen. Inspektor, Mai 1918.

[24] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 188.

Categories
Flieger der Woche

Zugsführer Rudolf Tandler

von Stefan Stachniß.

Rudolf Tandler wurde im Jahr 1888 geboren. Seit 1911 war er als Chefmonteur im Dornbirner Elektrizitätswerk tätig und wohnte an der Adresse Grabenweg 3. Während des Ersten Weltkriegs war Tandler dem Festungsartilleriebataillon 5 zugeteilt. Er meldete sich dann zu den Luftfahrtruppen und kam vermutlich 1917 zur Ausbildung zu den Fliegerersatztruppen.[1] 1917 absolvierte er die Ausbildung zum Feldpiloten und am 5. Jänner 1918 erlangte er das österreichische Fliegerdiplom Nummer 937.[2] Noch im selben Monat kam Tandler zur Fliegerkompanie 21D.

Die Divisions-Kompanie war für die Artillerieaufklärung, Infanterieunterstützung und Frontbeobachtung im näheren Bereich zuständig. Sie war an der Tiroler Front als Teil der 11. Armee in Gardolo bei Trient und anschließend in Pergine in der Valsugana stationiert.[3] Bei der Fliegerkompagnie 21D verdiente sich Tandler aufgrund seiner Leistungen die große und kleine Silberne und die Bronzene Tapferkeitsmedaille sowie das Karl-Truppenkreuz. Der Feldpilot fand einen Monat vor Kriegsende ein tragisches Ende, als er am 3. Oktober 1918, gemeinsam mit seinem Begleiter, dem Beobachteroffizier Oberleutnant Franz Hötzeneder, im Luftkampf bei Asiago von einem feindlichen Flieger abgeschossen wurde. Die beiden Soldaten des österreichisch-ungarischen Aufklärungsflugzeugs überlebten den Absturz nicht.[4] Rudolf Tandler wurde auf dem Heldenfriedhof in Pergine beerdigt.

Vorarlberger Volksfreund, 22. Oktober 1918. [Bericht enthält Druckfehler und ist fälschlicherweise auf den 27. Oktober vordatiert.]

Tandler ist im Dornbirner Familienbuch nicht verzeichnet, wohl aber im Verzeichnis der Dornbirner Kriegsteilnehmer. Bislang ist unbekannt, wo Rudolf Tandler geboren und aufgewachsen ist, und welche Ausbildung er absolvierte. Auch über mögliche Verwandte und Angehörige wissen wir nichts. Sollten Sie Hinweise zu Tandler haben, bitten wir Sie darum, uns zu kontaktieren.


[1] Verzeichnis über die Kriegsteilnehmer Dornbirns, 1921. VLA, ED 1, Verzeichnisse von Gemeinden über Kriegsteilnehmer 1914 bis 1918, Stand 1921, siehe auch: Vorarlberger Volksfreund, 22.10.1918, S. 4; vgl. dazu: Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 101, 334.

[2] Keimel, Österreichs Luftfahrzeuge, S. 391.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 101, 334; vgl. dazu: Hauke/Schroeder/Tötschinger, Flugzeuge, S. 136, 139.

[4] Innsbrucker Nachrichten, 25.10.1918, S. 3, siehe auch: Innsbrucker Nachrichten, 28.10.1918, S. 3; vgl. dazu: Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 101.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Jakob Stowasser

von Thomas Albrich.

Kommandant Feldpilot Oberleutnant Jakob Stowasser, geboren 6. Jänner 1891 in Kufstein als Sohn von Wenzel und Lotte Stowasser, war zuständig nach Kufstein. Seine Eltern wohnten während des Ersten Weltkrieges zuerst in der Reichenauerstraße 36 in Innsbruck, danach in der Karmelitergasse 10/II. Er war der ältere Bruder von Josef Stowasser, ebenfalls ein Flieger. Beide Brüder sind laut den Quellen in Kufstein geboren, obwohl das aus den Kufsteiner Taufbüchern nicht hervorgeht. Bei der Musterung 1912 wurde Jakob Stowasser tauglich geschrieben und dem Infanterie-Regiment 73 zugeteilt. Im Laufe des Kriegs diente er bei der Flik 9, 64, 13, 64 und 6 (zugeteilt).[1]

Jakob Stowasser war von der Mobilisierung 1914 bis April 1916 mit dem Infanterie-Regiment 73 im Felde. Am 4. März 1916 wurde er zum Leutnant befördert.[2] Aus dem Meldegrundbuch Innsbruck ist zu entnehmen, dass er am 21. März 1916 von Prag zu seinem Vater Wenzel in die Innsbrucker Reichenau gezogen ist. Am 8. April 1916 wird die Einberufung von Leutnant Jakob Stowasser in die Luftfahrschule bekanntgegeben.[3] Am 8. Mai 1916 wurde seine Ernennung zum Oberleutnant bekannt gegeben.[4] Er kam im Juni 1916 als Beobachteroffizier vom Lehrbataillon zur Flik 9.[5]

Am 5. Oktober 1916 erzielte Oberleutnant Jakob Stowasser seinen ersten Luftsieg als Beobachter bei der Flik 9, die der Deutschen Südarmee in Ostgalizien unterstellt war. Sein Pilot war Zugsführer Franz Németh im Hansa-Brandenburg C.I (64.30). Beim Rückflug von einem Fernaufklärungsflug wurde die Maschine über Litiatyn von einem russischen Voisin-Aufklärer angegriffen. Der Angreifer musste nach Treffern hinter den feindlichen Linien notlanden.[6]

Am 27. November 1916 wurde Oberleutnant Jakob Stowasser für die Pilotenausbildung von der Flik 9 zur Luftfahrersatztruppe versetzt.[7] Am 23. Dezember 1916 erhielt er „für tapferes Verhalten als Flieger vor dem Feinde“ eine „Allerhöchste belobende Anerkennung“.[8] Im Februar 1917 wurde „neuerlich die Allerhöchste belobende Anerkennung für tapferes Verhalten als Flieger vor dem Feinde dem Oberleutnant Jakob Stowasser des Infanterieregiments Nr. 73“ ausgesprochen.[9] Am 12. März 1917 wurde er zum Flugschüler ernannt, am 15. Juni 1917 zwecks Ausbildung auf Kampfdoppeldecker (KD) zur Fliegerersatzkompagnie 8 transferiert. Am 12. Juli 1917 kam er als Offizier-Pilot zur Flik 64 an die albanische Front.[10] Er hatte aber keinen Pilotenschein bekommen![11] Am 30. März 1918 wurde er zum Kommandanten der Flik 64F ernannt. Im Juli 1918 wurde er aus unbekannten Gründen auf drei Wochen zu den Flieger-Ersatztruppen kommandiert. Ab dem 19. August 1918 bis Oktober war er Interimskommandant der Flik 13J. Ab dem 19. August 1918 war bis Oktober als Interimskommandant bei der Flik 13J, absolvierte auch einen Flug bei der Flik 6. Im Oktober 1918 kam er als Kommandant zurück zur Flik 64 und blieb bis Kriegsende.

Von November 1918 bis September 1919 im Flieger Arsenal bei der Elektro Abteilung.[12] Bis 1. Jänner 1919 hatte er eine Gesamtdienstzeit 7 Jahren, war kriegsdiensttauglich und heimatzuständig in Innsbruck.[13]

Sein weiteres Leben nach 1919 ist bislang unerforscht. Sollten Sie Informationen und Hinweise dazu besitzen, dann kontaktieren Sie uns bitte.


[1] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 332.

[2] Fremden-Blatt, 4.3.1916, S. 13.

[3] Fremden-Blatt, 8.4.1916, S. 3.

[4] Pester Lloyd, 8.5.1916, S. 4.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 53.

[6] Meindl, Russische Front 1914-1916, S. 84.

[7] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 53.

[8] Fremden-Blatt, 23.12.1916, S. 14.

[9] Wiener Zeitung, 9.2.1917, S. 4.

[10] Kommando der k.u.k. Luftfahrtruppen, Karte Stowasser, Jakob. ÖStA, KA, Luftfahrtruppen.

[11] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des Österreichischen Aero-Clubs, Wien 2019, S. 37.

[12] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 226 und 332.

[13] Personaldaten 1916, Stowasser, Jakob. ÖStA, KA, Luftfahrtruppen, Personalakt Stowasser, Jakob.

Categories
Flieger der Woche

Oberleutnant Emil Kieser

von Nikolaus Hagen.

Emil Johann Kieser kam am 24. Juni 1888 in Meran als Sohn des Ingenieurs Johann (Hans) Kieser und der Hedwig Jud zur Welt. Einige Tage darauf, am 29. Juni, wurde er in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Nikolaus getauft. Die Familie lebte damals in der Meraner Laubengasse im Haus Berglauben Nr. 40.[1]

In seiner Geburtsstadt besuchte Kieser die Knabenvolksschule. Einer seiner damaligen Mitschüler war der spätere Prähistoriker und zeitweilige NS-Unterrichtsminister Oswald Menghin.[2] Im Juni 1907 legte er am Meraner k.k. Obergymnasium die Matura ab.[3] Anschließend leistete Kieser den Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei den Tiroler Kaiserjägern. Anfang 1909 avancierte er zum Reserve-Fähnrich des 3. Tiroler Kaiserjägerregiments.[4] Mit 1. Jänner 1913 wurde er zum Leutnant in der Reserve ernannt.[5] Nach dem Militärdienst studierte er in Innsbruck Rechtswissenschaften und promovierte Ende Februar 1913 zum Doktor der Rechte.[6] Anschließend begann er die Ausbildung zum Rechtsanwaltsanwärter in seiner Heimatstadt Meran.

Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs rückte Kieser zu seiner Stammtruppe, dem 3. Tiroler Kaiserjägerregiment ein. Im September 1914 wurde er das erste Mal verwundert und kam zuerst nach Wien[7] und dann zum Erholungsurlaub zurück nach Tirol:

„Aus Meran wird uns geschrieben: In Meran sind in den letzten Tagen verwundet oder krank eingetroffen. […] KJ.-Reserveleutnant Emil Kieser, Schußverletzung (Meran)“[8]

Im Juli 1915 wurde er erneut verwundet.[9] Mit 1. September 1915 avancierte Kieser zum Oberleutnant in der Reserve.

Ende Mai 1916 wurde Kieser zur Ausbildung als Beobachteroffizier zu den Luftfahrtruppen kommandiert. Im Juli 1916 absolvierte er die Ausbildung bei der Flosch. Am 11. Oktober erfolgte die Einteilung als Beobachter bei der Flik 36.[10] Diese Flik war Ende 1916 der (deutschen) Heeresgruppe Generalfeldmarschall von Mackensen unterstellt und an der Rumänischen Front eingesetzt. 1917 wurde sie Teil der (deutschen) 9. Armee an derselben Front.[11]

Kieser wurde wiederholt sehr positiv beurteilt; er sei „zum Feldpiloten sehr geeignet“ hieß es in den Monatsberichten der Flik 36 regelmäßig.[12] Im Novemberbericht 1917 wurde er sogar als „zum Jagdflieger besonders geeignet“ bezeichnet. Nachdem Kieser bis dahin stets „Doppelaufstiege“ absolviert hatte, das heißt als Beobachter mit einem anderen Piloten geflogen war, begann er Anfang 1918 allein zu fliegen. Im Februar 1918 verzeichnete er bereits 15 Soloaufstiege. Ab diesem Zeitpunkt wurde er als Pilotenführer und Beobachter geführt. Die Ausbildung zum Piloten hatte er offenbar im Felde absolviert. Im Mai/Juni 1918 wurde Kieser als Lehrer zur Flosch transferiert, wo er bis Kriegsende verblieb.[13] Zuvor war er im September noch zum Feldpiloten ernannt worden.

Im Laufe des Krieges erhielt Emil Kieser zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Karl Truppenkreuz, das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und Schwertern, zweimal die Militärverdienstmedaille in Silber (Signum Laudis), einmal in Bronze mit Schwertern sowie das Eiserne Kreuz 2. Klasse.[14]

Nach dem Krieg heiratete Kieser. Vermutlich lebte er in Wien und verstarb 1946.


[1] Taufbuch 1798–1898, Katholische Kirche St. Nikolaus, Meran, fol. 49, Nr. 105.

[2] Meraner Zeitung, 29.6.1898, S. 3.

[3] Meraner Zeitung, 26.6.1907, S. 8.

[4] Meraner Zeitung, 6.1.1909, S. 2.

[5] OeStA, KA, LFT Offizierskartothek, Kieser Emil.

[6] Meraner Zeitung, 23.2.1913, S. 24.

[7] Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 17.9.1914, S. 6.

[8] Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 28.10.1914, S. 9.

[9] Innsbrucker Nachrichten, 2.7.1915, S. 6.

[10] OeStA, KA, LFT Offizierskartothek, Kieser Emil. Siehe auch Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 151.

[11] Karl Meindl, Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppe, Rumänische Front 1916 – 1917 (öfh nachrichten Sonderheft 27), Wien 2001, S. 7–9.

[12] OeStA, KA, LFT, Kt. 185, Monatsberichte der Flik 36.

[13] OeStA, KA, LFT Offizierskartothek, Kieser Emil.

[14] OeStA, KA, LFT, Personalakt Emil Kieser.