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Flieger der Woche

Stabsfeldwebel Josef Schmid

von Thomas Albrich

Der letzte Flieger der Woche des Jahres 2020 ist Josef Schmid, als Sohn von Georg und Katharina Schmid aus Sigmarszell am 5. Oktober 1894 in Lauterach geboren.[1]

Seit dem 25. November 1916 war Schmid bei den Fliegerersatztruppen zur Ausbildung im Einsatz[2] und kam im April 1917 zur Fliegerkompagnie 3 an die russische Front und wurde dort zum Korporal Feldpilot ernannt.[3]

Am 18. Mai 1917 überstand Schmid einen harten einstündigen Luftkampf mit drei Gegnern. Dabei erlitt er einen Schrapnell-Durchschuss unterhalb des rechten Knies, konnte aber dennoch weiterhin seinen Dienst verrichten. Das Armeeoberkommando honorierte sein tapferes Verhalten mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse.

Am 22. Juni 1917 ergänzte sich seine Sammlung von Orden um die Goldene Tapferkeitsmedaille. Anlass war ein Aufklärungs-Fernflug am 1. Juni 1917. Das Flugzeug erhielt in 2.500 m einen Volltreffer durch die Flak, das Bein des Piloten Josef Schmid wurde durch den Zünder zerschmettert. Er steuerte trotz hohem Blutverlust das Flugzeug im Gleitflug sicher zurück zum eigenen Flugfeld.[4] Wegen seiner Verletzung musste ihm das rechte Bein amputiert werden.[5] Josef Schmid starb am 21. November 1947 in Bregenz.[6]


[1] Er wird in den Quellen auf unterschiedliche Art geschrieben. So finden sich „Joseph“ oder „Josef“, sowie „Schmidt“ oder „Schmid“. Im Weiteren wird die Schreibweise aus dem Taufbuch Joseph Schmid verwendet. Lauteracher Taufbuch 1876–1911, [http://www.vla.findbuch.net], online eingesehen am 20.6.2018.

[2] VLA, P 1894-Schm4, Schmid Josef.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 28.

[4] Richard Benzer, Vorarlbergs Blutopfer im ersten Weltkrieg (1914–1918), Innsbruck 1965, S. 82 f.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 28.

[6] Lauteracher Taufbuch 1876–1911, [http://www.vla.findbuch.net], online eingesehen am 20.06.2018.

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Flieger der Woche

Stabsfeldwebel Eugen Bösch

von Stefan Stachniß.

Einer der erfolgreichsten Vorarlberger Piloten war Eugen Bösch aus Lustenau.[1] Bösch wurde am 19. Juli 1894 als ältestes Kind von Josef August Bösch und Elisabetha Rümmele in Dornbirn geboren.[2] Am 21. September 1914 meldete er sich freiwillig für drei Jahre Aktivdienst und sieben Jahre in der Reserve. Zu Beginn seiner militärischen Laufbahn wurde der gelernte Mechaniker einem Telegraphenregiment zugeteilt. Die Angaben im Haupt-Grundbuchsblatt beschreiben den Lustenauer folgendermaßen: Bösch hatte braune Haare, graue Augen, braune Augenbrauen, eine gewöhnliche Nase, einen proportionierten Mund, ein rundes Kinn und ein längliches Gesicht. Außerdem war er gänzlich gesund sowie geimpft, 1,78 Meter groß, konnte keine Fremdsprache, war römisch-katholisch und zum Zeitpunkt der Musterung ledig. Zunächst wurde Eugen Bösch als Pionier nach St. Pölten beordert, ehe er im November 1914 seinen Dienst als Luftschiffersoldat aufnahm.[3]

Für das erste Dienstjahr sind keine Veränderungen in seiner militärischen Laufbahn verzeichnet. Im September 1915 kam er nach Fischamend zu den Fliegerersatztruppen und begann dort die Pilotenausbildung,[4] die er im Laufe des Jahres 1916 abschloss, worauf er bei der Fliegerkompanie (Flik) 12 an der Italienfront eingesetzt wurde. Im Jahr 1916 erhielt der Lustenauer zwei Beförderungen, zuerst zum Gefreiten und etwas später zum Korporal. Anfang 1917 wurde ihm die Kleine Silberne Tapferkeitsmedaille verliehen und er selber zum Feldpiloten ernannt. Im selben Monat bekam er das Feldpilotenabzeichen, das jedoch auf die Dauer eines Jahres beschränkt war. Am 20. März 1917 wurde er zum Zugsführer befördert und am 1. April wurde er mit der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.[5]

Noch im selben Monat errang Eugen Bösch gemeinsam mit dem Offiziersbeobachter Alfons Janous, einem Leutnant der Reserve, während eines Aufklärungsfluges einen Luftsieg. Der Flugapparat der Flik 12 wurde am 13. April 1917 von zwei Nieuport-Einsitzern und einem Farman-Doppelsitzer über dem Stol, einem Berg im heutigen Slowenien, angegriffen. Bösch, der einen Hansa-Brandenburg C.I (129.04) steuerte, schoss mit seinem nach vorne gerichteten Maschinengewehr auf den gegnerischen Farman, sodass dieser brennend zwischen Ranziano und Dornberg abstürzte. Laut Heeresbericht vom 14. April überlebten die Insassen des italienischen Flugzeugs, Pilot Davide de Luca und Beobachter Giuseppe Balestrini, den Absturz nicht.[6] Die beiden italienischen Militärs der 36. Squadriglia Ricognizione erhielten von den österreichischen Truppen ein Begräbnis mit allen Ehren. Das Armeeoberkommando lobte die Leistungen des Vorarlberger Piloten im Telegramm vom 14. April 1917:

„Ich spreche dem Zugsführer Eugen Bösch der Flik 12 der gestern einen feindlichen Farmanapparat im Luftkampf abschoss, die belobende Anerkennung des Armeeoberkommandos aus. Boroević, General-Oberst.“[7]

Für sein tapferes Verhalten vor dem Feind erhielt er zunächst im Juni 1917 die Bronzene und später am 26. März 1918 die Goldene Tapferkeitsmedaille.[8]

Anfang 1918 wurde Bösch zum Feldwebel befördert und erhielt das Feldpilotenabzeichen dauerhaft. Bis Ende April verblieb er wohl noch bei der Flik 12, danach wurde er als Fluglehrer in die Feldfliegerschule Abschnitt Udine versetzt und am 26. Oktober 1918 zum Stabsfeldwebel befördert. Anfang November versetzte man ihn zur Fliegerersatztruppe nach Wiener Neustadt, wo er über das Kriegsende hinaus bis zum Ende des Jahres 1919 diente.[9] Das Fliegerdiplom des Österreichischen Aero-Clubs mit Nummer 2679 erhielt der Lustenauer erstaunlicherweise erst nach Ende des Krieges am 12. Februar 1919. Er zählt somit zu den letzten Fliegern, die diesen Abschluss erlangen konnten.[10]


[1] Thomas Albrich, Neue Helden? Vorarlberger Offiziere und Unteroffiziere der k. u. k. Luftfahrtruppen 1914-1918, in: Museums Verein Jahrbuch (2019), S. 12-30, hier S. 26-28.

[2] Dornbirn-Haselstauden Taufbuch mit Index 1812-1897, [http://www.vla.findbuch.net], eingesehen 28.01.2020, vgl. dazu: Josef August Bösch, bo666, 8.4.2020. Franz Stetter, Lustenauer Familienbuch, [http://www.lustenauer-familienbuch.at/], eingesehen 10.4.2020.

[3] Die Bezeichnung Pionier wie auch Luftschiffersoldat entspricht der eines einfachen Soldaten im niedrigsten Rang. Die unterschiedliche Betitelung hängt von Funktion und Truppenzuteilung ab. Haupt-Grundbuchblatt, 15.6.1920. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen, vgl. dazu: Militärblatt, o. D. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen.

[4] Eugen Bösch. ÖStA, KA, LFT, Karton o. Z, Kartothek über Offiziere, Beamte und Mannschaften der k. u. k. Luftfahrtruppen 1916.

[5] Haupt-Grundbuchblatt, 15.6.1920. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen, vgl. dazu: Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 67.

[6] Karl Meindl, Luftsiege der k. u. k. Luftfahrtruppen. Italienische Front – 1. Teil 1917, Band 5, o. O. 2004, S. 38.

[7] Meindl, Italienische Front – 1. Teil 1917, S. 38.

[8] Militärblatt, o. D. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen, siehe auch: Jörg C. Steiner, Heldenwerk 1914-1918. Die Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille und der Goldenen Tapferkeitsmedaille für Offiziere im Ersten Weltkrieg, Wien 2010, S. 233.

[9] Haupt-Grundbuchblatt, 15.6.1920. VLA, P 1894-Bosc5, Bösch Eugen.

[10] Keimel, Österreichs Luftfahrzeuge, S. 398.

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Flieger der Woche

Oberleutnant Hans Büchele

von Thomas Albrich.

Der Beobachteroffizier Oberleutnant in der Reserve Hans Büchele aus Dornbirn wurde am 24. September 1892 geboren.1 Er war ein guter Skifahrer und Reiter und studierte Maschinenbau mit dem Berufsziel Maschinenbau-Ingenieur. Er hatte die Realschule in Dornbirn mit Matura abgeschlossen und die Einjährig-Freiwilligen-Schule in Steyr absolviert.

Illustrierte Kronenzeitung, 20.8.1919 (ÖNB, ANNO)

Hans Büchele kam am 1. November 1916 zu den Luftfahrtruppen und wurde am 19. Jänner 1917 als ausgebildeter Beobachteroffizier zur Fliegerkompagnie 39 transferiert. Bei dieser neu aufgestellten Fliegerkompagnie, die erst am 3. März 1917 an der Front eintraf, hatte er jedoch die Aufgabe eines für den Transport zuständigen „Bespannungs-Offiziers“, nicht die eines Beobachteroffiziers.2 Büchele absolvierte daher auch keine Feindflüge.

Im April 1917 wurde Hans Büchele zur Fliegerkompagnie 13 an die rumänische Front transferiert. Anlässlich seines Wechsels verfasste sein Kommandant bei der Fliegerkompagnie 39, das Fliegerass Hauptmann Karl Nikitsch, ein großer Sportler und Selbstdarsteller,3 einen wenig schmeichelhaften Bericht. Unter „Dienstliches Verhalten“ hieß es:

„Neigung zur Opposition, gegenüber Vorgesetzten nicht immer achtungsvoll, erteilte Befehle müssen Nachdruck bekommen.“

Unter „außerdienstliches Verhalten und Benehmen“ ist zu lesen: „Gegenüber Kameraden manchmal überhebend. Ansonsten kameradschaftlich“. Büchele sei ein „leicht erregbarer Charakter“ und „gesund“. Abschließend hieß es auf die Frage, ob er eine besondere „Akquisition“ für die Luftfahrtruppen wäre, in Großbuchstaben „NEIN!“4

Bücheles erster Flug war ein Bombenangriff mit zwei 20-kg-Bomben, beim zweiten Flug kam es zu einem Luftkampf mit einem Nieuport-Doppeldecker-Jagdflugzeug.5 Am 20. Juli 1917 wurde er im Luftkampf durch zwei Geschosse verwundet.6 7

Er kehrte nach seiner Verwundung zur Fliegerkompagnie 13 zurück und musste Anfang Oktober 1917 mit seinem Piloten wegen eines Vergaserschadens notlanden.8

Nach dem Ende der Kampfhandlungen gegen Russland flog Hans Büchele am 19. Mai 1918 als Beobachter von Proskurow nach Odessa und zwei Tage später wieder retour. Die Gesamtflugzeit betrug zehn Stunden. Im September 1918 wurde er als Ausbildner der Fliegerersatzkompagnie 12 zugeteilt und nach Kriegsende am 30. November 1918 aus der Luftfahrtruppe entlassen. Hans Büchele starb am 31. Dezember 1976 in Dornbirn.9


[1] Bregenzer Taufbuch 1891–1896, [http://www.vla.findbuch.net], online eingesehen am 15.6.2018.

[2] Hans Büchele, Flik 39, Ergänzungsblatt, Strasshof, 20.2.1917. ÖStA, LFT, Personalakten, Karton 7.

[3] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 158.

[4] Hauptmann Karl Nikitsch, Beschreibung Johann Büchele, Flik 39, 10.8.1917. Ebd.

[5] Hans Büchele, Flik 13, Verzeichnis über die im Monat April, Juni und Juli 1917 durchgeführten Flüge. Ebd.

[6] Karteikarte. ÖStA, LFT, Offizierskartothek, Karton 1, Büchele Hans.

[7] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 158.

[8] Verzeichnis über die durchgeführten Feindflüge bei der Flik 13; Hans Büchele, Flik 13, Verzeichnis über die im Monat September, Oktober und November 1917 sowie Jänner 1918 durchgeführten Flüge. ÖSTA, KA, LFT, Karton 7, Personalakten, Bubenik-Chu, Büchele Johann; Robert Veinfurter, Das Fliegende Personal der k.u.k. Fliegerkompagnien im Ersten Weltkrieg (ÖFH Sonderband 34), Wien 2017, S. 71.

[9] Hans Büchele, Flik 13, Verzeichnis über die im Monat Mai 1918 durchgeführten Flüge. ÖStA, LFT, Personalakten, Karton 7; Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 71; Johann Büchele. ÖSTA, KA, LFT, Karton 1, Offizierskartothek (A–F); Hauptgrundbuchblatt. VLA, P 1892-Buch2, Büchele Johann; Bregenzer Taufbuch 1891–1896, [http://www.vla.findbuch.net], online eingesehen am 15.06.2018.

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Flieger der Woche

Hauptmann Hermann Schwaighofer

von Thomas Albrich.

Der Tiroler Luftschiffer Hermann Schwaighofer, geboren am 11.8.1883 in Innsbruck als Sohn einer alten Innsbrucker Bürgersfamilie, gelangte schon vor seinen Kriegseinsätzen als ein Pionier der Freiballonfahrt zu regionaler Berühmtheit.[1] Am 19.7.1902 wurde Schwaighofer gemustert und als Einjährig-Freiwilliger zum 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger eingeteilt. Der 19-jährige Schwaighofer war 1.72 m groß, hatte blonde Haare, blaugrüne Auge und als besonderes Merkmal eine ausgeheilte Verwundung am rechten Handgelenk.[2] Seinen ersten „inoffiziellen“ Offiziersrang erreichte Schwaighofer mit seiner Ernennung zum Reserve Kadetten und Einreihung zum 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger am 1.1.1904. Am 1.1.1909 wurde er schließlich zum Reserve Leutnant befördert und endgültig zum k.u.k. Infanterie-Regiment 88 versetzt.[3] Seine Ausbildung zum Ballonbeobachter machte er 1913. Sein Ballonführer-Diplom erhielt er am 21.6.1913. Im „Schematismus 1914“ scheint Hermann Schwaighofer als Leutnant in der Reserve beim Infanterie-Regiment 88 auf.[4] Als mittlerweile Oberleutnant der Reserve bekam er für seinen Kampfeinsatz mit einer Einheit der Kaiserjäger in der zweiten Schlacht von Krasnik am 28.7.1915 eine Allerhöchste belobende Anerkennung für „tapferes Verhalten vor dem Feinde“.[5]

Aufgrund seiner Erfahrungen als Ballonfahrer vor dem Weltkrieg wurde Oberleutnant Schwaighofer im Frühjahr 1916 zu den Fliegertruppen beordert und zum Kommandanten der Fesselballonabteilung der k.u.k. Luftfahrtruppen ernannt[6] und in die Luftschifferabteilung Fischamend eingegliedert.[7]

Gondel eines Fesselballons der k.u.k. Armee im September 1917 (ÖNB, Bildarchiv Austria, 223184 B)

Vom 26.4.1916 bis zum 2.7.1916 war er als Beobachter bei der Ballon-Abteilung 10, danach wurde er zur Ballon-Abteilung 1 versetzt und dort zuerst als Beobachter, danach als Kommandant eingesetzt.[8] Für seine militärische Tätigkeit bei den Luftfahrtruppen wurde Schwaighofer am 21.2.1917 erneut für das „abermalige tapfere Verhalten vor dem Feinde“ eine zweite „Allerhöchste belobende Anerkennung“ zuteil. Am 24.6.1917 wurde ihm das Luftfahrerabzeichen auf ein Jahr zugesprochen.[9] Mit dem 9.8.1917 wurde er von der Front zur Luftschiffer Ersatzkompagnie 1 transferiert.[10] Am 2.12.1917 erhielt er den Militär-Jubiläumskranz.[11] Zu Kriegsende wurde er zu seiner Infanterie-Stammtruppe zurück versetzt und als Hauptmann der Reserve aus dem Verband der Tiroler Kaiserjäger ausgemustert.[12]

Nach Kriegsende wurde Hermann Schwaighofer Mitglied der Alpenvereinssektion Innsbruck, war Bergsteiger und schriftstellerisch tätig.[13] Er verfasste alpinistische und touristische Alpen-Beschreibungen. Schwaighofer verfasste 26 Wanderführer über den Großraum Tirol[14], bevor er 1929 durch einen Schlaganfall seine publizistische Tätigkeit einstellen musste. Er starb nach einer Verschlechterung seines Zustandes am 4.7.1933 in Innsbruck.[15]

Offene Fragen: Wo waren die 1. und 10. Ballonkompagnie (Ballon-Abteilung?) 1916/1917 stationiert?


Interessensgemeinschaft Luftfahrt Fischamend

Grundlegende Informationen zu den k.u.k. Luftschiffern enthält der Band: Rudolf Ster/Reinhard Ringl, Die k.u.k. Militär-Aëronautische Anstalt Fischamend. Band 1 – Die große Zeit der k.u.k. Luftschiffe 1908–1914, Hetzendorf 2017.


[1] Neueste Zeitung, 1933/Nr. 151, S. 3.

[2] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[3] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[4] Auskunft Kustan.

[5] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[6] Ebd.

[7] Tiroler Tageszeitung, 1978/Nr. 273, S. 9.

[8] Kommando der Luftfahrtruppen, Offizierskartei, Schwaighofer Hermann. ÖStA, KA.

[9] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[10] Kommando der Luftfahrtruppen, Offizierskartei, Schwaighofer Hermann. ÖStA, KA.

[11] Militärmatriken Schwaighofer Hermann. TLA.

[12] Tiroler Tageszeitung, 1978/Nr.273, S. 9.

[13] Neueste Zeitung, 1933/Nr. 151, S. 3.

[14] Tiroler Tageszeitung, 1978/Nr. 273, S. 9.

[15] Neueste Zeitung, 1933/Nr. 151, S. 3.

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Flieger der Woche

Leutnant Sigurd Christomannos

von Nikolaus Hagen.

Sigurd Theo[dor] Christomannos (auch: Christomanos)[1], geboren 1896 in Innsbruck und heimatzuständig nach Meran, stammte aus einer bekannten griechisch-österreichischen Familie mit Verbindungen zum Kaiserhaus. Ein Großcousin, der Historiker Constantin Christomanos, war Griechisch-Lehrer der Kaiserin Elisabeth;[2] ein Großonkel, der Chemiker Anastasios Christomanos, war ein europaweit bekannter Professor der Athener Universität.

Sein Vater war der Rechtsanwalt Theodor Christomannos, ein gebürtiger Wiener (1854–1911). Dieser hatte an der Universität Innsbruck studiert und war dort als deutschliberaler Studentenführer geradezu berüchtigt. Unter anderem war er Senior des Corps „Gothia“ und Mitglied des Akademischen Gesangsvereins. Nach seinem Studium arbeitete Christomannos als Rechtsanwaltsanwärter in Meran. Die katholisch-antisemitische Zeitung Das Vaterland charakterisierte ihn 1888 als

„[…] junge[n] Advocatursconcipient von Meran, Dr. Theodor Christomannos (geboren in Wien, zuständig in Macedonien, griechisch-orientalischer Religion), der bisher nur durch sein flottes Studentenleben und seine ‚Schmisse‘ berühmt war […]“

(Hervorhebung im Original) und als „orientalische[n] Doctor“. In Tirol – insbesondere in Südtirol – wurde Christomannos in Folge als Fremdenverkehrspionier sehr bekannt. Unter anderem setzte er sich mit seinen Partnern für den Bau von alpinen Grand Hotels in Sulden, Trafoi und am Karersee ein. Schließlich wurde er auch Tiroler Landtagsabgeordneter.

Privat erarbeitete sich Theodor Christommanos einen Ruf als Frauenheld, der zahlreiche uneheliche Kinder mit unterschiedlichen Frauen zeugte. Eine Figur in Arthur Schnitzlers Tragikomödie „Das weite Land“ (1911) war Christomannos nachempfunden. Über diesen „Doktor von Aigner“ ließ Schnitzler eine andere Figur aussprechen:

„Die neuen Dolomitenstraßen wären ohne ihn nie gebaut worden. Und diese Riesenhotels und die Automobilverbindungen, eigentlich alles sein Werk! Und nebstbei hat er in jedem Tiroler Dorf mindestens ein Kind. Auch außerhalb seines Wahlkreises.“[3]

Eines der Kinder war Sigurd Christomannos. Am 6. Jänner 1896 kam er als „Alois Theodor Sigurt“ in Innsbruck zur Welt und wurde in der Pfarre St. Jakob katholisch getauft. Die Mutter war Aloysia Wellzensohn. Das Taufbuch vermerkte die uneheliche Geburt und die Vaterschaft. Später wurde die Anmerkung hinzugefügt: „Der Familiename des Kindesvaters und sohin seines Kindes lautet richtig: ‚Christomannos‘, vorgemerkt zufolge Erlaß der k.k. Statthalterei v. 5. Dezember 1913.“[4] Der Vater heiratete 1909 Franziska Lutz, mit der zuvor ebenfalls zwei uneheliche Kinder gezeugt hatte. Sigurd Christomannos dürfte sie wohl als Stiefmutter angesehen haben; vielleicht hatte sie ihn auch adoptiert. In den Unterlagen der k.u.k. Armee ist sie als nächste Angehörige verzeichnet und in einem Bericht über ihr Begräbnis im Jahr 1936 hieß es: „Unter den Angehörigen war auch der älteste Sohn Sigurd aus Felden in Kärnten zum Leichenbegängnis seiner Mutter nach Merano gekommen“.[5]

Laut seiner Offizierskarte besuchte Sigurd oder Theo Christomannos – beide Varianten finden sich in den Armeeunterlagen – das Gymnasium, wohl in Meran, und sprach neben Deutsch auch noch „notdürftig“ Italienisch.[6] Im Jahr des Kriegsbeginns 1914 kam er als damals 18-Jähriger zum Gebirgsartillerieregiment Nr. 8. Er wurde 1916 als Kadett verwundet und kam im Mai in ein Spital nach Innsbruck.[7] Am 1. November 1917 wurde er zum Leutnant der Reserve befördert.

Ende Jänner 1918 wurde Christomannos zum Februar-Kurs bei der Flosch eingeteilt und als Beobachter ausgebildet. Anschließend kam er zum Koluft der 11. Armee, die an der Italienfront eingesetzt war, wo er – laut Offizierskarte – bis 8. Juli 1918 blieb. Am 23. Juli 1918 wurde er als Beobachteroffizier zur Flik 31 transferiert.[8] Diese Fliegerkompagnie war Ende Juni aus Siebenbürgen an die Italienfront verlegt worden. Bereits nach zwei Tagen, am 25. Juli, wurde Christomannos zur Flik 39 versetzt und am 28. August weiter zur Flik 10. Aus dem Personalakt geht hervor, dass er bei der Flik 39 keinen einzigen Flug absolvierte – von der Flik 31 gibt es keinen Aufzeichnungen. Aus demselben Monat Juli gibt es allerdings schon ein Verzeichnis seiner Flüge bei der Flik 10. Am 19. Juli und am 29. Juli absolvierte er demnach zwei Flüge von Gardolo aus. Bei Veinfurter ist ein Zugang zur Flik 10 – per Luftpost angekündigt – bereits mit 8. Juli verzeichnet, was insofern plausibeler als die Angabe in der Offizierskarte erscheint. Offenbar hinkten die offiziellen Transfers zu diesem Zeitpunkt längst der Realität hinterher. Im August 1918 wurde er zum XIX. Korpskommando versetzt, im September 1918 zur Flik 64. Aufzeichnungen über Flüge existieren keine mehr.

Nach dem Krieg lebte Sigurd Theodor Christomannos in Kärnten, wo er als Rechtsanwalt und Notar tätig war.


[1] In den Akten der k.u.k. Armee, ebenso wie in zahlreichen Berichten und Abhandlungen über seinen Vater Theodor, finden sich sowohl die Schreibweise Christomanos als auch Christomannos.

[2] ÖBL 1815–1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 147.

[3] Arthur Schnitzler, Die Dramatischen Werke. Band 2, Frankfurt a. M. 1962, S. 223.

[4] TLA, Matriken, Pfarre Innsbruck-St. Jakob, Taufbuch 1876–1897, fol. 428.

[5] Dolomiten, 17.10.1936, S. 4.

[6] ÖStA, KA, LFT Offizierskartothek, Sigurd Christomannos.

[7] Neue Tiroler Stimmen, 6.5.1916, S. 3; Tiroler Volksbote, 10.5.1916, S. 10.

[8] Laut Veinfurter bereits am 6.6.1918. Veinfurter, Fliegendes Personal, 135.

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Flieger der Woche

Oberleutnant Karl Schoßleitner

von Nikolaus Hagen.

Der Name Karl Schoßleitner wird heute meist im Zusammenhang mit der Salzburger Literatenszene der Zwischenkriegszeit sowie als Pionier der Höhlenforschung genannt.[1] Vor allem in den 1910er bis 1930er Jahren veröffentlichte Schoßleitner, ein gebürtiger Tiroler, der in Salzburg lebte und wirkte, zahlreiche Reiseführer, Novellen, Gedichte und Lyrikbände. Insbesondere in seinen Gedichten, aber auch in öffentlichen Vorträgen und Berichten, verarbeitete Schoßleitner seine Kriegserfahrungen als Offizier bei den Tiroler Kaiserjägern und als Beobachter bei den k.u.k. Luftfahrttruppen.

Medaille “Karl Schossleitner”, R. Ruepp 1919.

Karl Schoßleitner kam am 18. Juni 1888 in Cavalese im heutigen Trentino zur Welt. In den zeitgenössischen Akten der k.u.k. Armee wird der Ort zumeist „Gablenz i. Tirol“, manchmal auch „Gabless“ genannt. Sein gleichnamiger Vater Karl Schoßleitner senior (1859–1907), ein gebürtiger Wiener, war zu diesem Zeitpunkt k.k. Bezirkstierarzt in Cavalese bzw. Trient. 1892 wurde der Vater nach Innsbruck versetzt und zum provisorischen Veterinärinspektor bei der k.k. Statthalterei befördert.[2] Vier Jahre später erfolgte der nächste wichtige Karriereschritt: Schoßleitner sen. wurde im Frühjahr 1896 zum k.k. Landestierarzt bzw. Veterinärreferent bei der Landesregierung in Salzburg ernannt.[3] Damit war ein neuerlicher Umzug der Familie verbunden. Karl Schoßleitner junior kam so als Achtjähriger nach Salzburg, wo er das Gymnasium absolvierte und – abgesehen von seinem Studium und dem Militärdienst – sein gesamtes weiteres Leben verbrachte.

Bereits als Zwanzigjähriger veröffentlichte Schoßleitner erste literarische Texte. Im Salzburger Volksblatt hieß es im September 1909: „Wenn nicht alle Zeichen trügen, ist ein neues bedeutsames Talent erstanden.“[4] Zu diesem Zeitpunkt dürfte er bereits Germanistik an der Universität Wien studiert haben. In den folgenden Jahren erschienen literarische Beiträge Schoßleitners, unter anderem auch im in Innsbruck erschienenen Brenner, die ein erstaunliches Presseecho auch außerhalb Salzburgs nach sich zogen. Noch vor oder zu Beginn seines Studiums dürfte er sich als Einjährig-Freiwilliger gemeldet haben und avancierte Ende 1910 zum Kadetten der Reserve im 4. Tiroler Jägerregiment.[5] Anfang 1913 wurde er zum Fähnrich in der Reserve befördert,[6] am 31. Dezember 1913 schließlich zum Leutnant in der Reserve.[7] Im selben Jahr war er literarisch sehr aktiv und schrieb Kritiken für Salzburger Tageszeitungen.

Vermutlich unterbrach der Beginn des Ersten Weltkriegs sein Studium in Wien, das er wohl nie mehr abschloss. Schoßleitner kam mit seinem Regiment nach Galizien, wo die Tiroler Kaiserjäger schwerste Verluste erlitten. Auch er wurde schwer verwundet und erhielt im Herbst 1914 einen Monat Genesungsurlaub. Im März 1915 erlitt er einen Knöchelbruch und fiel erneut für drei Monate aus.[8] Im Sommer 1915 wurde das 4. Tiroler Jägerregiment an die Südfront gegen Italien verlegt und Schoßleitner als M.G.-Zugskommandant, später auch als M.G.-Kompagniekommandant eingesetzt. Im November 1915 erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant in der Reserve.[9] Nach einer erneuten schweren Erkrankung im Herbst 1916 war Schoßleitner für den Gebirgskrieg an der Südfront kaum mehr einsatzfähig. Zwischen August 1916 und Jahresbeginn 1917 fiel er krankheitsbedingt gänzlich aus. Anfang 1917 meldete er sich freiwillig zu den Luftfahrtruppen, wo sein jüngerer Bruder Max Schoßleitner (geb. 1895) schon seit Juli 1916 als Beobachter eingesetzt war. Am 15. Mai 1917 wurde Karl Schoßleitner zur Ausbildung als Beobachtungsoffizier nach Wiener Neustadt kommandiert. Leicht abweichenden anderen Angaben zufolge war er von 17. April 1917 bis Ende Juni 1917 in Ausbildung.

Nach erfolgreicher Absolvierung der Schulung drohte ihm, so Schoßleitner Jahre später, wegen seiner Verletzungen und einer geringen Fehlsichtigkeit die Untauglichkeit für den Fliegerdienst. Nachdem er auf eine Nachmusterung insistiert habe, sei er schließlich doch noch als tauglich befunden worden. Laut seiner Offizierskarte wurde er am 10. Juli 1917 als Beobachter zur Fliegerkompagnie 7 an die Ostfront beordert. Die Flik 7 war damals am Flugfeld Dolina westlich der galizischen Bezirkshauptstadt Kalusch stationiert und der 3. Armee unmittelbar zugeteilt.[10] Der damalige Kommandant der Flik 7, Feldpilot Oberleutnant Alexander Schön, beurteilte Schoßleitner im Oktober 1917 als „sehr schneidig bei großer Ruhe und Kaltblütigkeit“. Schoßleitner sei ein „beliebter Kamerad mit guten Umgangsformen“ und habe zudem „gute technische Kenntnisse“. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon elf Feindflüge absolviert.[11] Im Monat darauf wurde sein Bruder Max Schoßleitner als Feldpilot ebenfalls zur Flik 7 transferiert.[12]

Am 19. Februar 1918 wurde Karl Schoßleitner zum Kommando der Luftfahrtruppen kommandiert, wo er bis 2. August 1918 verblieb. Im Oktober 1918 wurde er zu den Fliegerersatztruppen versetzt. Nach eigenen Angaben tat er noch bis August 1919 freiwillig Dienst bei den dann schon deutsch-österreichischen Luftfahrtruppen. Nach dem Krieg begann Schoßleitner eine Beamtenlaufbahn in Salzburg. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Offizier der deutschen Luftwaffe reaktiviert.


[1] Eintrag Karl Schoßleitner, in: Salzburg Wiki, https://www.sn.at/wiki/Karl_Scho%C3%9Fleitner_(Schriftsteller),

[2] Innsbrucker Nachrichten, 22.8.1892, S. 2.

[3] Die Presse, 18.3.1896, S. 14.

[4] Salzburger Volksblatt, 15.9.1909, S. 9.

[5] Neues Wiener Abendblatt, 31.12.1910, S. 50.

[6] Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 3.1.1913, S. 6.

[7] ÖStA, KA, LFT Offizierskartei, Karl Schossleitner.

[8] ÖStA, KA, LFT, Kt. 44, Personalakt Karl Schossleitner, Zusammenstellung nach den vorliegenden Quallisten, 11.9.1917.

[9] ÖStA, KA, LFT Offizierskartei, Karl Schossleitner.

[10] Karl Meindl, Luftsiege der k.u.k. Luftfahrtruppen. Russische Front 1917–1918 (öfh nachrichten Sonderheft 29), Wien 2002, S. 25.

[11] ÖStA, KA, LFT, Kt. 44, Personalakt Karl Schossleitner, Beschreibung, 9.10.1917.

[12] ÖStA, KA, LFT Offizierskartei, Max Schossleitner.

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Flieger der Woche

Korporal Hermann Koch

von Stefan Stachniß.

Hermann Koch war ein Vorarlberger, der als Pilot bei den k. u. k. Luftfahrtruppen diente. Er wurde am 11. November 1895 in Bludenz als Sohn des Benedikt Koch, einem Bahnwärter aus Lermoos im Tiroler Außerfern, und Katharina Amann aus Bürs, geboren.[1] Die Familie zog noch vor Kriegsbeginn nach Frastanz. Koch, der den Beruf eines Motorschlossers erlernte, kam zunächst im Jahr 1915 als Gefreiter des 3. Tiroler Kaiserjägerregiments an die Italienfront, ein Jahr darauf kämpfte er mit dem Regiment an der Ostfront in Galizien. Anfang 1917 wurde er zum Korporal befördert und diente noch für kurze Zeit bei seinem Stammregiment, den Tiroler Kaiserjägern.[2]

Koch kam dann nach Krakau zur Fliegerersatzkompanie 10 und wurde anschließend nach Wiener Neustadt versetzt. Dort fiel er dem Ausbildungskommando vor allem durch seinen Gehorsam auf.[3] Der junge Pilotenschüler absolvierte erfolgreich die Ausbildung zum Feldpiloten und erhielt am 10. September 1917 das Fliegerdiplom des Österreichischen Aero-Clubs Nummer 781.[4] Nach seiner Flugausbildung kam Koch am 17. November 1917 zur Fliegerkompanie 12. Dort blieb er bis zu seiner Versetzung zur Flik 67 im Februar 1918. Auch bei dieser Einheit hielt es ihn nicht lange.

Ob er bei seinen ersten beiden Stationen im Feld bereits Feindflüge absolvierte, ist nicht bekannt, danach jedenfalls wurde er zur Flik 71, die Teil der Isonzo Armee war, versetzt. Dort absolvierte er im Mai 1918 drei Feindflüge mit einer zweisitzigen Maschine.[5] Am 15. Juni 1918 flog er gemeinsam mit dem Beobachteroffizier Leutnant in der Reserve August Boyer von Berghof über das feindliche Gebiet jenseits des Piave[6], wo der Flugapparat im Luftkampf bei Monastier di Treviso abgeschossen wurde. Während sein Offizier schwer verletzt in Kriegsgefangenschaft geriet, überlebte Hermann Koch den Feindkontakt nicht.[7]

Der Vorarlberger Feldpilot wurde am 22. Juni 1918 in einem Massengrab bei Fossalta di Piave beerdigt. Endgültige Gewissheit über den Tod des Frastanzers erhielten die Verwandten in einer Mitteilung vom 12. März 1922. Dort heißt es, dass

„Hermann Koch von Frastanz am 15. Juni bei la Fossa (…) im Luftkampfe über dem Feind herabgeschossen und auf dem Friedhof zu la Fossa beerdigt“

wurde.[8]

Koch verdiente sich während seiner militärischen Laufbahn die Bronzene und die Große Silberne Tapferkeitsmedaille.[9]


[1] Bludenzer Taufbuch mit Index 1891-1900, [http://www.vla.findbuch.net], eingesehen 9.1.2020.

[2] Fragebogen zu Bestellschein. Hermann Koch, 6.4.1927. GA Frastanz, Schachtel 29/Mappe 2, siehe auch: Vorarlberger Heldenbuch. Gedenkblatt für Hermann Koch, o. D. GA Frastanz, Schachtel 29/Mappe 2, vgl. dazu: Personaldokumente, o. D. VLA, P 1895-Koch1, Koch, Hermann.

[3] K. u. k. Fliegerersatzkompanie 10. Mannschaft der Beschreibungsklasse, 15.2.1917. ÖStA, Ka, LFT, Schachtel 2, Mannschaftsevidenzen Fliegerersatzkompanie 1-10.

[4] Keimel, Österreichs Luftfahrzeuge, S. 390.

[5] Summarisches Verzeichnis über die Feindflüge im Mai 1918. ÖStA, Ka, LFT, Schachtel 188, Monatsberichte der Fliegerkompanien 61-75, 101-105.

[6] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 68, 230, 236, 292.

[7] Der Ort des tödlichen Absturzes wird in den Quellen mit „La Fossa“ benannt. Vermutlich handelt es sich hier um den heutigen Ort Fossalta di Piave, der in der Nähe von Monastier di Treviso am Piave liegt. Siehe dazu: Ehrenblatt der Gemeinde Frastanz, o. D. VLA, ED Hs 1, Vorarlberger Heldenbuch, vgl. dazu: Veinfurter, Personal, S. 236.

[8] Vorarlberger Volksblatt, 16.3.1922, S. 3.

[9] Fragebogen zu Bestellschein. Hermann Koch, 6.4.1927. GA Frastanz, Schachtel 29/Mappe 2.

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Flieger der Woche

Hauptmann Camillo Perini

von Thomas Albrich.

Oberleutnant, später Hauptmann Feldpilot Camillo Perini, geboren am 18.6.1887 in Pula oder Matarello im Trentino. Er war Berufsoffizier im kaiserlichen Heer. 1908 schloss er die Artillerieschule für Offiziere in Wien ab und wurde mit 1. September 1908 zum Leutnant ernannt.[1] Anschließend diente er im 8. Feldartillerie-Regiment in Görz. 1912 kam er zu denn k.u.k. Luftfahrtruppen, besuchte den Piloten Kurs in Wiener Neustadt, wo er am 8. Juli 1912 den Flugschein Nr. 54 erhielt.[2]

Vor allem im Jahre 1913 flog Oberleutnant Camillo Perini immer wieder im Raum Aspern – Fischamend – Wiener Neustadt. Am 23. Juni 1913 begann die Flugwoche in Aspern, an der auch die beiden Brüder Perini teilnahmen. Zum Abschluss der Flugwoche am 29. Juni 1913 waren sie Teil eines Geschwader-Fluges von zehn Lohner-Daimler-Pfeilfliegern. Oberleutnant Camillo Perini flog „Belizar“, sein Passagier war sein Bruder Leutnant Max Perini.[3]

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs hieß es, dass beim neu aufgestellten Flieger-Regiment auch Mannschaftspersonen als Piloten ausgebildet würden. Der erste Fliegerkurs in Fischamend begann am 11. Juni 1914 und Oberleutnant Camillo Perini war einer der beiden Ausbildner von der Luftschifferabteilung.[4]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs diente Oberleutnant Camillo Perini anfangs in der Flik 8 an der russischen Front.[5] Im September 1914 hieß es im Tiroler: Oberleutnant Camillo Perini wurde im September 1914 mit dem Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet, „weil er kühne Flüge über den Feind in Russland ausführte. Sein Aeroplan wurde von 8 feindlichen Kugeln getroffen.[6] Und in den Innsbrucker Nachrichten hieß es:

„Wertvolle Meldungen von kühn ins Feindesland im Norden und Süden ausgeführten Flügen brachten noch die Oberleutnants [Karl] Banfield […] und Kamillus Perini.“[7]

Im April 1915 wurde Camillo Perini zur Flik 7 bei den Balkanstreitkräften an die serbische Front versetzt.[8] Er kam schon am 21. Mai 1915 zur Flik 12 wieder an die russische Front, im August 1915 zur Flik 4 an die italienische Front und am 14. November 1915 zurück zur Flik 12. Im November 1915 wurde er Hauptmann.[9] Am 5. Dezember 1915 kam er als Kommandant zur Flik 11 und diente bis 1. Oktober 1917 an der russischen Front. Bis zum Februar 1916 erhielten Hauptmann Camillo Perini und Hauptmann Raoul Stoisavljevic, das einzige Tiroler Fliegerass, das Militärverdienstkreuz III. Klasse.[10] Im Jänner 1917 erhält Camillo Perini das permanente Feldpilotenabzeichen, im Juli 1917 das Eiserne Kreuz II. Klasse, im August 1917 das silberne Militärverdienstkreuz.[11] Seit Oktober 1917 bis zum Ende Oktober 1918 diente an der italienischen Front. Im Oktober 1917 kam er als Kommandant zur Flik 66D, ab 26. Jänner 1918 ging er als Kommandant zur Artillerieflieger Lehrkompanie (neu).[12]

Aufgrund der Niederlage Österreich-Ungarns emigrierte Camillo Perini auf Anraten seiner polnischen Fliegerkollegen Anfang November 1918 nach Polen. Am 15. November 1918 schloss er sich der polnischen Fliegertruppe an. Er nahm als Flieger am Polnisch-ukrainischen Krieg teil und war dann Kommandant III. und II. Fliegergruppe. Im April 1920 wurde er zum Chef der Flieger beim Oberkommando der polnischen Streitkräfte ernannt. 1921 wurde er Oberst und Kommandant des 1. Fliegerregiments, dann Kommandant des 3. Flieger-Regiments (von April 1922 bis April 1925) und des 6. Fliegerregiments (ab April 1925 bis Februar 1929). Perini war der Ranghöchste im Korps der polnischen Fliegeroffiziere. Am 31. März 1929 ging er mit 42 Jahren in Pension.

Er blieb in Warschau, wo er auch als Journalist tätig war und über die Militärluftfahrt schrieb. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 ging er nach Italien wo er geheim die Evakuierung polnischer Soldaten nach Frankreich organisierte. 1940 wurde er von der italienischen Polizei verhaftet und in Montefiascone unter Hausarrest gestellt. Er starb am 27. August 1942 einem Spital in Viterbo an den Folgen einer akuten Blinddarmentzündung.[13]

Offene Fragen:

Wo sind die Brüder Perini geboren bzw. wo haben sie gewohnt? In Mattarello oder Pola/Pula?

Gehört Richard Perini, Oberleutnant in der Reserve, ebenfalls zur Familie von Camillo und Maximilian (Max)? Sein Pilotendiplom Nr. 1009 erhielt er am 8.2.1918.[14] Er diente der Flik 19 und war seit 8.5.1918 Kommandant des Flip 6.[15]

Hieß der Vater der Perinis ebenfalls Richard? Im Frühjahr 1915 wurde dem „Oberleutnant des Ruhestandes Richard Perini aus Pola“ die Silberne Ehrenmedaille des Roten Kreuzes verliehen.[16]


[1] Wiener Zeitung, 18.8.1908, S. 19.

[2] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des österreichischen Aero-Clubs. Inhaber, Prüfer und Bedingungen (1910-1919), Wien 2019, S. 33.

[3] Allgemeine Sport-Zeitung, 28.6.1913, S. 899 f.

[4] Fremden-Blatt, 6.6.1914, S. 5; Allgemeine Sport-Zeitung, 13.6.1914, S. 609.

[5] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 46 und 50.

[6] Der Tiroler, 13.9.1914, S. 4.

[7] Innsbrucker Nachrichten, 3.9.1914, S. 2.

[8] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 46 und 50.

[9] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 31 und 65.

[10] Allgemeine Sport-Zeitung, 20.2.1916, S. 110.

[11] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 61 und 228 f.

[12] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 61 und 228 f.

[13] Camillo Perini, in: Wikipedia, l’enciclopedia libera, eingesehen 30.10.2020.

[14] Marcus F. Zelezny, Pilotendiplome des österreichischen Aero-Clubs. Inhaber, Prüfer und Bedingungen (1910-1919), Wien 2019, S. 33.

[15] Veinfurter, Das Fliegende Personal, S. 313.

[16] Reichspost, 15.5.1915, S. 5.

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Flieger der Woche

Oberleutnant Rudolf Matt

von Thomas Albrich.

Der Beobachteroffizier Oberleutnant Rudolf Matt kam am 22. Februar 1891 in Feldkirch zur Welt. Er war der Sohn von Robert Matt, k.u.k. Oberfinanzrat im Finanzministerium in Wien.[i] Laut Beschreibung war Rudolf Matt 1,75 Meter groß, hatte braune Haare, graue Augen und eine Schnittwunde an der inneren linken Handfläche. Er war ledig, römisch-katholisch und sprach Deutsch und Italienisch, er konnte Skifahren und hatte einen Autoführerschein.[ii]

Nach Beginn des Weltkriegs absolvierte Matt die Ausbildung zum Beobachter[iii] und wurde im Mai 1915 als Beobachter der Fliegerkompagnie 12 zugeteilt und gegen Monatsende zur Fliegerkompagnie 16 nach Villach versetzt. Hier absolvierte er am 31. Mai 1915 seinen ersten Flug. Im Juni 1915 führte er neun Flüge durch, im Juli zehn und im August vier. Im September 1915 absolvierte er keinen Flug.

In einer Beschreibung von Rudolf Matt durch seinen Kommandanten bei der Fliegerkompagnie 16, Hauptmann Richard Schuster, vom Sommer 1915 heißt es u.a., unter dienstlichem Verhalten:

„fliegt nicht sehr gerne, besonders bei schlechtem Wetter, gegen Untergebene dienstfordernd, gegen Vorgesetzte gehorsam doch vorlaut“.

Seine Charaktereigenschaften werden wie folgt beschrieben:

„in Entwicklung begriffener Charakter, in seinen Äußerungen unbedacht und großsprecherisch“.

Er mache „den Eindruck etwas truppenscheu“ zu sein.[iv] Nachdem Rudolf Matt um Versetzung zum Stammtruppenkörper an der Front gebeten hatte, wurde dies im September 1915 genehmigt.[v]

Seine restliche Karriere, ab 1917 wieder bei den Luftfahrtruppen, verlief dann bis Kriegsende unspektakulär, da er kein Mitglied des fliegenden Personals mehr war.


[i] Karteikarte. ÖStA, LFT, Offizierskartothek, Matt Rudolf.

[ii] Unterabteilungs-Grundbuchblatt. VLA, P 1891-Matt4, Matt Rudolf Karl. Siehe hierzu: Beschreibung des Offiziers, o.D. ÖStA, KA, LFT, Karton 30, Personalakten, Matl-Miklosi, Matt Rudolf.

[iii] Bescheinigung, 26.10.1955. VLA, E 196/1955, Matt Rudolf.

[iv] Beschreibung. ÖStA, LFT, Personalakten, Karton 30, Matt Rudolf.

[v] Einrückung, 10.9.1915. ÖStA, KA, LFT, Karton 30, Personalakten, Matl-Miklosi, Matt Rudolf.

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Flieger der Woche

Oberleutnant Ernst Flatz

von Thomas Albrich.

Foto: Das interessante Blatt, 25.6.1941, S. 1 (ÖNB ANNO)

Flatz begann im April 1913 seine Pilotenausbildung und erhielt am 8. Juli 1913 das Flugzeugführerdiplom Nr. 117. Fortan wurde er als „Feldpilot für Flugmaschinen“ geführt. Am 20. Juni 1914 war er in Fischamend in Niederösterreich in die bis dahin größte Luftfahrtkatastrophe in Österreich-Ungarn verwickelt, als er mit dem Luftschiff „Körting“ in der Luft kollidierte. Der in Österreich gebaute Lenkballon, der 1911 vom Militär übernommen worden war, hatte eine Länge von 68 Metern. Mit einer Geschwindigkeit von 57 km/h war der militärintern als „M III“ bezeichnete Lenkballon der schnellste und hatte außerdem einen hochmodernen Funktelegrafen an Bord.Quelle

An diesem 20. Juni 1914 stieg Feldpilot Oberleutnant Ernst Flatz mit Fregattenleutnant Wolfgang Puchta als Beobachter mit einem erst kürzlich von der Heeresverwaltung angekauften Farman-Doppeldecker auf, um das Körting-Luftschiff zu verfolgen. Dabei streifte er die Längsseite des “Körting”, des letzten noch einsatzfähigen k.u.k. Luftschiffs, riss die Außenhaut auf, eine Stichflamme stieß hervor, das Luftschiff verwandelte sich in einen Feuerball und stürzte aus 400 Metern Höhe ab.

Nachruf auf Ernst Flatz im Bregenzer Tagblatt vom 23.6.1914, S. 2. (ÖNB ANNO)

Die beiden Flieger und die 7 Besatzungsmitglieder des Luftschiffs fanden den Tod. Das Fremdenblatt schrieb im Nachruf für Flatz:

„Ein tüchtiger Sportsmann auch auf anderen Gebieten, wurde er bald einer unserer tüchtigsten und kühnsten Piloten, den kein Unwetter so leicht abschreckte.“

Fremdenblatt, 21.6.1914, S. 7

Nach 1914 wurden in Österreich-Ungarn keine Lenkballone und Luftschiffe mehr betrieben, die Zeit der Flächenflugzeuge hatte begonnen.


Weitere Informationen zu diesem Unglück finden Sie im Artikel “Körting-Katastrophe” auf Wikipedia, der von Mitgliedern der Interessensgemeinschaft Luftfahrt Fischamend verfasst wurde.